Handwerk ist bei jungen Menschen beliebt. Stimmt das?
Ja, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation verzeichnet die Handwerkskammer der Pfalz im Dezember 2025 einen deutlichen Zuwachs von gut fünf Prozent an neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen gegenüber dem Vorjahresmonat. Im vergangenen Jahr wurden 2.239 neue Lehrverträge eingetragen. Davon waren sogar 285 Absolventen mit Abitur oder Fachhochschulreife. Das gibt Anlass für vorsichtigen Optimismus.
Welches sind die zehn beliebtesten Handwerksberufe?
Der Beruf des Kfz-Mechatronikers ist mit 437 neuen Ausbildungsverträgen Ende Dezember 2025 am beliebtesten. Auf Platz zwei liegen die Elektroniker mit 322 neuen Ausbildungsverhältnissen. Auf Platz 3 folgen die Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 318 neuen Ausbildungsverhältnissen. Darauf folgen Friseure, Maler- und Lackierer, Metallbauer, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Tischler, Zimmerer und Kaufmänner für Büromanagement.
Ist eine Ausbildung im Handwerk eine gute Entscheidung?
Ja, handwerkliche Tätigkeiten sind meist lokal gebunden und lassen sich nicht ohne Weiteres automatisieren oder ins Ausland verlagern. Die Karriereperspektiven sind also gut, gerade jetzt in der krisengeschüttelten Wirtschaft. Außerdem gibt es viele technisch anspruchsvolle und auch kreative Berufe, die sich sehr gut für Abiturienten eignen und eine hervorragende Alternative zum Studium sind.
Welche Berufe meinen Sie?
Gerade die sogenannten Zukunftsberufe im Klimaschutzsektor. Durch sie werden die Transformationsprozesse beim Klimaschutz und bei der Energie- und Mobilitätswende gewährleistet. Dazu gehören Anlagenmechaniker für Sanitär-Heizungs-Klimatechnik oder Kfz-Mechatroniker.
Spielt die Angst vor Arbeitslosigkeit wegen KI eine Rolle?
Wir nehmen wahr, dass viele Beschäftigte in Industriebetrieben ihre Arbeitsstelle verlieren. Die Ursachen dürften allerdings nicht allein dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz geschuldet sein, denn auch im Handwerk findet KI vielfältige Einsatzmöglichkeiten, ohne dass es Beschäftigte ersetzt.
Gibt es KI im Handwerk?
Mit Blick auf Zeit und Kosten bietet KI gerade für kleine und mittelständische Betriebe eine echte Chance, weil sie schon heute viele Arbeitsschritte im Alltag vereinfachen. Sie kann zeitraubende Routinetätigkeiten wie Chatbots auf der Webseite übernehmen. Darüber hinaus findet sie Anwendung bei der Angebotserstellung, Terminabstimmung oder Dokumentation, für Qualitätsprüfung, Text und Bildaufnahmen. Grundsätzlich eröffnet KI Handwerksbetrieben vielfältige, leicht zugängliche Möglichkeiten, ihre Arbeit effizienter zu gestalten und neue Potenziale zu erschließen.
Ist KI auch für Bäcker und Fleischer sinnvoll?
Natürlich, hier kann die KI Daten analysieren und vorausberechnen, wie groß der Bedarf für die kommenden Tage sein wird. So kann Lebensmittelverschwendung reduziert werden. Und Dachdecker können die Angebotserstellung per Drohne vornehmen und von einer KI berechnen lassen.
Warum findet sich gerade hier so wenig Nachwuchs?
Nicht nur bei den Fleischern und den Bäckern mangelt es an Interesse, sondern auch in Bauberufen. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Berufe unbeliebt wären, denn auch in stark nachgefragten Berufen bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt. Oft spielen hier veraltete Vorstellungen von den Berufsbildern eine Rolle.
Welche Berufe haben mit dem Klimaschutz zu tun?
Sanitär-, Heizungs-, Klimatechniker führen klimarelevante Tätigkeiten aus, aber auch Elektroniker in den Bereichen Solartechnik und Smart Home-Technologien. Dazu kommen Kfz-Mechatroniker in puncto E-Mobilität, Dachdecker mit Blick auf Photovoltaik und Solartechnik sowie weitere Bauberufe für energetische Gebäudesanierungen. Dazu gehören Wärme-, Kälte-, Schallschutzisolierer sowie Rollladen- und Sonnenschutztechniker und auch Schornsteinfeger.
Warum ist das Handwerk zukunftssicher?
Weil es sich immer wieder als Stabilitätsanker in Krisenzeiten bewährt hat. Gute Handwerker werden gebraucht, ohne das Handwerk funktioniert nichts. Außerdem entwickeln sich die Berufsbilder stets weiter und bleiben am Puls der Zeit. Darüber hinaus gibt es hervorragende Aufstiegschancen wie die Meisterprüfung oder den Abschluss als Betriebswirt.
Gibt es auch Frauen, die ins Handwerk wollen?
Der Anteil weiblicher Auszubildender im Kammerbezirk der Handwerkskammer der Pfalz betrug zum Jahresende 15,4 Prozent. Insgesamt ist der Anteil der Frauen in vielen Gewerken noch ausbaufähig, obwohl sich etliche Frauen bereits für technische und klimarelevante Gewerke entschieden haben und dort eine Ausbildung oder eine Meisterprüfung absolvieren. Interessant ist, dass auch hier der Beruf der Kraftfahrzeugmechatronikerin gefragt ist. 50 Berufsanfängerinnen haben sich aktuell dafür entschieden, gefolgt von der Ausbildung zur Elektronikerin, für die sich 18 Frauen entschieden haben, und dem Beruf der Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, den 16 Frauen gewählt haben. ckkm