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Pflegekompass

So viel wie möglich, so wenig wie nötig

Wie Selbstwirksamkeit die Seele stärkt und warum es wichtig ist, Dinge selbst zu tun

So viel wie möglich, so wenig wie nötig

In die Hand geben statt zum Mund führen: Das dauert oft länger, stärkt aber das Gefühl der Selbstwirksamkeit. FOTO: MIRIAM DIECKVOB

Selbst entscheiden, was man anzieht. Den Kaffee selbst eingießen, auch wenn es länger dauert. Für viele pflegebedürftige Menschen sind es kleine Handlungen wie diese, die einen großen Einfluss auf den Lebensalltag haben. Was für gesunde Erwachsene im Alltag kaum bemerkt und deshalb häufig nicht mitgedacht wird, ist für Pflegebedürftige essenziell: Das Gefühl der Selbstwirksamkeit. – also die Überzeugung, das eigene Leben gestalten und Aufgaben meistern zu können. Dazu benötigt es unter anderem Erfolgserlebnisse und ermutigenden Zuspruch durch andere. 

In der Praxis richtet sich Pflege häufig an dem aus, was nicht mehr geht. Sicherheit, Effizienz und Entlastung stehen im Vordergrund. Dabei gerät leicht aus dem Blick, wie wichtig es für die Betroffenen ist, weiterhin Entscheidungen zu treffen und Einfluss auf den eigenen Alltag zu haben. Erlebte Selbstwirksamkeit stärkt nicht nur das Wohlbefinden, sondern fördert auch die Motivation und die Stabilität im Alltag. Gleichzeitig rutscht ein Mensch, dem alles abgenommen wird, schnell in die erlernte Hilflosigkeit. 

Gerade im häuslichen Umfeld zeigt sich, wie schmal der Grat zwischen Unterstützung und Überfürsorge ist. Der Gepflegte soll sauber und ordentlich sein, man möchte schließlich, dass es ihm gut geht. Häufig ist die Zeit knapp und der Gepflegte benötigt übermäßig lange für einfache Aufgaben, die ihn dann anstrengen und die vielleicht nicht optimal ausgeführt werden. „Ich übernehme das schnell für dich“ ist ein Satz, der im Alltag oft fällt, aber unbeabsichtigt Handlungsspielräume verkleinert. 

Selbstwirksamkeit bedeutet hier auch, auszuhalten, dass Dinge langsamer gehen oder anders ausgeführt werden. Selbstständigkeit lässt sich oft mit einfachen Mitteln stärken. Wahlmöglichkeiten im Alltag, kleine Aufgaben oder vertraute Routinen helfen, Selbstwirksamkeit zu erleben. Wer an frühere Gewohnheiten und Fähigkeiten anknüpft, etwa über bekannte Tätigkeiten oder Rituale, erleichtert den Zugang zusätzlich. Manchmal genügt es schon, dass der Trinkbecher selbst an die Lippen geführt wird – auch wenn mal etwas daneben geht. Selbstwirksamkeit ist mehr als ein pädagogisches Konzept. Sie ist ein zentraler Bestandteil würdevoller Pflege. Gute Unterstützung zeigt sich nicht nur darin, was einem Menschen abgenommen wird, sondern auch darin, was er oder sie weiterhin selbst tun kann. mide


Umfrage zeigt hohen Beratungsbedarf

Eine aktuelle Versichertenbefragung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) zeigt, dass die Begutachtung von Pflegebedürftigen weiterhin überwiegend positiv bewertet wird.

Rund 86 Prozent der Befragten waren mit den Hausbesuchen zufrieden, knapp 84 Prozent mit den Telefonbegutachtungen. Besonders hervorgehoben wurden darin Freundlichkeit, Kompetenz und ein respektvoller Umgang der Gutachter. 

Besonders interessant ist für pflegende Angehörige jedoch, dass sich trotz insgesamt hoher Zufriedenheit viele Befragte mehr konkrete Beratung und stärkere Unterstützung für ihre individuelle Pflegesituation wünschen. Nur etwa 78 Prozent fühlen sich in diesem Punkt ausreichend begleitet. Insgesamt wird deutlich, dass die Begutachtung aus Sicht vieler Betroffener gut funktioniert, der Bedarf an Orientierung und praktischen Hilfen im Pflegealltag jedoch auch weiter in hohem Maße besteht. red