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75 Jahre DIE RHEINPFALZ

Dicker Bauch und rote Nase

UNSERMANN FÜR DEN SONNTAGSSPASS: Schorsch Kleintrauber ist der heimliche Held der RHEINPFALZ am SONNTAG. Der weinselige Grantler aus der Feder von Steffen Boiselle verschönt den Lesern seit 13 Jahren das Wochenende. Der Cartoonist kennt sie nur zu gut, die Pfälzer Seele.

Dicker Bauch und rote Nase

Des Pfälzers liebste Nachbarn, die Saarländer, bekommen auch regelmäßig ihr Fett weg.

„100 % Pälzer“ heißen die Karikaturen des gebürtigen Oggersheimers, der inzwischen in Neustadt heimisch geworden ist. Seit 2007 erscheinen sie in der RHEINPFALZ am SONNTAG, außerdem in Buchform und als Kalender. Darüber hinaus vertreibt Steffen Boiselle das Konterfei seines idealtypischen Pfälzers auf T-Shirts und Mützen, Dubbegläsern und Postkarten, Aufklebern und Magneten.Denn der Zeichner ist zugleich sein eigener Verleger. Die Verbindung von künstlerischem Talent und kaufmännischem Verstand mag ihm in der Wiege gelegen haben: Der Vater war Bauingenieur mit einer sehr produktiven Neigung zur Malerei, die Mutter betrieb einen Strickladen. Der 1964 geborene Boiselle verkaufte schon als 15-Jähriger im Schulhof selbst gezeichnete Abenteuer-Comics. Kurz nach dem Abitur ermunterte Uwe Löhmann vom Mannheimer „Comicothek“-Laden ihn zur Gründung eines gemeinsamen Verlags. Die Firma übernahm nicht nur Auslandslizenzen, sondern brachte auch Boiselles Comic um den trinkfreudigen Punker Rudi heraus.„So bin ich in den Vertrieb bei einem Großhandel in Wuppertal gerutscht“, berichtet der 100-%-Pfälzer. Anno 2000 wurde er Repräsentant des auf Sprechblasen-Geschichten spezialisierten Carlsen-Verlags. Unterdessen stieg sein heutiger Geschäftspartner Clemens Ellert in den Agiro-Verlag ein, den Boiselle nach dem sagenhaften Gründer von Oggersheimbenannt hat.                 

Seinen Sitz hat das Unternehmen seit 1999 in Neustadt. Am Schreibtisch in der Sauterstraße heckt der Grafiker die „100-%-Pälzer“-Cartoons aus, die allwöchentlich in der RHEINPFALZ am SONNTAG erscheinen. Es sind gezeichnete Alltagsglossen, bebilderte Wortspiele und Allerweltsbegebenheiten um kleine Leute wie du und ich, heimatverbunden und genussfreudig, gewitzt und auch mal altklug, aber immer liebenswert und bodenständig.

Boiselles „100-%-Pälzer“ heißt Schorsch Kleintrauber. Er hat einen dicken Bauch, eine rote Nase unter einem buschigen Oberlippenbart, immer Lust auf eine Schorle oder einen Woi, isst gern deftig und redet auch so. Die Gattin dieses trinkfreudigen Pfälzer Krischers hört auf den Namen Erna und spart nicht mit Ratschlägen und Kommentaren zu seinem Treiben, Denken und Aussehen. Dazu gesellt sich eine Schar wiederkehrender Freunde und Familienmitglieder, die ein Wesenszug verbindet: Sie sind alle zu „100 % Pälzer“.

Was sie tun, denken und sagen, führt Boiselle als Momentaufnahme vor. Er erzählt keine Geschichten als Abfolge von Bildern, sondern bringt Einzelzeichnungen zu Papier. Mal kommen sie als Anmerkungen zum aktuellen Zeit-, Sport- oder Politikgeschehen daher, mal präsentieren sie Szenen einer Ehe, mitunter illustrieren sie heiter-zeitlose Konstellationen des Alltagslebens.

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S. Boiselle

Meist aber handeln sie von kulinarischer und gekelterter Pfälzer Lebensart. Wer bei Schorschs Liebe zum edlen Rebensaft Böses denkt, ist selber schuld. Zuweilen schwingt sich Schorsch unter dem Einfluss jenes Weins, in dem die Wahrheit liegt, gar zu philosophischen Grundfragen unseres Daseins auf.

Auch dann zeigt sich, dass er das Herz auf dem rechten Fleck trägt,weil er gut leben will und leben lässt. Nicht von ungefähr wurden Steffen Boiselle und sein Schorsch 2019 für ihre gemeinsamen „Verdienste um die regionale Kultur“ bei den Bockenheimer Mundarttagen mit dem Preis der Emichsburg ausgezeichnet.

Als er die Ehrung entgegennahm, entrollte Boiselle am Ende seiner kurzen Ansprache ein Plakat mit der Aufschrift „Donkschää!“ Aber der Mann mit dem Zeichenstift kann durchaus reden, viel sogar und schnell und mitreißend. Trotz seiner Liebe zur Pfälzer Lebensart ist er auch mit 55 Jahren ein agiler Schlaks mit bleckendem Lächeln und – sagen wir – behutsam zurückweichendem Haaransatz. Und er ist ein Schnelldenker und Schnellzeichner, der als Karikaturist häufig zu Betriebs- und Familienfesten engagiert wird.

Neben den Abenteuern von Schorsch und seiner Sippe gibt der Verleger Boiselle auch belletristische und regionalhistorische Werke sowie Bild- und Kunstbände heraus. Gemeinsam mit Gattin Ines hat er ein Pfälzer Kochbuch veröffentlicht, und er bereitet seine ersten Gehversuche mit kurzen Zeichentrickfilmen vor. „Da steckt noch einiges an Potenzial für uns drin“, sagt der Mann, der nach eigenen Angaben „zwar faul“ ist, „aber noch nie einen Burnout hatte“.

Nur ein paar heftig diskutierte Ausnahmen bestätigen die Regel, dass der „100-%-Pälzer“ bei den Lesern und Betrachtern weiterhin unvermindert gut ankommt. Dazu passt das Credo des Steffen Boiselle: „Die Pfälzer sind schon ein besonderes Völkchen. Geselligkeit, Wein, Sonne und Hüttenkultur im Pfälzerwald, das hat nicht jeder.Und das wissen auch viele zu schätzen. Es gibt auch Pfälzer, die über meine Cartoons nicht lachen können. Aber damit kann ich leben.“  VON RAINER DICK

U wie… Umbruch

Wenn ein Text in nebeneinander stehende Spalten gesetzt wird, wird er im Zeitungsjargon „umbrochen“. Der „Umbruch“ ist somit das Setzen von Texten auf mehrspaltigen Zeitungsseiten, oder – vereinfacht ausgedrückt – die Gestaltung der Seite mit Inhalten.

Der Begriff stammt noch aus der Zeit des Bleisatzes, als Schriftsetzer die in Bleilettern gesetzten Textfahnen umbrechen mussten, um sie mehrspaltig in die Druckformen zu platzieren. Der Begriff erklärt sich von selbst, wenn man sich vorstellt, wie der einspaltige lange Text am Ende einer Spalte „abgebrochen“ wird, um in der nächsten Spalte oben wieder eingesetzt zu werden. Der Begriff wird auch für das Setzen von Rubrikenanzeigen verwendet. Auch Kleinanzeigen (beispielsweise Immobilienanzeigen oder Autoverkäufe) werden ja spaltenweise gesetzt und demzufolge ebenfalls umbrochen. 

Linotype-Setzmaschine schon 1886 vorgestellt

Das Einsetzen der Bleilettern in die Druckform per Hand war schon in der Geburtsstunde der RHEINPFALZ längst passé. Setzmaschinen, die das automatisch machen, gibt es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts, die bekannteste ist die von Ottmar Mergenthaler 1886 vorgestellte Linotype-Setzmaschine. Trotz maschineller Unterstützung übte der Schriftsetzer über Jahrzehnte hinweg eine hoch spezialisierte Tätigkeit aus. Die Textmengen und Bilder nach den Wünschen der Redaktion und den Vorgaben des Seitenlayouts auf der Seite unterzubringen, war oft schwierig. Die Metteure, wie sie auch genannt wurden, waren in allen Verlagen hoch geachtet. Genutzt hat es ihnen letztlich nichts – die Entwicklung der Computertechnik überrollte auch das Zeitungswesen, Schriftsetzer werden schon lange nicht mehr gebraucht.

Die Zeitungsseiten werden in der Redaktion gestaltet. Spezielle Redaktionssoftware sorgt dafür, dass über vorformatierte Artikelmuster die Texte automatisch umbrochen und die Seiten lückenlos gestaltet werden. „Computer to plate“, vom PC direkt auf die Druckplatte, ist bei der RHEINPFALZ schon seit Anfang der 90er-Jahre Realität. pel