Künstliche Intelligenz (KI) ist bei John Deere längst Teil der Landtechnik. Das sagt Daniel Metz, Leiter des Zweibrücker Werks. Dort stellt der Hersteller Mähdrescher für den europäischen und asiatischen Markt her. Die in Zweibrücken gefertigten Feldhäcksler werden sogar weltweit exportiert. Auch die neuen Maschinen sind mit KI-Technik ausgestattet.
Metz sieht darin große Chancen für die Landwirtschaft. „Das gibt uns bahnbrechende Möglichkeiten“, sagt er. Die Maschinen von John Deere erfassen bereits seitJahren Daten. Landwirte können diese selbst auswerten und auf Wunsch auch an den Hersteller übermitteln. Ob ein Traktor oder Mähdrescher Daten übertragen kann, lässt sich an einer gelben Metallplatte auf dem Dach erkennen. Unter denKunden hat sie laut Metz den Spitznamen „Spiegelei“. Auf Basis der gesammelten Informationen soll die KI dazu beitragen, die Ernte zu verbessern, die Kosten für Landwirte zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.
Metz kennt Landwirte, die solche Systeme bereits nutzen. Erst kürzlich besuchte er einen von ihnen auf dessen Feldern. Dort wachsendie Pflanzennicht überall gleich gut. Während einige Bereiche stärker dem Wind ausgesetzt sind, fallen die Erträge an anderen Stellen höher aus.
Die KI kann die erfassten Daten nutzen, um Empfehlungen abzuleiten. Dazu gehört beispielsweise, an welchen Stellen welche Menge Saatgut ausgebracht werden sollte und wann der optimale Erntezeitpunkt erreicht ist. Dadurch könnten sowohl die Menge als auch die Qualität der Ernte steigen, während die Produktionskosten sinken.

Auch beim Kraftstoffverbrauch und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sieht Metz Einsparpotenzial. Mithilfe der Technik könnten Landwirte weniger Kraftstoff verbrauchen und Pflanzenschutzmittel gezielter einsetzen. Das würde nicht nur die Ausgaben senken, sondern auch der Umwelt zugutekommen.
Die neuen Landmaschinen von John Deere verfügen nach Angaben des Werksleiters über moderne Computertechnik. Auch bei zahlreichen älteren Modellen sei eine Nachrüstung möglich. Viele Landwirte kennen ihre Felder und deren Besonderheiten sehr genau, berichtet Metz. Gleichzeitig beobachtet er in Deutschland einen Strukturwandel: Aus zahlreichen kleineren Betrieben würden zunehmend wenige große Höfe. Dadurch könnte wertvolles Wissen über die jeweiligen Anbauflächen verloren gehen. Zugleich steigt der Bedarf an größeren Erntemaschinen, mit denen sich die Arbeit bewältigen lässt.
Der größte Mähdrescher, den John Deere in Zweibrücken baut, verarbeitet nach Angaben von Metz 75 Tonnen Getreide pro Stunde. In den USA gebe es sogar ein Modell mit einer Leistung von 100 Tonnen pro Stunde. Derart große Maschinen benötigen entsprechend viel Kraftstoff. Ihr Dieselverbrauch liegt laut Metz bei 60 bis 100 Litern pro Stunde.
Nicht nur in den Landmaschinen selbst, sondern auch bei deren Herstellung setzt John Deere auf Künstliche Intelligenz. Simeon Rehbein, der sich am Standort Zweibrücken um die Fabrikautomation kümmert, berichtet von verschiedenen Einsatzbereichen. In der Teilefertigung hilft die Technik beispielsweise dabei, Bleche so zuzuschneiden, dass möglichst wenig Materialabfall entsteht. Auch bei der Montage von Häckslermessern spielt Präzision eine wichtige Rolle. Da es beim Verschrauben auf jedes Newtonmeter ankommt, überprüfen die Mitarbeiter mithilfe von KI jede einzelne Schraube.
Darüber hinaus wird die Technik für die Personalplanung eingesetzt. Sie soll sicherstellen, dass an jeder Station ausreichend Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Laut Rehbein stehen die Beschäftigten dem Einsatz von KI positiv gegenüber. Befürchtungen, dass dadurch Arbeitsplätze gefährdet werden könnten, gebe es unter den Mitarbeitern nicht. phkr