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Neustadter Sommer

Kult auf kleinen Rädern

Der erste Samstag im September gehört den Klapprädern

Kult auf kleinen Rädern

Klappräder erleben beim Rennen ihre wohl spektakulärste Bühne - wie 2018 mit dem Moto„Rotkläppchen strampelt sich einen bösen Wolf!“. FOTO: ROLAND KOHLS

Es gibt Rennen, bei denen Sekunden zählen. Und es gibt den Kalmit-Klapprad-Cup. In Maikammer zählen zwar ebenfalls Kondition und Durchhaltevermögen - mindestens genauso wichtig sind aber Stilbewusstsein und die kompromisslose Liebe zum alten Klapprad.

Wenn sich am ersten Samstag im September wieder Hunderte Fahrerinnen und Fahrer in Maikammer versammeln, beginnt in der Südpfalz ein Ereignis, das irgendwo zwischen Sportveranstaltung, Kostümfest und liebevoll gepflegtem Kulturgut liegt. Der Weg führt hinauf zur Kalmit, dem höchsten Berg des Pfälzerwaldes. 

Sechs Kilometer Strecke und rund 540 Höhenmeter mögen auf den ersten Blick überschaubar wirken. Auf einem klassischen Klapprad ohne Gangschaltung bekommen sie allerdings eine ganz eigene Dimension. 

Der Berg ruft

Der Start erfolgt traditionell am Nachmittag in Maikammer. Schon Stunden vorher füllen sich Straßen und Plätze mit Teilnehmern, Zuschauern und Neugierigen. Viele kommen weniger wegen sportlicher Höchstleistungen als wegen der Atmosphäre. Denn der Kalmit-Klapprad-Cup nimmt sich selbst nie zu ernst – und gerade das macht seinen Reiz aus.

Die Regeln lesen sich wie eine Mischung aus Vereinsordnung und satirischem Manifest. Zugelassen sind ausschließlich klassische Klappräder aus Eisen und Stahl. Moderne Falträder gelten als ästhetisch fragwürdig und bleiben außen vor. Gangschaltungen sind ausdrücklich unerwünscht. „Schaltungsfreiheit“ gehört seit Jahren zum ideologischen Kern des Rennens.

Auch das äußere Erscheinungsbild spielt eine zentrale Rolle. Gutes Aussehen auf dem Klapprad gilt als Pflicht, Kostüme und kreative Mottos gehören fest zur Veranstaltung. Jahr für Jahr steht das Rennen unter einer neuen Überschrift – mal ironisch, mal absurd, oft mit Anspielungen auf Popkultur oder Zeitgeschehen. 

Kult mit Geschichte

Der Kalmit-Klapprad-Cup hat sich längst vom kuriosen Geheimtipp zum festen Bestandteil des Pfälzer Veranstaltungskalenders entwickelt. Seit den frühen 1990er Jahren wird gefahren, gefeiert und geschwitzt.

Titel wie „Germany's Next Klapp-Model“, „Tanz der Scharniere“, „Welcome to the Royal Klapp“ oder „Liberté, Égalité, Klapperité!“ zeigen dabei ziemlich genau, worum es geht: um Humor, Selbstironie und die Lust an einer Veranstaltung, die gegen Perfektion arbeitet.

Denn während viele Radsportevents auf Hightech, Carbonrahmen und Wattzahlen setzen, feiert der Klapprad-Cup das Gegenteil. Hier knarzt Metall, hier quietschen Bremsen, hier kämpfen Fahrerinnen und Fahrer mit erstaunlich kleinen Rädern gegen erstaunlich große Steigungen.

Das Publikum liebt genau diese Mischung. Entlang der Strecke wird angefeuert, gelacht und fotografiert. Der Weg hinauf zur Kalmit wird so jedes Jahr zur rollenden Zeitreise. 

Zwischen Ernst und Persiflage

Natürlich wird auch beim Klapprad-Cup ehrgeizig gefahren. Wer die Kalmit ohne Schaltung erklimmt, braucht Kraft und Ausdauer. Gerade die letzten Meter hinauf zum Parkplatz verlangen vielen alles ab. Trotzdem bleibt die Veranstaltung weit entfernt vom verbissenen Leistungssport.

Die Organisatoren pflegen den humorvollen Ton. Teilnehmer sollen neben der „sittlichen Reife“ auch der „geistigen Erleuchtung“ möglichst nahe stehen, heißt es augenzwinkernd in den Teilnahmebedingungen. Das klingt nach Spaß. Gleichzeitig steckt hinter dem Rennen eine bemerkenswerte Liebe zum Detail und eine große Verbundenheit mit der Region.

Der Kalmit-Klapprad-Cup funktioniert deshalb so gut, weil er beides zusammenbringt: sportliche Herausforderung und pfälzische Gelassenheit. Niemand muss Profi sein, um mitzufahren. Entscheidend ist eher die Bereitschaft, sich auf das Ritual einzulassen. 

Ritual der kleinen Räder

Rituale gibt es viele. Die Startnummernausgabe beginnt bereits am Vormittag, bevor sich Fahrer und Zuschauer langsam auf den Nachmittag einstimmen. Manche Teilnehmer reisen mit perfekt restaurierten Originalrädern an, andere mit bewusst improvisierten Konstruktionen. Viele Kostüme sind monatelang vorbereitet worden.

Wenn das Fahrerfeld schließlich startet, entsteht ein Bild, das man so kaum irgendwo anders sieht: Menschen in Retro-Outfits, auf winzigen Rädern, kämpfend gegen die Steigung – begleitet von Applaus, Musik und einer gehörigen Portion Selbstironie.

Gerade diese Mischung macht den Kalmit-Klapprad-Cup besonders. Das Rennen ist keine nostalgische Kopie vergangener Zeiten, sondern ein bewusstes Gegenprogramm zur durchoptimierten Gegenwart. Hier darf es schräg aussehen, langsam sein oder laut knattern. Hauptsache, das Scharnier hält.

Da reicht den Teilnehmern ein altes Klapprad, ein steiler Berg und die Bereitschaft, sich auf etwas wunderbar Unvernünftiges einzulassen. tkn/red

Klapprad-Cup 2026

Termin
Samstag, 5. September

Ort
Start in Maikammer, Ziel am Kalmit-Parkplatz

Strecke
Rund sechs Kilometer, 540 Höhenmeter bergauf

Zeitplan
Startnummernausgabe ab 11 Uhr, Rennstart 15 Uhr

Teilnahme
Gefahren wird ausschließlich auf klassischen Klapprädern aus Eisen und Stahl Keine Gangschaltung erlaubt
Moderne Falträder sind nicht zugelassen
Kostüme und kreatives Styling sind ausdrücklich erwünscht

Anmeldung
Nur online möglich Keine Nachmeldung am Renntag
Die Zahl der Startplätze ist begrenzt

Anmeldung im Internet
anmeldung.kalmit-klapprad-cup.de