Weniger als ein Prozent aller Ausbildungsverträge werden in Teilzeit abgeschlossen. „Die großen Chancen der dualen Ausbildung in Teilzeit werden leider noch zu oft nicht gesehen“, sagt Nadja Schäfer-Wagner, Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens. Das Leben verläuft nicht immer nach Plan. Man hat einen passenden Ausbildungsplatz gefunden, die Arbeit macht Spaß, die Kollegen sind nett, langsam fiebert man dem Abschluss entgegen. Und dann kündigt sich Nachwuchs an. Was tun? Als Leistungssportler möchte man sich nicht nur um die sportliche Karriere kümmern, sondern auch um die berufliche Zukunft. Ein Familienmitglied ist pflegebedürftig, trotzdem möchte man sich beruflich qualifizieren. „Die Gründe für eine Teilzeitausbildung sind so vielfältig wie das Leben selbst“, sagt Schäfer-Wagner. Dass diese Form der vollwertigen Berufsausbildung nicht häufiger genutzt wird und sogar weitgehend unbekannt ist, liegt daran, dass sie bis vor sechs Jahren noch stark reglementiert war. Nur wer ein berechtigtes Interesse nachweisen konnte, das nur in eng begrenzten Fällen wie Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen anerkannt wurde, hatte die Möglichkeit, eine Teilzeitausbildung zu absolvieren. Dies wurde vor sechs Jahren bewusst gelockert. „Heute ist es so, dass sich Betrieb und Azubi einig sein müssen und die Kammer der Teilzeitausbildung zustimmt“, erklärt Schäfer-Wagner und räumt mit einem Vorurteil auf: „Teilzeit bedeutet nicht zwangsläufig „halbtags“. Es bedeutet nur, dass Stunden reduziert werden. Es könne auch eine Reduzierung von fünf Stunden in der Woche sein – beispielsweise um Fahrzeiten auszugleichen, oder das Kind pünktlich vom Kindergarten abzuholen“, beschreibt sie denkbare Szenarien. Sie können in der Praxis dazu führen, dass ein Betrieb mit einem geeigneten Bewerber nicht zusammenkommt. „Hier sehe ich für die Unternehmen große Chancen: Die Teilzeit hilft ihnen, ihren Radius zu erweitern und so interessante Bewerber für sich zu gewinnen. Zudem setzt man so ein klares Zeichen für Familienfreundlichkeit, die für Bewerber eine große Rolle spielt“, sagt Schäfer-Wagner. Wichtig sei in jedem Falle die Kommunikation. Die Rahmenbedingungen der Teilzeitausbildung müssen im Vorfeld genau besprochen und festgelegt werden. Zu bedenken sei, dass sich durch die Stundenreduzierung die Ausbildungszeit verlängern kann. Zu klären sei, ob dies durch Verkürzungsmöglichkeiten – beispielsweise aufgrund des Schulabschlusses oder der Erfahrung – kompensiert werden kann. „Die Berufsschule muss allerdings regulär besucht werden, denn aufgrund der geringen Nachfrage gibt es hier keine entsprechenden Angebote“, so Schäfer-Wagner. Aber auch hier hilft die individuelle Absprache. Denkbar sei übrigens auch, einen Teil der Ausbildung in Vollzeit, und einen Teil in Teilzeit zu absolvieren. „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen geben das her. Wir empfehlen Interessierten, mit uns und den Beratern der Kammern zu sprechen, bevor sie sich mit dem Wunsch nach Stundenreduzierung an den Vorgesetzten wenden. Denn wer gut informiert Wege und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen kann, hat bessere Chancen, den Chef zu überzeugen“, sagt sie.
Aktuell signalisieren immer mehr Betriebe Bereitschaft für flexible Modelle: „In diesem Jahr haben wir die zur Ausbildungsbörse angemeldeten Ausbildungsbetriebe gefragt, ob sie die Ausbildung auch in Teilzeit anbieten. Für 20 Unternehmen kommt dies bereits in Frage. Mit mindestens genauso vielen gehen wir in diesen Wochen in den Austausch, da sie noch weitere Informationen benötigen“, sagt Schäfer-Wagner. „Interessierte Ausbildungsverantwortliche können sich bei Fragen zur Ausbildung in Teilzeit gerne mit dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit oder mir für eine Beratung in Verbindung setzen.“ mide
INFO
Teilzeit-Ausbildung
Weitere Informationen erteilt Nadja Schäfer-Wagner
Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
Telefon: 0631 3641-526
E-Mail: Kaiserslautern-Pirmasens.BCA@arbeitsagentur.de
Internet: www.arbeitsagentur.de.
red