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VG Römerberg-Dudenhofen

Massenträger mit Aroma

Dudenhofener Kilianer AG kümmert sich um Traditionsreben

Massenträger mit Aroma

Eifrige Helfer: Die Kilianer AG als Teil des Heimatvereins besteht seit 25 Jahren. FOTO: KÜHNER

Die Kilianer AG in Dudenhofen besteht mittlerweile seit 25 Jahren. Über den ganzen Ort verteilt betreuen die Zugehörigen ihre Rebzeilen. Verkauft werden darf das Erzeugnis daraus nicht. Die Geschichte ist dafür verantwortlich.

Um das Jahr 1820 herum kam die erste Amerikaner-Rebe, wie der Kilianer noch genannt wird, nach Frankreich und Italien und schließlich auch in die Pfalz. So skizziert Giovanni Molisse von der Kilianer AG den Weg. Damals gefiel das den Winzern von der Weinstraße oder der Haardt gut, denn: „Sie hatten ihre erste Pressung und wenn die zu schwach war, haben sie mit Kilianer ergänzt.“ Deckrebe werde dieser daher auch genannt. 

Zu wohlhabend geworden seien die Besitzer der Dudenhofener Reben dadurch. „Die Berufswinzer haben rebelliert“, so Molisse. Das ist schließlich der Grund dafür gewesen, dass die Kilianer-Rebe in der Nazi-Zeit verboten wurde, per Dekret aus Berlin.

„Bis heute dürfen wir Wein nur zum Eigenbedarf herstellen“, erklärt Molisse. Überwiegend wird Traubensaft aus dem Kilianer gewonnen, der dem Nachwuchs in den Kindertagesstätten und in der Grundschule gut schmeckt. 

„In Dudenhofen haben wir bis zu sechs verschiedenen Arten von Kilianer-Reben“, zeigt Molisse auf. Unkompliziert ist deren Anbau und Pflege. Für die Kilianer-Freunde ist es wichtig, das Gemeindegut und das örtliche Brauchtum am Leben zu halten. Früher hat es sogar ein dreitägiges Fest in der Kilianstraße gegeben, das den ehemals als Haustrunk bekannten Kilianer-Wein feierte. 

In Italien haben kreative Köpfe einen Weg gefunden, das Verbot des Weinausbaus gesetzeskonform zu umgehen. „Dort gilt das Verbot seit den 1920er-Jahren. 1960 gab es wiederum einen Aufstand zwischen den Weinbauern von anderen Sorten wie Chianti oder Bardolino und den landwirtschaftlichen Betrieben, die Kilianer herstellten“, berichtet Molisse. Das Ergebnis: Der Wein wurde nicht mehr als „vino“ deklariert, sondern als „alkoholhaltiges Getränk“ mit dem Namen Fragolino. 

Fünf bis sechs Arbeitsgänge braucht es laut Molisse, bis die Lese des Kilianers stattfinden kann. Begonnen wird im Frühjahr mit der Rebenpflege. Wenn die Traubenhenkel eine bestimmte Größe erreicht haben, wird ausgelichtet. Vor kurzem wurde geerntet. „Wir sind 20 bis 25 Helfer, die dafür zusammenkommen“, sagt Molisse. 

Er mag die Kilianer-Rebe, die pilzunempfindlich und ein Massenträger ist. Und er liebt es, sich um diese zu kümmern. „Das mach ich leidenschaftlich gerne“, versichert der Dudenhofener. xsm