
Das Stabausfest mit Märzmarkt und verkaufsoffenem Sonntag sei ein „Paradebeispiel für die gute Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Werbegemeinschaft“, betont der 65-Jährige. Das ist tatsächlich schon seit Anfang an so. Denn die Einführung des Sommertagsumzug, der am 14. März 1926 Premiere hatte, ist der Initiative von Eugen Sommer zu verdanken. Der Verleger und spätere CDU-Stadtrat war zu dem Zeitpunkt der Vorsitzende des 1925 ins Leben gerufenen Verkehrsvereins. 1995 wurde Wagner zum Geschäftsführer dieses Vereins gewählt, der sich seit 2002 Wirtschaftsforum nennt.
„Für uns als Kinder war das Stabausfest immer ein Highlight“, erinnert er sich. Der Ablauf habe sich kaum verändert, allerdings die Standorte für die Winterverbrennung und die am bunten Lindwurm teilnehmenden Gruppen. Der begeisterte Radler Wagner hat noch viele mit farbigen Kreppbändern zwischen den Speichen geschmückte Kinderrädchen vor Augen. „Als Erwachsener bin ich auf einem Tandem mitgefahren.“
Wie Citymanagerin Susanne Kramer berichtet, war der Umzug einst doppelt so lang wie heute. 1954 beispielsweise seien es 30 Teilnehmer gewesen. „Mitgemacht haben unter anderem der Luftfahrtverein, der Schwimmclub Delphin, der Pfälzerwaldverein, das Autohaus Rittersbacher, die Landfrauen, ein Reiterverein und viele mehr“, führt sie aus.
Das war allerdings vor Wagners Geburt. Er weiß aber noch, dass die vier Jahreszeiten, die den besonderen Umzug ausmachen, grundsätzlich mit schön dekorierten Motivwagen dargestellt wurden. Aufgrund der Auflagen mit teurer TÜV-Pflicht und massiv erhöhter Anzahl an vorgeschriebenen Aufsichtspersonen, die sich kaum finden, gebe es inzwischen nur noch für den Straßenverkehr zugelassene Anhänger und Fußgruppen mit Handwägelchen. Kramerschaut auf alte Fotos und beschreibt ein heute undenkbares Szenario: „Einst winkten die Kinder von den Motivwagen herunter, die oben nicht mit Gittern abgesichert waren.“



Gar nicht mehr dabei ist auch eine Kutsche. Bis vor wenigen Jahren war es üblich, dass der Bürgermeister gemeinsam mit der amtierenden Weingräfin des Leiningerlandes in einem Ein- oder Zweispänner durch die Fußgängerzone chauffiert wurde. Aber: Im August 2022 war Wagner mit der 71. Weingräfin Mara Echter auf der Asselheimer Kerwe. „Wir fuhren hinter einer Guggemusikgruppe, als eines der beiden Pferde immer nervöser wurde und schließlich durchging“, erzählt der 65-Jährige. Deshalb hätten sie getrennt weiterfahren müssen: Mara in einem schwarzen Cabriolet und er selbst in der Isetta von Albrecht Belger.
Ziel des Umzugs ist seit Längerem das Feuerwehr-Gerätehaus im Nordring. Auf dem großen Parkplatz dahinter kann der meterhohe Schneemann hinter weiträumigen Absperrungen relativ gefahrlos in Flammen aufgehen. „Und das, obwohl sich dort bei dem Großereignis nach wie vor rund 1500 bis 2000 Besucher tummeln“, so Wagner. In seiner Jugend wurde der Winter auf dem Verladeplatz verbrannt und später auf dem Schillerplatz. „Dort war es jedoch viel zu eng für ein offenes Feuer“, erklärt der Alt-Bürgermeister. abf