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RHEINPFALZ Themenwelten
Anzeigensonderveröffentlichung
Dienstag, 17.09.2019 Drucken

LEO Saison Herbst

Idylle von herbem Reiz

Ausflug: Mehlinger Heide bei Enkenbach-Alsenborn

Plötzlich ist man in einer anderen Landschaft, einer anderen Welt. Heidekraut, wohin man blickt. Die holzigen Zwergsträucher bilden einen dichten Teppich, der, je nach Standpunkt, bis an den Horizont reicht oder dem Betrachter großzügig zu Füßen liegt. Und da die Heide hier und da noch blüht, an anderen Stellen aber bereits verdorrt, changiert dieser Teppich zwischen Blassviolett und Rostrosa. 
  

Blassviolett bis bräunlich: der Heidekrautteppich bei Mehlingen Anfang September. Foto: kai
Blassviolett bis bräunlich: der Heidekrautteppich bei Mehlingen Anfang September. Foto: kai

Sandige, ockerfarbene Wege gehen durch diese Erika-Steppe, aus der vereinzelt Bäume und kleine Haine ragen, schön gewachsene Kiefern- und Eichen,Buchen mit üppig geteilten Mehrfachstämmen wie aus dem Bilderbuch. Dramatische Wolkengebilde ziehen darüber hinweg an diesem schon etwas herbstlichen Spätsommernachmittag.

Man könnte meinen, irgendwo im Norden zu sein, in Niedersachsen, Brandenburg oder der Altmark. Tatsächlich aber befinden wir uns mitten in der Pfalz: in der Mehlinger Heide bei Enkenbach-Alsenborn. Mit einer Fläche von insgesamt 410 Hektar gehört sie zu den größten Heidegebieten in Deutschlands Süden. Ihre Existenz verdankt diese Landschaft, die so gar nicht in den Pfälzerwald zu gehören scheint, militärischer Nutzung. Schon vor dem Ersten Weltkrieg dienten Teile des Geländes als Truppenübungsplatz. Ab 1937 ließ die Wehrmacht weitere Waldflächen abholzen, um hier Krieg zu spielen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen dann französische und US-amerikanische Streitkräfte das Übungsgelände. Die jahrzehntelange militärische Rodung und Zerpflügung des Landstrichs begünstigte den Vormarsch des Heidekrauts. Und so entstand die Mehlinger Heide quasi als ökologischer Nebeneffekt von Imperialismus und Kaltem Krieg.
  

Auch im Winter eigenartig schön: die Mehlinger Heide. Foto: view
Auch im Winter eigenartig schön: die Mehlinger Heide. Foto: view

1992 wurde der von den Franzosen genutzte, 1994 der von den Amerikanern rekrutierte Teil des Geländes an die Bundesrepublik zurückgegeben. Seit 2001 ist es offizielles Naturschutzgebiet, in dem, unter anderem, Vogelarten wie Heidelerche und Ziegenmelker brüten. Dass die Mehlinger Heide von einer Schnellstraße, der A63, durchschnitten wird, ist der einzige Wermutstropfen in dieser Idylle, deren herben Reiz zwei bequeme und auch für ungeübte Wanderer geeignete Pfade erschließen. Östlich der Autobahn geht der Heideerlebnispfad durch den kleineren Part der Heide, westlich der A63 führt der längere Heideweg durch das weitere Areal. Zwei Fußgängerbrücken überspannen die Schnellstraße und verbinden die beiden Wege miteinander zu einem etwa sieben Kilometer langen Rundkurs, der an seinem nördlichen Ausgang auch Mehlingens alten jüdischen Friedhof streift.

Wer mit Kindern unterwegs ist, findet entlang des Heideerlebnispfades einen kleinen Abenteuerspielplatz und ein paar interaktive oder informative Stationen. Wer der eigenartigen Idylle wegen hierher kommt, findet diese vor allem jenseits der Autobahn auf dem Heideweg. Und das nicht nur zur Hochblüte im August, sondern zu jeder Jahreszeit. Denn irgendwann ersetzt Vogelgezwitscher das Brausen des Verkehrs, Ruhe kehrt ein. In seltsam schöner Monotonie gibt die Heide den Blick frei bis zum Donnersberg. Wind fächelt die verblassenden Erikablüten. Baumkronen rauschen leise. Manchmal schwebt eine Libelle vorbei – mehr geschieht nicht in der Mehlinger Heide. Kai Scharffenberger

INFO
Ausgangspunkt:Wanderparkplatz am südwestlichen Ortsrand von Mehlingen, weitere Infos: www.enkenbach-alsenborn.de/tourismus
  

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