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VG Römerberg-Dudenhofen

Zehn Kugeln in der Kugel

Römerberger Heinz Wiedemann weltweit für Drechselkunst bekannt

Zehn Kugeln in der Kugel

Eingespieltes Team: Heinz und Marco Wiedemann. FOTO: KÜHNER

Das Jahr 1967 ist schuld an einer Leidenschaft, die Heinz Wiedemann bis heute nicht loslässt. Damals hat er das Faible für Holz entwickelt und das Drechseln für sich entdeckt. Nicht nur regional hat er mit seiner Kunst im wahren Wortsinn den Hut auf.

„Eigentlich bin ich Metalldreher“, sagt Wiedemann. In Speyer traf der Mann aus dem Römerberger Ortsteil Mechtersheim dann auf einen Drechsler. Er hat ihm bei der Arbeit zugesehen. „Und ich war sofort infiziert“, gibt Wiedemann zu. 

Was folgte, waren viele Kurse, nicht nur in Deutschland, sondern auch in England und Frankreich. Die Szene im Sauerland hat Wiedemann intensiver kennengelernt. Besonders fasziniert haben ihn Begegnungen mit Alfred Burhoff, dem Drechselpapst, wie er ihn nennt.

Seinen Hauptberuf in der BASF hat Wiedemann stets ausgeübt. Die Drechslerei lief stets nebenher. „In den 1990er-Jahren habe ich einen Betrieb im Nebenerwerb aufgemacht“, berichtet er. Gebrummt habe die Nachfrage damals. Wiedemann entwickelte schnell ein eigenes Design. Holländische Antiquitätenhändler ließen ihm zahlreiche Aufträge zukommen. 

Wo auch immer bei anderen ein Problem beim Drechseln auftauchte: Der Mechtersheimer hatte die Lösung. Es blieb nicht rein bei Kunstobjekten. „Ich habe Werkzeuge entwickelt und zwei Prototypen von Maschinen gebaut“, informiert Wiedemann. 

Weltweit einzigartig: Zehn Kugeln in einer Kugel. FOTO: KÜHNER
Weltweit einzigartig: Zehn Kugeln in einer Kugel. FOTO: KÜHNER

Mit speziellem Werkzeug ist ihm ein weiterer Coup gelungen, der weltweit für Überraschungseffekte sorgt. „Wir sind weltweit die einzigen, die zehn Kugeln in einer Kugel herstellen und das aus einem Stück“, so der Kreativling. In das „wir“ bezieht er seinen Sohn Marco ein, der ebenfalls das Drechsel-Handwerk gelernt hat.

Franzosen und Engländer fahren im Besonderen auf die Kugelinstallation ab, mit der Wiedemann sogar in einer französischen Fachzeitschrift Erwähnung fand und den Chinesen ob der Menge an eingearbeiteten Kugeln den Rang abgelaufen hat. „Sie haben die Kugel in der Kugel früher in Elfenbein gemacht“, weiß Wiedemann. 

Ein weiteres Phänomen, das in Mechtersheim entstanden ist: der Stern in der Kugel. Mindestens 25 Jahre Erfahrung brauche es dafür, wirft Wiedemann ein. Und selbst dann klappe die Kunst nicht auf Anhieb. Marco Wiedemann bestätigt: „Dafür braucht es wirklich volle Konzentration. Zwischendurch muss man das Holz auch mal zur Seite legen.“ 

200 hat sein Vater angefangen, Kurse zu geben. Auch in diesen gab’s Unikate: gedrechselte Hüte. „Das Holz muss frisch sein“, betont Wiedemann. So frisch ist es dann, dass das Wasser beim Drechseln aus dem Geäst schießt wie aus einer Zentrifuge. „Der Rohling wiegt 35 Kilo, der Hut 180 Gramm“, zeigt Wiedemann auf. 

Prinzipiell sei jedes Holz zum Drechseln geeignet, ergänzt der Fachmann. Er ist froh, dass das Handwerk gerade wieder eine Renaissance erlebt. „Bei den Menschen ist wieder der Wunsch da, etwas mit den Händen zu erschaffen“, weiß er. Für Wiedemann ist die Drechslerei so spannend wie am ersten Tag. Sein Sohn betont: „Was wir machen, führt immer zu einem schönen Ergebnis.“ xsm