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Region mit Zukunft

Was Künstliche Intelligenz der Westpfalz bringt

Kl ist mit einem WOW-Effekt in der breiten Bevölkerung angekommen - Bei allem Nutzen birgt sie jedoch auch Gefahren

Was Künstliche Intelligenz der Westpfalz bringt

Fraunhofer IESE: Spitzenforschung zum sicheren Einsatz der Kl. FOTO: PAUL HELMUT KREINER

Mit ChatGPT ist Künstliche Intelligenz voll in der Bevölkerung angekommen. Dabei gibt es die Technik schon viel länger. Jörg Dörr vom Fraunhofer IESE in Kaiserslautern über den Unterschied zwischen KI und Digitalisierung und die Chancen der neuen Technik für die Westpfalz.

Grundlegend vorab: Künstliche Intelligenz (abgekürzt KI) und Digitalisierung sind nicht dasselbe, sagt Jörg Dörr. Er ist Inhaber des Lehrstuhls „Digital Farming“ an der RPTU Kaiserslautern-Landau und zudem seit 2025 wissenschaftlicher Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern. Mit Digitalisierung ist laut Dörr gemeint, dass etwas programmiert wird, das nach einem vorgegebenen Algorithmus Dinge erledigt. Einfaches Beispiel: Wenn es regnet, merkt das ein Regensensor in der Windschutzscheibe des Autos, meldet das Signal einem Steuergerät und dieses aktiviert die Scheibenwischer. „Bei Digitalisierung wissen wir genau, wie ein System funktioniert“, so Dörr. 

Bei KI ist das anders. Eine KI wird mit bestimmten Parametern trainiert und kann aufgrund dieser selbstständig Entscheidungen treffen. Ein Beispiel aus der Praxis ist das Erkennen von Objekten. Die KI kennt etwa viele Bilder von Hunden und kann anhand dieser ein Bild erkennen, auf dem ein Hund zu sehen ist. 

KI ist effizient, birgt jedoch Risiken

Seit Jahrzehnten arbeitet das Fraunhofer IESE mit KI. In der breiten Bevölkerung trat die Technik aber erst vor wenigen Jahren in Erscheinung. Zum 30. November 2022 hat das Unternehmen „OpenAI“ den Chatbot ChatGPT veröffentlicht; laut Dörr basiert der Chatbot auf einem sogenannten Large-Language-Modell. „Das hat einen gewissen Wow-Effekt gebracht“, weiß der Wissenschaftler. Besonders öffentlichkeitswirksam: Jeder kann, größtenteils sogar kostenfrei, die Chat-KI benutzen. ChatGPT, Gemini von Google oder die KI Claude können recherchieren, Bilder und Videos generieren, Tabellen kalkulieren und vieles mehr. 

„Die KI arbeitet wahnsinnig effizient“, sagt Dörr. Die Technik birgt jedoch auch Risiken. Selbst die großen Modelle arbeiten nicht vollends fehlerfrei. „Das macht die Verlässlichkeit schwer“, mahnt der Wissenschaftler. Ein weiteres Problem: Bei den öffentlichen Chat-Programmen wisse man nie, wie die hochgeladenen Dateien verwendet werden. Dörr warnt davor, sensible oder gar personenbezogene Daten dort einzuspielen. Es gibt zwar auch firmeninterne KI-Modelle, aber selbst dort würde er nicht jede Information eingeben. 

Potenzial für jedes Unternehmen

Einen großen Bogen sollten Unternehmen trotzdem nicht um KI machen. Im Gegenteil: Dörr rät Unternehmen, sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen und sie in den Geschäftsalltag zu integrieren. Allerdings sollten die Regeln im Umgang mit KI genauestens an die Belegschaft kommuniziert werden. Grundlegende Regeln wurden sogar schon gesetzlich vorgeschrieben. So etwa müssen KI-generierte Inhalte als solche gekennzeichnet werden. Macht man das nicht, drohen hohe Strafen. Dörr ist sich sicher, dass jedes Unternehmen, egal, welcher Branche es angehört, von KI profitieren kann. Sein Appell: KI ausprobieren, die Möglichkeiten auskundschaften und dann überlegen, ob das ein echter Vorteil fürs Geschäft ist. Selbst für Handwerksbetriebe, bei denen vielmehr die tatsächliche Arbeit vor Ort im Vordergrund steht, könnte KI von Vorteil sein. Dörr nennt als Beispiel das Recherchieren, ob und wo es das benötigte Material gibt. 

KI auch hilfreich fürs Studium

Seinen Studenten erlaubt Dörr den Einsatz der KI-Technik ausdrücklich. „Da gibt es mittlerweile hervorragende Tools“, sagt er. Allerdings müssten die Studenten auch strenge Regeln befolgen. Wird KI für eine wissenschaftliche Arbeit eingesetzt, bleibt die Ergebnisverantwortung beim Studierenden. Die genaue Nutzung muss in einem Anhang zur Arbeit erläutert werden; zum Beispiel schreiben die Studenten dann hinein, dass ihnen die KI bei der Rechtschreib- und Grammatikprüfung geholfen hat. phkr


Auch die ZRW beschäftigt sich mit der Kl

Professor Andreas Dengel hielt Vortrag bei ZRW-Kuratoriumssitzung

Auch der Verein ZukunftsRegion Westpfalz (kurz: ZRW) beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz, vor allem mit den Möglichkeiten der neuen Technik. Bei einer jüngsten Kuratoriumssitzung sprach dazu Andreas Dengel.

Dengel ist geschäftsführender Direktor des DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) in Kaiserslautern; ebenso ist er Leiter des Forschungsbereichs Smarte Daten und Wissensdienste. Bei einer der jüngsten Sitzungen des ZRW-Kuratoriums gab er einen Vortrag über die neue Technik, nannte direkte Beispiele, wie gut KI bereits heute den Alltag erleichtern kann. Das berichtet Christiane Ank-Kunze, ZRW-Kuratoriumsvorsitzende. 

Zunächst ging es um die Entwicklung und den aktuellen Stand der KI, so Ank-Kunze. Aktuell arbeite man mit einer agentischen KI. Das heißt, so Ank-Kunze, dass die Technik nicht nur auf passive Befehle reagiert oder Texte generiert, sondern selbstständig Ziele verfolgt, Zwischenschritte plant und Werkzeuge nutzt, um Aufgaben eigenständig zu erledigen. Zunächst kann bei diesem Gedanken die Angst mitschwingen, dass die KI sich irgendwann verselbstständigt. Andreas Dengel teile diese Sorge jedoch eher weniger, erinnert sich Ank-Kunze. Er ist davon überzeugt, dass die Technik im Alltag eine große Hilfe sein kann. Als Beispiel nannte er die Bekämpfung von Waldbränden. Mittels verschiedener Daten, etwa von Satelliten, Wetter- und Vegetationsbränden, könnten genau die Risiken ermittelt werden. Und auch den Unternehmen in der Westpfalz könne KI sehr hilfreich sein, sagt Ank-Kunze.

Die andere Sorge, dass KI in Zukunft viele Jobs kosten könnte, sei ebenfalls unbegründet. „Jetzt kommen ganz viele junge Leute nach, deren Ausbildungswege die KI bereits einbeziehen“, so die ZRW-Kuratoriumsvorsitzende. phkr