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Putzen gegen Parodontitis

Entzündung des Zahnhalteapparates Hauptgrund für Zahnverlust

Gute Pflege: Wer gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch hat, hat gut lachen.
FOTO: XAVIER GALLEGOMOREL - STOCK.ADOBE.COM

20.02.2021

Vorab die gute Nachricht: Die Deutschen haben immer gesündere Zähne. Die Zahl der Patienten, die zum Beispiel an Karies leiden, ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Aber: Noch immer erkrankt jeder zweite Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer Parodontitis. Das hat die jüngste bundesweite Mundgesundheitsstudie ergeben.

Eine Parodontitis beginnt immer mit einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Am Zahnfleischsaum – dem Übergang von „rot nach weiß“ – bilden sich aus Nahrungsresten und Speichel bakterielle Beläge. Werden diese Beläge nicht gründlich weggeputzt, kann sich das Zahnfleisch bereits nach wenigen Tagen entzünden. Eine Gingivitis tritt häufig auf, meist klingt sie aber schnell wieder ab. Bleibt sie jedoch unbeachtet, besteht die Gefahr, dass sie sich zu einer Parodontitis weiterentwickelt, die den Zahnhalteapparat in Mitleidenschaft zieht.

Nährboden für Bakterien

Der Zahnhalteapparat umfasst das Gewebe und die Knochen, die den Zahn im Kiefer verankern. Bei einer Parodontitis bilden sich am Zahnfleischsaum tiefe Taschen. Darin finden Bakterien einen idealen Nährboden, um sich ungehindert zu vermehren und Entzündungen auszulösen. Wird eine Parodontitis nicht behandelt, zieht sich das Zahnfleisch immer weiter zurück bis die Zahnhälse freiliegen. Der Kieferknochen baut sich ab und der Zahn verliert den Halt – er droht auszufallen.

Das Tückische an einer chronischen Parodontitis: Die Krankheit schwelt oftmals lange Zeit unentdeckt vor sich hin. Sie verursacht zunächst keine Schmerzen. Betroffene fühlen sich auch nicht krank. „Sie bemerken erst dann, dass etwas nicht stimmt, wenn das Zahnfleisch stark angeschwollen ist und bereits bei leichter Berührung blutet. Haben sie den Eindruck, dass ihre Zähne länger geworden sind oder gar wackeln, ist die Entzündung schon sehr weit vorangeschritten und eine Behandlung dringend notwendig“, erklärt Marcus Koller, Zahnarzt und Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Ein weiteres Problem der Parodontitis: Anhaltende Entzündungen des Zahnhalteapparates können sich negativ auf den ganzen Körper auswirken. Für die Bakterien im Zahnfleisch ist es ein Leichtes, sich über das Blut ungehindert auszubreiten. Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass bei einer unbehandelten Parodontitis ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenentzündungen besteht.

Wechselwirkungen mit Diabetes

Belegt sind Wechselwirkungen mit Diabetes: Die Entzündungen im Mundraum verstärken die Insulinresistenz im Körper und verschlechtern so die Blutzuckerwerte von Diabetes-Patienten. Umgekehrt schädigen auf Dauer zu hohe Blutzuckerwerte die Blutgefäße im Zahnfleisch. Es wird dadurch schlechter durchblutet und ist anfälliger für Infektionen. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind deshalb besonders wichtig.

Je früher eine Parodontitis erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden und desto größer sind die Chancen, die Zähne zu erhalten. Zur Früherkennung einer Erkrankung nutzt der Zahnarzt den Parodontalen Screening Index (PSI). Mithilfe einer speziellen Sonde misst der Zahnarzt, ob sich bereits tiefe Zahnfleischtaschen gebildet haben. Zudem prüft er, ob das Zahnfleisch bei Berührung blutet oder an einzelnen Stellen zurückgewichen ist. Gesetzlich versicherte Patienten können ihren PSI alle zwei Jahre bei der Kontrolluntersuchungen auf Kosten ihrer Krankenkasse bestimmen lassen.

Marcus Koller verweist darauf, dass eine Behandlung nur dann erfolgreich ist, wenn der Patient aktiv mitarbeitet. „Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die regelmäßig vom Zahnarzt kontrolliert werden muss, umein Aufflammen der Entzündung frühzeitig zu erkennen.“ Unerlässlich sei auch eine gründliche Mundhygiene – mindestens zweimal tägliches Zähneputzen, einmal pro Tag sollten die kritischen Zahnzwischenräume mithilfe von Zahnseide und Zwischenraumbürsten gereinigt werden. Zudem empfiehlt er, parodontitisfördernde Gewohnheiten wie Rauchen einzustellen – auch wenn es schwer falle. „Weil Nikotin die Gefäße verengt, leiden Raucher weniger unter Zahnfleischbluten. Parodontitis wird daher schlechter erkannt, schreitet aber aufgrund der geringeren Durchblutung schneller fort“, erläutert er.

Wer einmal eine Parodontitis entwickelt hat, benötigt eine lebenslange zahnärztliche Betreuung. Gepaart mit Sorgfalt und Konsequenz bei der Zahnpflege lassen sich die Bakterien allerdings gut in Schach halten und ein Zahnverlust vermeiden. msw


Zur Sache: Diagnose & Behandlung

Gegen Parodontitis gibt es keine Impfung, aber mithilfe einer systematischen Behandlung kann die chronische Erkrankung des Zahnhalteapparates meist zum Stillstand gebracht werden. Eine neue Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) stärkt nun die strukturierte Diagnose, Behandlung und Nachsorge einer Parodontitis, um auch bei schwierigen Erkrankungsverläufen optimale Therapieerfolge zu erzielen. Der G-BA ist ein Gremium mit Vertretern von Ärzten und Zahnärzten, Kliniken und gesetzlichen Krankenkassen, das festlegt, welche Leistungen von den Krankenkassen übernommen werden. Gesetzlich Versicherte können künftig zwei Jahre lang nach Abschluss der aktiven Therapiephase eine engmaschige Nachsorge beim Zahnarzt in Anspruch nehmen, um den Behandlungserfolg zu sichern. Die neuen Leistungen werden voraussichtlich ab Juli dieses Jahres zur Verfügung stehen. msw
                      

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