201 Minuten am Tag – so lange haben Jugendliche 2024 Zeit im Internet verbracht. Zum Vergleich: 2012 lag dieser Wert noch bei 131 Minuten. Rund 95 Prozent der Befragten im Alter von 12 bis 19 Jahren gaben an, ihr Smartphone täglich zu benutzen. Gleichzeitig gehen der Fernsehkonsum sowie das Lesen von Tageszeitungen und gedruckten Zeitschriften bei Jugendlichen Jahr für Jahr zurück.
Wie können also junge Leute für Ausbildungsberufe gewonnen werden? Wie können sie erreicht werden? Na klar: über die sozialen Medien. Nach WhatsApp auf Platz eins folgt das hauptsächlich von Jugendlichen genutzte Netzwerk Instagram, gefolgt von TikTok und Snapchat.
Seinen Instagram-Auftritt deutlich ausgebaut hat in der Westpfalz das Entsorgungsunternehmen Jakob Becker mit Hauptsitz in Mehlingen. Auf dem Instagram-Kanal präsentiert sich das Unternehmen mit Videos und Bildbeiträgen. Besonders auffällig sind die Videos – auf Instagram „Reels“ genannt –, in denen mit viel Humor aus dem Arbeitsalltag berichtet wird.
„Wir haben vor gut drei Jahren damit angefangen“, berichtet Kerstin Noll, Teamleiterin in der Marketing-Abteilung. Einen Facebook-Account hatte das Unternehmen schon länger. „Dann haben wir aber gemerkt, dass Facebook bei jungen Leuten weniger beliebt ist.“ Die Entscheidung war klar: Das Entsorgungsunternehmen Jakob Becker weitete seinen Social-Media-Auftritt auf die Plattform Instagram aus.
Einfach so Beiträge posten – ganz egal, ob Bild oder Video – wollte das Unternehmen jedoch nicht. In der Marketing-Abteilung gibt es einen festen Redaktionsplan, bei dem schon längere Zeit im Voraus geplant wird, was auf den Social-Media-Kanälen veröffentlicht wird. „Wir wollen eine inhaltliche Abwechslung“, sagt Noll. Mal gibt es Beiträge, um Mitarbeiter und Azubis zu rekrutieren, mal Einblicke hinter die Kulissen des Unternehmens, aber auch praktische Tipps für potenzielle Kunden. Noll: „Viele Leute wissen gar nicht, welche Abteilungen es bei uns gibt und welche Stellen zu besetzen sind.“ Jakob Becker sei breit aufgestellt – zu den Berufen im Betrieb gehört nicht nur das klassische Entsorgungsgeschäft, es gibt etwa auch eine IT-Abteilung, Einkauf, Vertrieb sowie eine Finanzabteilung. Auch die Ausbildung könne in mehreren Bereichen absolviert werden – sowohl in der Verwaltung als auch im gewerblichen Bereich.
Mit Instagram für mehr Sichtbarkeit gesorgt
Im Marketing-Team machen sich die Mitarbeiter durchweg Gedanken, wie sie junge Leute ansprechen können. Wichtig dabei: Kurzvideos mit einer persönlichen Note. Zum Beispiel werden immer wieder Mitarbeiter in Kurzvideos befragt, warum sie bei Jakob Becker arbeiten, was ihre Tätigkeiten sind und warum ihnen die Arbeit Spaß macht. „Eine persönliche Note ist ganz wichtig, um die Leute zu erreichen. Und es vertritt unsere Werte als traditionelles Familienunternehmen“, schildert Tim Schmitt, Mitarbeiter im Marketing-Team.
Bei Jakob Becker merkt man, dass ein starker Auftritt in den sozialen Medien für viel Sichtbarkeit bei jungen Leuten sorgt. Über die Direktnachrichten-Funktion gehen sogar Bewerbungsanfragen ein. Um den Bewerbungsweg möglichst einfach und schnell zu gestalten, kann man bei Jakob Becker seine Bewerbung innerhalb einer Minute abschicken, sagt Schmitt. Das laufe ähnlich ab wie ein Quiz: Welchen Abschluss hat man, welche Stärken bringt man mit? Das klassische Bewerbungsgespräch vor einer Einstellung gibt es dennoch weiterhin.
Ob ein starker Social-Media-Auftritt das Allheilmittel ist, um neue Fachkräfte und Azubis zu gewinnen, mag Noll so nicht sagen. Dennoch: Ohne soziale Medien will die Marketing-Abteilung bei Jakob Becker nicht mehr arbeiten. Es gehe zudem um die Präsentation des Unternehmens, das in der Region einen gewissen Bekanntheitsgrad vorweisen kann. Essenziell ist laut Noll, auf Facebook, Instagram und Co. als Unternehmen professionell aufzutreten – mit einer passenden Authentizität. Schmitt ergänzt: „Wichtig ist ein guter Marketing-Mix.“ phkr