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Neustadter Frühjahr

Bauernkrieg: Als Neustadt die Tore für die Bauern öffnete

Pfalz vor 500 Jahren: Auch in Neustadt wüteten die Bauern.

Bauernkrieg: Als Neustadt die Tore für die Bauern öffnete

Auch in der Stiftskirche in Neustadt trieben die Bauern ihr Unwesen FOTO: ROLAND KOHLS

Als vor 500 Jahren der Pfälzer Bauernkrieg begann, war auch Neustadt betroffen. Da die gut befestigte Stadt ihre Tore für die Bauern freiwillig öffnete, kam sie recht glimpflich davon - im Gegensatz zu den Bauern.

Neustadt an der Haardt, im Frühling vor 500 Jahren. In Nußdorf bei Landau begann am 23. April 1525 der Pfälzische Bauernkrieg. Der „Nussdorfer Haufen“, ein schlecht ausgerüstetes, aber großes Bauernheer, machte sich auf den Weg, zerstörte den Geilweilerhof sowie die Klöster Eußertal und Heilsbruck bei Edenkoben. Die Kestenburg über Hambach, deren Reste man noch rund auf dem Gelände des Hambacher Schlosses erkennt, war das nächste Ziel. Dort gab es ein riesiges Weinfass, das geleert wurde. Dann ging es nach Neustadt. Die Stadt war gut befestigt, von einer rund acht Meter hohen Mauer umgeben, die Wachen waren mit modernen Büchsen ausgestattet worden. Dennoch öffnete man dem Heer der Bauern die Tore und ließ sie in die Stadt hinein. Wenig bekannt ist, was die Gründe waren, doch war Neustadt nicht der einzige Ort, der dies tat. Auch die kurpfälzischen Städte Freinsheim und Pfeddersheim öffneten die Tore. Bei Neustadt wird vermutlich Wendel Hipler, der Kanzler des einberufenen „Bauernparlaments“ in Heilbronn, einen Einfluss gehabt haben. Bevor er die Aufgabe übernahm, die aufständischen Bauern als Kanzler zu koordinieren, war er Landschreiber in Neustadt, also der oberste Verwaltungsbeamte des Kurfürsten im Oberamt Neustadt. 

Die Landschreibereistraße in Neustadt erinnert an dessen Dienstsitz. Bekannt ist, dass der Stiftsdekan Michel Weinmar und der Pfarrer der Stiftskirche, Heinrich Mumprat, später für ihr vermittelndes Verhalten ebenso verurteilt wurden, wie der Schultheiß Hans Forst. Kaum in der Stadt beschädigten die Bauern in der Stiftskirche die Gräber der Kurfürstenfamilie, die sich heute aufrecht stehend im katholischen Teil der Stiftskirche befinden. Dies erzürnte den pfälzischen Kurfürsten Ludwig V. genauso wie die Zerstörung der Burg Winzingen, auf der sein Bruder und spätere Nachfolger auf dem Thron Friedrich II. zur Welt kam. Zudem wurde die Wolfsburg, die das Tal nach Westen absicherte und lange Amtssitz des Vizedominus, also des Stellvertreters des Kurfürsten war, ebenfalls zerstört. Der Kurfürsten erweckte bei Verhandlungen mit Bauernführern in Forst an der heutigen Weinstraße zunächst den Eindruck, dass er Zugeständnisse macht. Er zeigt Interesse an den zwölf Artikel der Bauern von Memmingen, die die Abschaffung der Leibeigenschaft forderten, wie auch die freie Jagd, Fischerei und Holznutzung, neben Anliegen der Reformation wie die Wahl des Pfarrers durch die Gemeinde. Doch im Hintergrund wurde bereits eine Allianz mit anderen Fürsten geschmiedet. Mit einem gemeinsamen Heer stellte der Kurfürst das Pfälzische Bauernheer bei Pfeddersheim vor den Toren von Worms. 2.500 Bauern starben in dem Gefecht oder wurden auf der Flucht niedergemetzelt. Pfeddersheim, Freinsheim und Neustadt wurden für ihr Verhalten bestraft und verloren ihre Stadtrechte. In Neustadt durfte rund 18 Jahre kein Markt und kein Gericht mehr gehalten werden, was die Stadt faktisch lähmte. Es fanden Hinrichtungen statt und der ehemalige Landschreiber von Neustadt, Wendel Hipler, starb ein Jahr später in einem Heidelberger Kerker. Die Lage der Bauern verbesserte sich vorerst nicht. MICHAEL LANDGRAF

LESETIPP

Das Kapitel „Der Bauernkrieg“ im Roman„Der Protestant“ von Michael Landgraf, 4. Auflage, Mannheim 2018, ISBN 978-3-95428-193-0