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Neustadter Frühjahr April 2022

„Es wirkt, auch wenn man nicht daran glaubt“

Interview: Maritta Fischer bietet Wanderungen mit Waldbaden an

„Es wirkt, auch wenn man nicht daran glaubt“

Beim Waldbaden gehe es darum, zu entschleunigen, über die Sinne in den Moment zu kommen, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und ganz bei sich zu sein, sagt Maritta Fischer. FOTO:MEHN

Rund um Neustadt gibt es viele Waldwege zum Spazierengehen und Wandern. Besondere Touren organisiert Maritta Fischer. Die zertifizierte Kursleiterin „Waldbaden – Achtsamkeit im Wald“ bietet ihre Veranstaltungen über die Tourist- Information in Neustadt an.

Interview: Maritta Fischer bietet Wanderungen mit Waldbaden an

Frau Fischer, Sie laden unter dem Motto „Komm mit in den Wald“ zu gemeinsamen Veranstaltungen ein. Was erwartet die Teilnehmer dabei?

Im Vordergrund stehen die Bewegung und das gemeinsame Erleben. Ich selbst bin nicht nur begeistert von den Aufenthalten im Wald, sondern auch überzeugt, dass jeder die nachweislich heilsamen Wirkungen des Waldes für sich entdecken kann.

Der Wald hat für viele Menschen eine wohltuende Wirkung, wie Sie selbst durch eine fundierte Ausbildung zu dieser Thematik erfuhren. Wie geben Sie das erworbene Wissen an die Teilnehmerweiter?

Sehr spielerisch und locker – hoffe ich zumindest. Waldbaden hat mit Wandern so viel gemeinsam wie Pommes mit Pellkartoffeln. Trotzdem lässt sich beides wunderbar kombinieren. Nach einem Anstieg etwa sind die Gruppen froh, wenn sie kurz stehenbleiben können. Dann ist Zeit für einen kleinen Theorieblock oder eine praktische sinnliche Übung. Selbst erwachsene Menschen können Bäume umarmen, wenn es zu einer Team-Aufgabe gehört.

Welche Vorzüge bieten die Waldbaden-Impulse?

Beim Wandern, Joggen oder Spazierengehen ist der Wald praktisch der Rahmen. Beim Waldbaden geht es darum, zu entschleunigen, über die Sinne in den Moment zu kommen, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, ganz bei sich zu sein.

Die von Ihnen geführten Wanderungen sind sehr unterschiedlich. Es gibt leichte Touren bis circa sechs Kilometer und anspruchsvollere von etwa 15 Kilometern Länge. Was suchen die Teilnehmer bei diesen Begegnungen?

Für viele Teilnehmer ist Entspannung ein Riesenthema. Da hilft mir natürlich die mentale Werkzeugkiste, um passende Übungen einfließen zu lassen – wenn das die Gruppe wünscht. Es gibt auch Skeptiker unter den Gästen, die Waldbaden als esoterischen Unsinn einstufen. Denen sage ich, dass es „Shinrin Yoku“ (übersetzt Waldbaden) in Japan auf Rezept gibt. Die nachhaltig heilsamen Effekte sind wissenschaftlich belegt. Die Pfälzer haben das intuitiv schon immer gespürt. Sie haben den Wald und die Waldhütten zum Zentrum ihrer Naherholung gemacht. Es wirkt, auch wenn man nicht daran glaubt. Aber die meisten wollen einfach gerne gemeinsam mit anderen einen schönen Tag erleben. Nette Begegnungen ergeben sich immer, im Idealfall mit sich selbst.

Bewegung ist gut, einmal den Alltag loszulassen ebenfalls. Doch ist das in der Praxis einfach umzusetzen?

Jeder soll für sich selbst entscheiden, wofür er seine womöglich knappe Freizeit nutzt. Allerdings wäre es aus gesundheitlicher und volkswirtschaftlicher Sicht sicher sinnvoll, wenn wenigstens ein Bruchteil der durchschnittlichen Fernsehzeit im Wald verbracht würde. Wir Pfälzer haben da ja einen enormen Heimvorteil, quasi die Hausapotheke direkt vor der Tür.

Wie Sie schon erwähnten, ist es wichtig, öfter mal den Kopf freizubekommen. Das Loslassen fällt oft ja nicht leicht.

Das stimmt. Wer mag sich auf den feinwürzigen Geruch von Fichtennadeln konzentrieren, wenn Putin und Corona durch den Kopf geistern? Doch graue Zeiten erfordern umso mehr ein Besinnen, um den Blick auf das Wesentliche zu schärfen.Und in der Regel klappt das Loslassen sehr schnell. Grundsätzlich spreche ich nur „Einladungen“ zu den einzelnen Übungen aus. Wer mag, der macht mit. Und bislang waren das immer alle.

Wie sind Sie selbst denn zum Waldbaden gekommen?

Ich wollte mich beruflich verändern und sammelte erst einmal alle Fakten, dann begann ich die Ausbildung zur Kursleiterin „Waldbaden – Achtsamkeit im Wald“ und zog in die alte Heimat zurück. Wo, wenn nicht hier, spricht der Wald für sich? Es war der richtige Schritt. Und die Zusammenarbeit mit der Tourist-Information klappt wunderbar.

Raten Sie den Teilnehmern, mehrmals teilzunehmen?

Ich sehe das ähnlich wie bei einem Schwimmkurs: Wer weiß, wie es geht, braucht keinen Waldbaden-Kurs mehr. Deshalb kombiniere ich es bewusst mit dem Wandern, den geselligen Anteilen, den Hütten. Wenn abends alle zufrieden sind, macht das für die Gäste und für mich Sinn. Und wer Spaß hat, kommt wieder. INTERVIEW: MAGDALENA RINGELING