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Dienstag, 03.09.2019 Drucken

50 Jahre kreisfreie Stadt Neustadt

Der Anfang war nicht einfach

Diedesfeld fühlt sich nach der Eingemeindung von Nachbarn überholt – Später aber positive Entwicklung

Als die Gebietsreform 1969 in Kraft trat, war Roland Henigin 19 Jahre alt. Bis er Ortsvorsteher von Diedesfeld werden würde, sollte es noch 25 Jahre dauern. Doch die Diskussionen um die Eingemeindung und die Folgen der Zugehörigkeit zur Stadt erlebte er auch so schon aus nächster Nähe.
     

Die Diedesfelder mussten lange auf ihren Dorfplatz warten, ehe er, mit kleinem Wasserlauf, endlich gebaut wurde. Foto: ffg
Die Diedesfelder mussten lange auf ihren Dorfplatz warten, ehe er, mit kleinem Wasserlauf, endlich gebaut wurde. 
Foto: ffg

Der junge Roland Henigin war in Diedesfelder Vereinen und in der Kirchengemeinde engagiert, und natürlich seien das Thema Eingemeindung an sich sowie die Auswirkungen auch innerhalb dieser Kreise damals ausgiebig diskutiert worden, erinnert sich der heute 69-Jährige. Nicht wenige Diedesfelder hätten damals eher zu einem Beitritt in eine Verbandsgemeinde mit Maikammer, Kirrweiler und St. Martin tendiert: „Die Bindung zu diesen Orten war recht groß“, sagt Henigin. Aber letztlich habe man ja gar keine Wahl gehabt. So hätten sich bei der Abstimmung im Diedesfelder Gemeinderat auch nur zwei Mitglieder gegen die Eingemeindung nach Neustadt ausgesprochen. Und selbst wenn es damals deutlich mehr Nein-Stimmen gegeben hätte: „Das Ganze war ja nicht bindend.“ Dennoch habe es eine gute Weile gedauert, bis die Eingemeindung auf breiter Ebene akzeptiert worden sei.

„An der Tatsache war nichts mehr zu ändern“, dennoch habe man in Diedesfeld etwas neidvoll auf die umliegenden Gemeinden geschaut, die nun zum Landkreis Südliche Weinstraße gehörten, erinnert sich Henigin. Denn: „Diese waren bis dahin nicht weiter oder sogar weniger entwickelt als Diedesfeld, haben uns dann aber überholt“, so der Ortsvorsteher. Diese hätten nämlich deutlich mehr Mittel für die Dorfsanierung erhalten als ihre jetzt zu Neustadt gehörende Nachbargemeinde.

Der Dorfplatz als Symbol

Mit der Zeit habe Diedesfeld aber wieder aufgeholt. „Die Entwicklung war dann sehr positiv, wir haben vor allem seit Beginn des neuen Jahrtausends einen gewaltigen Sprung gemacht“, freut sich Henigin, der seit 1994 als Ortsvorsteher wirkt. Den Dorfplatz nennt er als symbolhaftes Projekt, das die Diedesfelder schon seit der Eingemeindung beschäftigt habe. „Es ist geschafft, heute ist ein großer Tag für Diedesfeld“, rief ein freudestrahlender Henigin am 19. Mai 2009, als der Platz eingeweiht wurde. Er bezeichnete die Anlage damals als riesigen Gewinn für das Dorf, und an dieser Meinung hat sich bis heute nichts geändert.Es waren letztlich Jahrzehnte ins Land gezogen, ehe das Projekt auf dem alten Sportplatz realisiert werden konnte. Die ersten Verträge waren bereits in den 1980er-Jahren geschlossen worden, doch Eigentumsverhältnisse hatten sich wiederholt verändert, Pläne waren diskutiert und wieder verworfen worden. Henigin und seine Mitstreiter ließen nicht locker. Und irgendwann, erinnert sich Henigin, habe der damalige Neustadter Oberbürgermeister Hans Georg Löffler gesagt: „Wir bauen, es darf aber nicht viel kosten.“ Es existierte ein Kostenvoranschlag von Heinz Münch, einem Architekten aus Diedesfeld, der sich stark für den Dorfplatz engagierte. Der belief sich laut Henigin auf 1,5 Millionen Mark. Doch Löffler habe gesagt, der Platz dürfe höchstens 400.000 Euro kosten.
   

Weiß sehr viel über „sein“ Dorf: Ortsvorsteher Roland Henigin vor der denkmalgeschützten Ortsverwaltung. Foto: ffg
Weiß sehr viel über „sein“ Dorf: Ortsvorsteher Roland Henigin vor der denkmalgeschützten Ortsverwaltung. Foto: ffg

Großer Zusammenhalt

Das konnte nur mit ganz viel Eigenleistung gelingen – und die Diedesfelder ließen sich nicht lumpen. Rund 40 ehrenamtliche Helfer packten regelmäßig mit an und leisteten zusammen rund 2000 Arbeitsstunden. 2008 begannen die Arbeiten, im Jahr darauf waren sie abgeschlossen. Löffler habe später mal zu ihm gesagt, dass er nicht gedacht hätte, dass die Diedesfelder das schaffen, berichtet Henigin. Letztlich kostete der Platz 525.000 Euro. 254.000 Euro übernahm das Land, 221.000 Euro die Stadt, und 50.000 Euro kamen dank der Eigenleistung zusammen. „Der Dorfplatz hat die Entwicklung Diedesfelds maßgeblich geprägt. Und er war für mich eine Herzensangelegenheit“, betont Henigin.

Die große Solidarität rund um den Platz sei aber kein Einzelfall in Diedesfeld gewesen, unterstreicht der Ortsvorsteher. Auch bei früheren Projekten habe man einen großen Zusammenhalt gespürt: „Das war schon immer so und sehr prägend für Diedesfeld.“ Leider habe dieses Engagement „in den letzten Jahren ein bisschen abgenommen“.

Ein Titel, mit dem sich Diedesfeld gerne schmückt, ist folgender: Mittelpunkt der Deutschen Weinstraße. Diesen trägt das Weindorf allerdings erst seit 1985. Damals stand das Jubiläum „50 Jahre Deutsche Weinstraße“ vor der Tür: „Und irgendjemand hat festgestellt, dass Diedesfeld genau in der Mitte liegt“, so Henigin. Zur Sicherheit sei die gesamte Weinstraße mit Fahrrädern abgefahren worden – das brachte die Bestätigung. Der Mittelpunkt ist laut Henigin zwar nicht genau dort, wo der entsprechende Hinweisstein aufgestellt wurde – aber sei’s drum. Jedenfalls liegt die Mitte auf Diedesfelder Gemarkung. Und aus touristischer Sicht habe sich das Ganze auf jeden Fall positiv ausgewirkt, findet der Ortsvorsteher.

Kein Feuerwehrgerätehaus

Etwas, das Diedesfeld wegen der Eingemeindung verloren hat, ist sein Feuerwehrgerätehaus. Das war im Gebäude der Ortsverwaltung untergebracht – aber zu klein für die modernen Fahrzeuge geworden. Die Diedesfelder hätten es gerne ausgebaut und weiter genutzt, aber auch Hambach habe ein Feuerwehrgerätehaus gewollt, berichtet Henigin. Die Bezirksregierung habe dann entschieden, dass für beide Gemeinden nur ein neues Gebäude errichtet werden dürfe – und die Wahl fiel auf Hambach. „Das sorgte für viel Unmut im Dorf“, erinnert sich Henigin. Er selbst war auch nicht begeistert, gibt mit dem Abstand der Jahre aber zu: „Aus strategischen Gründen war die Entscheidung sicher sinnvoll.“ Ein Feuerwehrverein hat sich im Ort trotzdem gehalten, und dessen Mitglieder helfen auch heute noch bei Festen oder bei der Kerwe. ffg
    

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