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Zukunftsregion Westpfalz

Interview: "Das Beschäftigungsniveau in der Westpfalz bleibt hoch"

Zur aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Gespräch mit Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens

Erfreulich stabil präsentieren sich die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens. Bei der Beschäftigung zeigt sich ein kontinuierlicher Anstieg in den Jahren 2019 bis 2023. „Der Rückgang um einen Prozentpunkt im Jahr 2024 ist gering. Insgesamt bleibt das Beschäftigungsniveau in der Westpfalz hoch, wir haben den zweithöchsten Wert der letzten sechs Jahre erreicht“, erklärt Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens.

Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens. FOTO: AGENTUR FÜR ARBEIT/GRATIS
Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens. FOTO: AGENTUR FÜR ARBEIT/GRATIS

Die Arbeitslosigkeit im Bereich der Agentur ist leicht gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr sind 1.601 Personen mehr betroffen. Derzeit sind 19.434 Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote betrug 6,9 Prozent und ist um 0,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Erfreulich ist jedoch, dass die Zahlen im Vergleich zum Vormonat im Februar wieder leicht zurückgegangen sind. Vergleichsweise stabil zeigen sich die Zahlen bei den von der Agentur für Arbeit betreuten Stellen: „Hier sehen wir einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, allerdings bewegen sich die Zahlen im Sechs-Jahres-Vergleich in einer gewissen Stabilität. Wenn man auf die Zahlen der verschiedenen Branchen schaut, kann man feststellen, dass es in allen Branchen Arbeitsplätze zu besetzen gibt“, sagt Weißler.

Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt der Westpfalz spiegeln eine Region im Wandel wider. Trotz eines leichten Anstiegs der Arbeitslosigkeit und der Unterbeschäftigung im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr, bleibt die Situation insgesamt stabil. Ein kontinuierlicher Anstieg der Beschäftigungszahlen in den letzten Jahren zeigt eine positive Entwicklung, die jedoch durch die Herausforderungen der Transformation und strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst wird.

Die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens beobachtet diese Veränderungen genau: „Bei der Transformation denken wir heute vor allem an die Herausforderungen durch Digitalisierung und Dekarbonisierung, also den Wechsel von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energiequellen wie Solar, Wind- und Wasserkraft. Das sind die zwei großen „D„ der Transformation. Das dritte große D, das für strukturelle Veränderungen sorgt, ist die Demografie. Sie ist aktuell die größte Herausforderung in der Westpfalz“, berichtet Weiẞler. In den kommenden zehn Jahren gehen die sogenannten „Babyboomer“ in den Ruhestand. Aktuell stehen 3.400 Menschen unmittelbar vor dem Ruhestand, rund 19.000 sind älter als 60 Jahre und 22.600 sind älter als 55 Lebensjahre. Insofern sind etwa ein Viertel der Beschäftigten in der Westpfalz betroffen.

„Der Anstieg der Beschäftigung in den letzten Jahren basiert zudem vor allem auf der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte. Insbesondere Handwerk, Gastgewerbe, Pflege und Gesundheitswesen werben weltweit um Fachkräfte, da in Deutschland ein Mangel herrscht“, so Weißler. Auch hier sei die Demografie eine wesentliche Ursache. Ein weiterer Hinweis auf die Arbeitsmarkttransformation in der Westpfalz findet sich, wenn man die Beschäftigungsentwicklung genauer betrachtet. „Dabei kann man die Auswirkung der Transformation ein Stück weit sehen: Beim verarbeitenden Gewerbe haben wir beispielsweise einen Rückgang um 1.100 Beschäftigte im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen war die Metall- und Elektroindustrie mit rund 700 Stellen, aber auch die Herstellung von Konsumgütern, bei der 300 Stellen weggefallen sind. Rund 80 Stellen sind bei der Herstellung von Vorleistungsgütern verloren gegangen. Auf der anderen Seite sehen wir auch Branchen, wo wir nach wie vor einen Zuwachs haben: Gesundheitswesen, Heime, Infrastruktur, aber auch im Handel. Diese Zahlen liefern erste Hinweise auf Veränderungen in der Transformation“, macht Weißler deutlich. Bei den Arbeitslosenzahlen müsse man zunächst einmal abwarten, bis die Saisonarbeitslosen wieder in den entsprechenden Branchen tätig sind. Im April werde sich zeigen, in wieweit die Zahlen auf Konjunktur und Transformation zurückzuführen sind.

Struktur auf gutem Weg

Grundsätzlich sieht der Chef der Agentur für Arbeit die Westpfalz auf einem guten Weg. Auf die Frage, ob man die Westpfalz noch immer als strukturschwache Region bezeichnen muss, hat er eine klare Antwort: „Ich würde sagen: Nein. Wir sind vielleicht von der Struktur her nicht mit Ballungsräumen wie Stuttgart, wo der metallverarbeitende Bereich besonders stark ist, oder Frankfurt, wo die Banken stark vertreten sind, zu vergleichen. Aber wenn man sich den Aufwuchs der Beschäftigung in den letzten Jahren anschaut, haben wir eine Rekordbeschäftigung. Wenn Sie sich das Jahr 2023 mit 170.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten anschauen, dann ist das der höchste Wert an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die die Westpfalz je hatte. Es stimmt, wir können strukturell nicht mit den Regionen in den Ballungszentren mithalten, dafür haben wir aber auch deren Probleme nicht. Wenn der Automotive-Bereich in die Knie geht, sind wir zwar auch betroffen, aber nicht so stark, wie der Großraum Stuttgart. Es ist schade um jeden Arbeitsplatz, der verloren geht, aber wie gesagt: In der Quantität kann man hier in der Westpfalz nicht von Strukturschwäche sprechen. Zudem kann die Transformation auch eine Chance sein. Und zwar aus zweierlei Gründen: Zum einen sind die meisten Menschen in der Westpfalz nicht in den besonders betroffenen Branchen beschäftigt. Zum Zweiten haben wir hier mit der RPTU gute Forschungseinrichtungen, die genau in diesen Bereichen Digitalisierung und auch Dekarbonisierung forschen. Wir haben das DFKI, das im Bereich der Künstlichen Intelligenz forscht, wir haben Forschung zu Batterien. Wir haben zum Teil auch Start-ups, die in diesem Bereich auch wieder Beschäftigung generieren und aufbauen. Insofern haben wir strukturell gute Voraussetzungen, dass wir da für die Zukunft in gewissem Maße gewappnet sind. Wir müssen allerdings dafür sorgen, dass diese Ergebnisse der Forschung sich auch hier vor Ort in entsprechender Form niederschlagen, durch Unternehmensgründungen und -ansiedlungen“, betont Weiẞler.

Damit die Westpfalz in der Zukunft den Fachkräftebedarf decken und den Auswirkungen der Transformation begegnen kann, hat die Arbeitsagentur sechs Handlungsfelder beschrieben, in denen sie sich intensiv einbringt: Ausbildung, Weiterbildung in den Betrieben, Reintegration von Arbeitslosen, die Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit, Menschen mit Fluchthintergrund und die gezielte Zuwanderung. „Zudem planen wir in naher Zukunft einen Transformationsbeirat zu gründen, bei dem wir gemeinsam mit der ZRW, Gewerkschaften, Unternehmensverbänden, Wirtschaftsförderungen und den universitären Einrichtungen frühzeitig Signale zur Transformation aufnehmen, bewerten und Lösungen erarbeiten." mide