Herr Weißler, wie stellt sich die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt in der Westpfalz dar?
Die Westpfalz ist im Hinblick auf den Arbeitsmarkt viel besser als ihr Ruf. Wir haben, wie alle anderen Bezirke in der Bundesrepublik auch, Veränderungen im Hinblick auf die konjunkturelle Situation. Also, auch wir haben einen leichten Rückgang der Beschäftigung hier in der Westpfalz zu verzeichnen. Das muss man schon sagen. Aber er hält sich stark in Grenzen. Die Zahlen, die wir aktuell vorliegen haben, sind vom März. Sie kommen immer mit einem halben Jahr Zeitverzug, weil sie aus der Beschäftigtenstatistik der Sozialversicherungen gewonnen werden. Im Jahr 2023 im März waren es 171.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Dieser Wert ist um 2.000 Beschäftigte auf 169.000 zurückgegangen. Das ist jetzt nicht so dramatisch, wenn Sie mal überlegen, wir sprechen hier immerhin von einem Zeitraum von drei Jahren. Und wenn man sich die wirtschaftliche Situation anschaut, würde man denken, das ist deutlich stärker zurückgegangen. Nein, der Beschäftigungsrückgang hält sich in Grenzen. Und ich bin per se eher Berufsoptimist. Wir haben einige Ansiedlungen im Bezirk gehabt und haben sie im Moment auch noch, sodass sich die Beschäftigung in der Westpfalz gegen Jahresende sogar wieder steigern wird.
Wie sieht es im Bereich der aktuellen Beschäftigungsstruktur aus?
In der Struktur der Beschäftigung können wir durchaus eine Veränderung verzeichnen. Wir hatten in der Westpfalz über Jahrzehnte einen deutlichen Schwerpunkt bei den produzierenden Unternehmen, hier darf man beispielsweise an Opel, Adient und BorgWarner denken. Heute sind die Gesundheits- und Sozialunternehmen, also Kliniken und Seniorenheime, die stärkste Branche in der Westpfalz, gefolgt von dem Handel, der durch Neuansiedelungen deutlich aufholt. Über die Stärke der großen Branche Gesundheit und Sozialwesen bin ich gar nicht unglücklich, weil sie konjunkturunabhängig ist. Schade ist es allerdings um jeden Arbeitsplatz, der in dem verarbeitenden Gewerbe verloren gegangen ist. In diesem Bereich wird gut verdient. Das sieht leider bei den Arbeitsplätzen im Handel anders aus.
Wirkt sich der Einsatz von KI mittlerweile auf die Beschäftigungssituation in der Westpfalz aus?
Ich würde sagen: Erste negative Veränderungen kann man schon bemerken. Es kam schon vor, dass Software unternehmen Personal abbauen. Aber das sind keine starken Bewegungen. Ich denke, dass die Auswirkungen eher so zu merken sein werden, dass frei werdende Arbeitsplätze nicht mehr zu 100 Prozent besetzt werden, wenn KI und Digitalisierung Einzug halten. Ein regionales, persönliches Beispiel: Als ich kürzlich in Urlaub gefahren bin, habe ich wegen der Urlaubsabmeldung meines RHEINPFALZ-Abonnements mit einer Kl telefoniert. Und ich glaube, das wird man in Zukunft verstärkter wahrnehmen. Und, ja, irgendwann wird der Wunsch der Unternehmer, personelle Ressourcen einzusparen, vermutlich auch bestehende Arbeitsplätze kosten. Aber ich gehe von einem schleichenden Prozess aus, ohne den ganz großen Knall.
Kann man diese Entwicklung im Hinblick auf die demografiEntwicklungen positiv schen bewerten?
Es ist klar, dass die jungen Menschen, die frisch aus der Schule kommen, nicht ausreichen, um den Rückzug aus dem Arbeitsmarkt der geburtenstarken Jahrgänge aufzufangen. Dann bleibt den Unternehmen nur die Möglichkeit, zu rationalisieren, aus der Gruppe der Arbeitslosen zu rekrutieren, Arbeitskräfte über Zuwanderung zu gewinnen oder eben da, wo es möglich ist, einen Teil der Aufgaben über Kl abzufangen. Insofern wird die KI aller Voraussicht nach an Bedeutung in den Unternehmen zunehmen. |mide