Als satzungsgemäß formulierter Vereinszweck ist über die Weiberbratenvereinigung zu lesen: „Sie sind ein Frauenverein, der das soziale Engagement und Brauchtum pflegt.“ So soll es auch im 320. Jahr des Bestehens sein. Geplant ist der traditionelle Ovationszug nach dem offiziellen Akt, der von den Frauen mit lauten „Juchhu“-Rufen begleitet wird.
Brunnen und Stein
Viele Dichter haben „den Weiberbraten“ in ihren Werken verewigt. Christian Heinrich Gilardone und Martin Greif zum Beispiel. Künstler Arnold Wühl gestaltete für den Berghäuser Ortsmittelpunkt sogar einen Brunnen, der die gute Tat der Frauen aus dem Jahr 1706 darstellt. Damals löschten sie mit Milch aus ihren Kannen einen Brand im Speyerer Gutleuthaus. Im Jahr 1993 wurde der Brunnen eingeweiht.
Auch ein Gedenkstein auf Speyerer Gemarkung erinnert an den herausragenden Einsatz. 2007 wurde dieser gesetzt. Der soziale Gedanke ist allen Frauen, die in den vergangenen 320 Jahren mit der Weiberbratenvereinigung verbunden waren, nicht verloren gegangen. Noch immer setzen sich heute knapp 200 Frauen für bedürftige oder in Not geratene Menschen ein.
Streng sind die Vorgaben, die eine Mitgliedschaft im Verein rechtfertigen. Nur, wer in Berghausen geboren wurde oder in die Gemeinde eingeheiratet hat, darf ein „Weiberbraten“ werden. Ist eine Frau erst einmal aufgenommen, bleibt sie Mitglied auf Lebenszeit. Mit 90 Jahren werden die Damen automatisch Ehrenmitglieder.
Nach gutem Brauch wird der Weiberbratenvereinigung anlässlich eines Jubiläums stets ein Legat überreicht, das an die „Belohnung“ der Stadt Speyer an die Berghäuser Frauen 1706 erinnern soll. Damals wurden sie mit Fleisch, als Braten zubereitet, bedacht. Heute gibt es Geldspenden, die vom Verein für hilfreiche Projekte genutzt werden.
Beim Festakt am 9. Mai soll an die Altvorderen gedacht und die Neuzeit beleuchtet werden. Die Besonderheit der Weiberbratenvereinigung hat der in Speyer geborene Dichter Martin Greif in einem 1898 erschienenen Gedicht herausgestellt. Am Ende heißt es: „Die Berghauser Frauen, sie sterben nicht aus, drum halten sie fest an dem jährlichen Schmaus. Und zeigen, dass denen sie nachgeraten, die einst sich verdienten den Weiberbraten.“ xsm
Die Ehre, ein „Weib“ zu sein
Wo die Weiberbratenvereinigung Berghausen ihren Ursprung hat
Weiberbraten? Bevor eine falsche Definition in den Raum gestellt wird: Die Bezeichnung hat nichts mit einem Grillgericht oder gar ungezogenen Damen zu tun. Der Name macht dafür durchaus Sinn und zeugt von einem kreativen Erfinderkopf, denn er beschreibt in einem Wort, was im Jahr 1706 entstanden ist.
Da stand nämlich das Speyerer Gutleuthaus in Flammen, ein Haus für Alte und Kranke. Gut 59 Berghausener Frauen, die gerade auf dem Weg zu Kunden in der Domstadt waren, griffen beherzt ein und löschten - weil gerade nichts anderes zur Hand war – den Brand mit ihrer Milch. Spontan, selbstlos und ohne über die persönlichen Folgen nachzudenken. Bei einem Milchpreis von bis zu zwei Euro pro Liter wäre das heutzutage ein teures Unterfangen. Soviel zu den wackeren Weibern und ihrer guten Tat, die die Bewohner des Gutleuthauses vor dem Schlimmsten bewahrt haben. Doch woher der Braten?
Festbraten als Belohnung
Auch das ist simpel: Als Belohnung für die Frauen stiftete die Stadt Speyer 15 Pfund Kalb- sowie jeweils 14 Pfund Rind- und Schweinefleisch, die als Festbraten serviert wurden. Weiber, Braten – fertig war die Weiberbratenvereinigung, die im Jahr 2026 ihr 320-jähriges Bestehen feiert.
Die blechernen Milchkannen übrigens sind heute noch das Symbol der fidelen Berghausener Frauen, die Heimat- und Brauchtumspflege damit für alle sichtbar betreiben. Alljährlich sind diese zum Beispiel in Speyer beim Brezelfestumzug zu sehen – und zu hören. Denn der Schlachtruf „Juchhu“ erklingt nach wie vor aus vollen Kehlen.
Die lange Tradition der Weiberbratenvereinigung wurde nur durch die Französische Revolution unterbrochen. Nach der Reaktivierung wurde den mutigen Frauen Geld statt Fleisch gespendet.
Der Zusammenschluss der engagierten Berghäuser Frauen hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch ihr Wirken Gutes zu tun. Einnahmen, die in der Vergangenheit durch die Teilnahme bei örtlichen Festen erwirtschaftet wurden, kamen verschiedenen sozialen Zwecken in der Gemeinde und darüber hinaus zugute. xsm