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Kuseler Musikantenland

Überall alte Steine

Besuch auf Burg Lichtenberg

Verwirrende Gänge: zu Füßen des Bergfrieds (rechts). Foto: hap

26.10.2020

In Zeiten der Pandemie empfiehlt es sich wahrscheinlich, zur Erholung Gegenden anzuzielen, in denen sich nicht allzu viele Menschen konzentrieren. Das Kuseler Land gehört dazu. Die markanteste Sehenswürdigkeit hier ist Burg Lichtenberg, bekannt für ihre außergewöhnliche Größe, die erst dadurch zustandegekommen ist, dass man zwei etwas voneinander entfernte Burgen – die eine auf dem Sporn eines Hügels, die andere auf dem Gipfel – mit einer gemeinsamen Umfassungsmauer umgeben hat. 

Es ist eine rechte Familienburg, schon allein deswegen, weil ein großer Parkplatz direkt vor dem Tor liegt, den zumeist lauffaulen Sprösslingen also jede diesbezügliche Anstrengung erspart bleibt. Aber auch,weil das Urweltmuseum Geoskop gerade jungen Menschen erstaunliche Einblicke bietet.

Zunächst wirkt das alte Gemäuer gänzlich intakt: Torhaus und umgebende Gebäude hat man seit 1900 wieder aufgebaut, teilweise unter Verwendung von viel alter Mauersubstanz. Als erstes stößt der Besucher auf Jugendherberge und Restauration, weiß also, dass er nicht wird hungern und dürsten müssen. Diese Einrichtungen haben nicht etwa das Burgzentrum störend in Besitz genommen, sie halten sich eher am Rande, indes der mächtige Bergfried der Oberburg, elf Meter im Quadrat messend, noch genug Platz hat, monumental zu wirken. 18 Meter sind noch original, das obere Drittel ist nach 1975 neu aufgemauert worden, wobei die modernen Baumeister ihre mittelalterlichen Kollegen zu übertreffen suchten, indem sie die Eckquaderung wesentlich regelmäßiger ausführten.

Interessant ist der auf dem gewachsenen Fels aufruhende Bergfried-Fuß: Das Gewicht der mächtigen Turmmauern weiter oben hat tiefe Risse in die Fundament-Sandsteine getrieben. Die Stabilität scheint davon nicht bedroht, man kann also auf neuen Treppen getrost hinaufsteigen – und soll es auch, denn nur von hier aus kann man einen Überblick über die Gesamtanlage gewinnen. Sie misst in Ost-West-Richtung immerhin 425 Meter und ist damit zweifellos die größte Burg der Pfalz und eine der größten in Deutschland. Der ovale Mauerzug zu Füßen des Bergfrieds markiert die Außengrenze der um 1200 entstandenen Oberburg. Das architektonisch Interessante liegt – nach dem von der weiter entfernten Unterburg kaum mehr etwas übrig ist – direkt unterhalb: unter anderem zwei Häuser, denen eigentlich nur die hölzernen Teile – Decken, Zwischenwände, Dächer – abhandengekommen sind. Es handelt sich um zwei spätmittelalterliche Wohnbauten, einige Jahrzehnte auseinander, aber von bemerkenswert ähnlicher Struktur. Man sieht genau, wo die steinernen Kellergewölbe ansetzten, wie der große Saal im Parterre mit einem großen Kamin geheizt wurde, wo die Decke zu den kleineren Schlaf- und Wohnräumen auflag. Der Ostpalas datiert aus dem frühen 14. Jahrhundert, der Westpalas ist mit seinen steinernen Fensterkreuzen mindestens eine Generation moderner. Ob zwei Parteien einen repräsentativen Palas besitzen wollten, ob der alte irgendwann als unmodern empfunden wurde – wer weiß?

Was uns nun doch zu einem kurzen Geschichtskurs führt: Anno 1214 verkündigt der Stauferkönig Friedrich II. zu Basel ein Urteil des königlichen Hofgerichts. Demnach hat Graf Gerlach von Veldenz, der Schutzvogt des Benediktinerklosters St. Remigius, auf klösterlichem Grund gewaltsam und unrechtmäßig eine Burg erbaut, sich über die Beschwerden von Abt und Mönchen hinwegsetzend. Das einstimmige Urteil: Die Burg ist abzureißen. Da wir sie aber vor uns sehen, wird der Abriss unterblieben sein – die normative Kraft des Faktischen und die Schwäche des Königs. Dieser Burgbau wird auf die Unterburg bezogen. 1444 sterben die Veldenzer Grafen aus, Burg Lichtenberg kommt – nach wie vor als kurpfälzisches Lehen – an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken. Die Burg ist nun fast bis zum Ende des alten Reiches 300 Jahre Verwaltungsmittelpunkt des Oberamts Lichtenberg, wird zum Amtsstädtchen – aus dieser Zeit datiert ein barockes Kirchlein – bis sie 1799, in französischer Zeit, ein Großbrand in Schutt und Asche legt. Roland Happersberger

INFO

Die Burg: Burgstraße 19, Thallichtenberg, frei zugänglich.
Info: www.burglichtenberg-pfalz.de
06381 8429
Essen: Burgrestaurant, 06381 2633
Unterkunft: Jugendherberge, 06381 2632.

Die Museen: Urweltmuseum Geoskop:
Apr bis Okt täglich 10-17 Uhr, Nov bis Mrz täglich 10-12 und 14-17 Uhr.
Tel. 06381 993450
www.urweltmuseum-geoskop.de.
Das Musikantenlandmuseum ist wegen Umbaus geschlossen.

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