Schrill hallt das Pfeifen der Dampflokomotive durch den Bahnhof. Ruckartig werden nun die Räder der Bahn bewegt und zischend und schnaufend setzt sich das Kuckucksbähnel langsam in Bewegung. Die besondere Attraktion des Eisenbahnmuseums Neustadt sind die betriebsbereiten Dampflokomotiven, die von Mai bis Oktober und dann noch einmal in der Adventszeit historische Eisenbahnwaggons durch Elmsteiner Tal ziehen. Aber auch das Eisenbahnmuseum oder wie es auch heißt: das Pfalzbahnmuseum in Neustadt selbst ist ein spannendes Ausflugsziel für die ganze Familie.


Die Besucher erleben hier fast 180 Jahre Eisenbahngeschichte, denn das Museum ist in einem historischen Lokschuppen aus der Anfangszeit der pfälzischen Eisenbahnstrecke von Ludwigshafen nach Neustadt und Speyer von 1847 untergebracht. Und die Sammlung umfasst historische Lokomotiven, Diesel- und Elektrolokomotiven, Waggons und andere Schienenfahrzeuge, die für Laien wie für Experten spannend sind.
Viele interaktive Erlebnisse machen das Eisenbahnmuseum vor allem für Kinder zu einem unvergesslichen Abenteuer. Und die im Obergeschoss des Lokschuppens aufgebaute Modelleisenbahn bringt die Augen nicht nur der kleinen Gäste zum Leuchten. Auf sieben mal 19 Metern ist hier eine Modellbahnanlage im Maßstab 1:32 in der Baugröße 1 aufgebaut. Neben einem Bahnbetriebswerk und einem großen Bahnhof bietet die Anlage drei voneinander unabhängige, ringförmige Strecken und eine separate Bergstrecke zu einem weiteren Bahnhof. Besucher, die selbst geeignete Lokomotiven und Wagen in Spur 1 besitzen, haben an den Spur 1-Fahrtagen die Möglichkeit, gegen eine kleine Spende ihre Modelle auf der großen Anlage fahren zu lassen. Hierfür sollte man sich allerdings auf der Internetseite anmelden.
Historische Lokomotiven erleben
Das Museum wird von der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) betrieben, die außer dem Museum in Neustadt noch eines in Bochum-Dahlhausen betreibt. In dem historischen Lokschuppen sind zahlreiche gut erhaltene und von vielen Mitgliedern in ungezählten Stunden ehrenamtlich restaurierte Dampflokomotiven, Dieselloks und Waggons verschiedener Epochen mit unterschiedlichen Technologien ausgestellt. Kinder stehen staunend vor mächtigen Maschinen und fühlen sich im Führerstand der Lokomotive wie echte Lokführer, denn in viele Fahrzeuge darf man hinein. Etliche Knöpfe, Regler und Schalter sind in dem Führerstand, ein Monitor und in der Mitte ein großes Lenkrad - nein! Eine Eisenbahn fährt auf Schienen und braucht nicht gelenkt zu werden. Mit dem großen Rad regelt der Lokführer die Geschwindigkeit.
Der Lokschuppen des Eisenbahnmuseums ist der älteste noch in seiner ursprünglichen Funktion genutzte Lokschuppen Europas. Es ist weitestgehend im Original erhalten und wurde ebenfalls durch die Vereinsmitglieder ehrenamtlich restauriert. Hier befindet sich auch der Kesseltorso der „Haardt“ – die Lokomotive mit der Betriebsnummer 1, die 1847 den Eröffnungszug zog.
Mit dem Kuckucksbähnel auf Zeitreise

Aber der Höhepunkt des Museums ist das Kuckucksbähnel, das zwischen Neustadt und Elmstein verkehrt. Die dampfende Schmalspurbahn fährt durch das malerische Elmsteiner Tal und bietet ein nostalgisches Reiseerlebnis. Die originalgetreu restaurierten Waggons und die eindrucksvolle Dampflok versetzen Fahrgäste zurück in die goldene Ära der Eisenbahn. Besonders für Familien ist die Fahrt durch den Wald ein echtes Abenteuer – während die Kleinen staunen, genießen die Erwachsenen die idyllische Landschaft des Pfälzerwaldes.
Die Fahrsaison der Regelfahrten startet in der Regel am 1.Mai und endet im Oktober. Fahrtage sind alle 14 Tage jeweils sonntags und in den Monaten August und September jeden Sonntag.
Das Eisenbahnmuseum bewahrt die Geschichte der Eisenbahn und gibt den Besuchern ein authentisches Bild von der Eisenbahnhistorie. Außerdem erhält es die historische Technik für kommende Generationen.
Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt der Strecke
Die Strecke des Kuckucksbähnels befindet sich überwiegend im kommunalen Besitz des Kreises Bad Dürkheim, der Stadt Neustadt und der Verbandsgemeinde Lambrecht. Seit über 40 Jahren wird der Zug als Museumsbahn betrieben. In diesem Jahr stehen jedoch umfassende Sanierungsmaßnahmen an, darunter der Austausch von Gleisen sowie Instandsetzungsarbeiten an mehreren Bahnübergängen. Ab Oktober sind diese Arbeiten geplant, weshalb voraussichtlich die beliebten Nikolausfahrten Ende November und Anfang Dezember entfallen werden. Die Baumaßnahmen kosten nach aktueller Schätzung insgesamt über 255.000 Euro und werden vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität zu 50 Prozent der Gesamtkosten gefördert.
Die Mittel werden verwendet für die komplette Gleisfelderneuerung eines 320 Meter langen Streckenabschnitts zwischen Erfenstein und Breitenstein sowie zweier Bahnübergänge. Die Gleisfelderneuerung umfasst den Austausch der Schienen und Schwellen sowie die Wiederherstellung des Entwässerungsgrabens. Die Schwellen stammen aus dem Jahr 1886, die Schienen aus 1907. Sie wurden zunächst auf der Strecke zwischen Neustadt und Kaiserslautern verbaut. 1930 wurden sie auf der Hauptstrecke ausgebaut und dann im Elmsteiner Tal verlegt. bev
VERANSTALTUNGEN: Bahn erleben
Ab 1. März hat das Eisenbahnmuseum Neustadt wieder mittwochs bis freitags von 10 bis 13 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Es liegt an der Schillerstraße 3 in Neustadt.
Neben den normalen Museumstagen gibt es auch Sonderveranstaltungen wie das Dampflokfest, bei dem verschiedene historische Züge in Aktion gezeigt werden oder auch das Kinderfest. Auch in den Ferien gibt es zudem Sonderaktionen für Kinder.
Die nächste Sonderfahrt ist an Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 29. Mai: Große Pfalzrundfahrt von Neustadt über Landau nach Pirmasens und zurück über Kaiserslautern. Der Zug wird mit einer historischen Diesellok bespannt.
An Pfingstmontag, 9. Juni ist eine Dampfzugfahrt von Neustadt nach Annweiler und zurück geplant. rko
INFORMATIONEN
Weitere Informationen online unter www.eisenbahnmuseum-neustadt.de