China ist der weltweit größte Produzent von Kleidung – im Jahr 2023 erreichte der Export von Textilien aus dem Reich der Mitte einen Wert von rund 117 Milliarden Euro. An zweiter Stelle Indien mit knapp 16 Milliarden Euro und auf Platz drei folgt Deutschland mit circa 12 Milliarden Euro (Quelle: Statista 2026). Gigantisch ist nicht nur die Wirtschaftskraft der Bekleidungsindustrie, leider gehört diese Branche auch gleichzeitig zu den größten Umweltverschmutzern weltweit und zu den Branchen, in denen Arbeitsbedingungen häufig problematisch sind und Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. 12- bis 14-Stunden-Tage und eine 6-Tage-Woche sind eher Standard, denn Ausnahme – und das für einen Hungerlohn.
Angesichts dieser Tatsachen wenden sich immer mehr Menschen von „Fast Fashion“ ab und der sogenannten „Fair Fashion“ zu. Sie verzichten auf extrem günstige, kurzlebige Modetrends in hoher Frequenz, die oft auf Kosten von Umwelt und Arbeitsbedingungen geht (als Fast Fashion bekannt) und setzen auf ökologische Nachhaltigkeit, faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und langlebige Qualität bei der Mode, die jedoch meist teurer ist (Fair Fashion oder auch Slow Fashion genannt). Genauer gesagt steht Fair Fashion für Kleidung, die unter möglichst gerechten Arbeitsbedingungen und mit Rücksicht auf Umwelt und Ressourcen hergestellt wird. Organisationen wie Fairtrade setzen sich für faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen bei den Textilherstellern ein, während Standards wie der „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) ökologische Kriterien entlang der gesamten Produktionskette garantieren. Dabei geht es nicht nur um den Einsatz von Materialien wie Bio-Baumwolle oder recycelten Stoffen, sondern auch um Themen wie Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz und Tierwohl. Auch kurze Transportwege und eine möglichst regionale Produktion spielen eine zunehmende Rolle.
Aber Fair Fashion ist nicht synonym mit Perfektion. Es geht vielmehr darum, Schritt für Schritt bewusstere Entscheidungen zu treffen und ein neues Verhältnis zu Kleidung zu entwickeln. Jeder Kauf, jede Reparatur und jedes weitergegebene Kleidungsstück kann dazu beitragen, die Modebranche ein Stück nachhaltiger zu machen – und zeigt, dass auch kleine Veränderungen im Alltag eine große Wirkung haben können. Die Frage lautet also, wie kann nachhaltiger Kleidungskonsum zur Gewohnheit werden? Und zwar nicht nur bei neu gekaufter Kleidung, sondern eben auch für das eine oder andere in die Jahre gekommene Stück, das zu gut zum Aussortieren ist, aber mittlerweile etwas altbacken aussieht. Nachhaltige Mode beginnt also nicht erst im Laden, sondern im eigenen Verhalten.
Ein zentraler Grundsatz lautet: weniger kaufen, dafür bewusster. Wer sich vor jedem Kauf ehrlich die Frage stellt, ob ein Kleidungsstück wirklich benötigt wird, gut kombinierbar ist und langfristig getragen werden kann, vermeidet unnötigen Konsum. Qualität spielt dabei eine entscheidende Rolle – gut verarbeitete Kleidung mit stabilen Nähten und hochwertigen Stoffen hält länger und muss seltener ersetzt werden. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der Preis. Extrem günstige Kleidung ist häufig ein Hinweis darauf, dass an anderer Stelle gespart wurde – oft zulasten von Umwelt oder Arbeitsbedingungen. Faire Mode ist in der Anschaffung meist teurer, erweist sich jedoch durch ihre Langlebigkeit häufig als die bessere Investition.
Und wenn das Lieblingsteil erste Verschleißerscheinungen aufzeigt? Wer handwerklich begabt ist, kann selbst tätig werden, denn Reparaturen sind wieder „in“: Ein angenähter Knopf, ein geflicktes Loch oder ein ersetzter Reißverschluss können die Nutzungsdauer erheblich verlängern. Unterstützung finden viele Menschen inzwischen auch in sozialen Netzwerken. Auf Plattformen wie Instagram oder TikTok zeigen kurze Videos Schritt für Schritt, wie sich Kleidung reparieren lässt – etwa wie Löcher in Socken sauber gestopft werden. Die Anleitungen sind oft langsam und verständlich erklärt, sodass auch Anfängerinnen und Anfänger sie problemlos nachmachen können. Ein weiterer Trend: Upcycling bietet die Möglichkeit, aus alten Kleidungsstücken etwas völlig Neues zu erschaffen – etwa Taschen, Kissenbezüge oder individuelle Einzelstücke, wie Patchwork-Decken. Da werden alte Jeans zu Shorts umfunktioniert oder ganz zweckentfremdet: Beispielsweise zu einer strapazierfähigen Einkaufstasche umgearbeitet. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Falls man sich an dem Kleidungsstück sattgesehen hat, es nicht mehr passt oder gefällt: Ein neuer Besitzer findet sich meistens immer und man kann sogar etwas Geld damit verdienen. Man sollte sich nur auf Plattformen wie Vinted oder einer der vielen weiteren Online-Verkaufsplattformen für Kleidung umsehen: Secondhand-Mode ist eine besonders ressourcenschonende Alternative zum Neukauf. Auf Ebay, Shpock, Mädchenflohmarkt und Co. findet sprichwörtlich „jeder Topf seinen Deckel“ zum Anziehen. Wer Flohmärkte oder Secondhand-Shops vor Ort liebt, kann auch dort kaufen und verkaufen. Und wem das alles zu viel Aufwand ist, kann die aussortierten Stücke auch im Freundes- oder Bekanntenkreis weitergeben und sie im Kreislauf halten. Auch einige Modeketten haben sich darauf eingestellt und bieten mittlerweile Rücknahmesysteme an, bei denen die Kunden für die Abgabe von Altkleidern teilweise Gutscheine oder Rabatte erhalten. Es gibt also viele Möglichkeiten, online und offline Kleidungsstücke weiterzuverwenden und so ihre Lebensdauer deutlich zu verlängern.
Wenn Kleidung schließlich nicht mehr getragen wird, sollte sie nicht im Restmüll landen. Spenden an lokale Kleiderkammern (zum Beispiel von Caritas, DRK, Diakonie) oder in speziellen Altkleidercontainern sowie an Sozialkaufhäuser sind in letzter Zeit schwieriger geworden. Vermehrt wurden verschmutzte oder kaputte Kleidung und andere Sachen, die gar nicht in einen Altkleidercontainer gehören, hineingeworfen, so dass noch gute Kleidung unbrauchbar wurde. Eine gute Alternative: Spenden an die Deutsche Kleiderstiftung. Die vor 70 Jahren gegründete gemeinnützige Organisation sammelt, sortiert und verteilt gebrauchte und neue Kleidung, Schuhe, Haushaltswäsche und Accessoires wie Mützen und Schals, Gürtel, Handtaschen und Modeschmuck an Bedürftige im In- und Ausland. Generell gilt: Die Kleidung muss sauber und gut erhalten sein. Stark abgenutzte Kleidung sollte man weder an wohltätige Organisationen spenden noch einfach im Mülleimer entsorgen, sondern zuhause recyceln oder im Haushalt weiterverwenden, beispielsweise einem alten T-Shirt ein zweites Leben als Putzlappen schenken.
Schon die Wahl der Marke kann bei Kleidung einen Unterschied machen, denn einige Hersteller bieten nachhaltige und faire Mode. Unternehmen wie MELA (eine der konsequentesten Marken und sehr streng nachhaltig, der Schwerpunkt liegt auf zeitloser Alltagskleidung) oder Organic Basics (recycelte und umweltfreundliche Materialien, verbunden mit langlebigem Design) setzen verstärkt auf transparente Lieferketten, nachhaltige Materialien und faire Produktionsbedingungen. Weitere Marken, die sich dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben haben, sind Popeia, People Wear Organic oder GIVN Berlin, um nur einige zu nennen. Sie alle gehören zur „Fair Fashion“-Welt, produzieren Kleidung, dass Menschen, Umwelt und Tiere möglichst wenig Schaden nehmen – und idealerweise sogar profitieren. Dennoch gilt: Ein fehlendes Siegel bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt unter schlechten Bedingungen hergestellt wurde. Verbraucherinnen und Verbraucher sind gut beraten, genauer hinzusehen, sich über Marken zu informieren und ihr eigenes Konsumverhalten in Bezug auf Kleidung kritisch zu überdenken. wemi
Warum einige Öko-Produkte kein Gewinn für die Umwelt sind
100 Tonnen schwerer Fettklumpen in der Kanalisation von London gefunden - bestehend aus Feuchttüchern
Sind Müllbeutel kompostierbar oder Feuchttücher biologisch abbaubar, klingt das umweltschonend. Dennoch gibt es bei nachhaltigen Produkten wie diesen Missverständnisse mit Blick auf die Entsorgung. Wer auf Nachhaltigkeit setzt, greift zu umweltfreundlichen Produkten. Neben unverpackten Lebensmitteln landen so bei dem einen oder der anderen Produkte im Einkaufskorb, deren Komponenten wieder an die Natur zurückfallen sollen. Doch auch diese haben ihre Tücken.
Da wären etwa biologisch abbaubare Feuchttücher. Man möchte meinen, man könnte sie ohne Weiteres in der Toilette hinunterspülen, den Rest regle die Kanalisation. Doch diese Tücher gehören nicht ins Klo. Der Begriff „biologisch abbaubar“ bezeichnet zwar tatsächlich die völlige Zersetzung eines Stoffs durch Mikroorganismen, wie es etwa das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover erklärt.
Allerdings ist nicht definiert, wie lang dieser Prozess dauert. Und hier entsteht das Problem: Um sich zu zersetzen, bräuchten auch biologisch abbaubare Feuchttücher mehr Zeit, als sie von der Toilette bis zur ersten Pumpe hätten, erklärt Stefan Bröker von der Deutschen Vereinigung für Abwasser. „Deshalb helfen uns wasserlösliche Feuchttücher auch nicht weiter.“ Sein Rat: Solche Tücher keinesfalls im Klo entsorgen. Kanalisation ächzt unter Feuchttüchern. Was falsch in der Toilette entsorgte Produkte bewirken können, zeigt der Fall des 100 Tonnen schweren Fettklumpens, der an Weihnachten in der Londoner Kanalisation entdeckt wurde. Er bestand aus Fetten, Ölen – und eben auch Feuchttüchern. Die britische Hauptstadt kennt das Problem mit den Hygieneartikeln schon: Im vergangenen Sommer wurden etwa fünf Millionen von ihnen aus der Themse entfernt. Das teilte das Parlament im Oktober mit. Auch in deutschen Klos landen immer wieder Gegenstände, die dort nicht hingehören.
Gut gemeint ist nicht immer gut. Neben biologisch abbaubaren gibt es auch kompostierbare Produkte. Auch hier ist zunächst eine vollständige Zersetzung gemeint – allerdings unter definierten Bedingungen und innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Als kompostierbar beworben werden vor allem Müllbeutel für die Bio-Tonne. Genau wie bei den Feuchttüchern erwecken Anbieter den Eindruck, man könne ihr Produkt umweltfreundlicher entsorgen als herkömmliche Beutel. Der Begriff „kompostierbar“ führe jedoch in die Irre, heißt es dazu vom Bundesumweltministerium, „da nach dem biologischen Abbau praktisch kein Kompost übrigbleibt, welcher verwertet werden könnte“. Bei der Zersetzung dieser Kunststoffe entstehe kein Humus, sondern praktisch nur CO2 und Wasser, welche nicht weiter nutzbar sind.
„Außerdem liegt der Bioabfall in industriellen Kompostieranlagen in der Regel nur wenige Wochen und damit oft zu kurz für einen ausreichenden Abbau von biologisch abbaubaren Kunststoffen“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Daher werden alle Kunststoffe – zumal optisch nicht unterscheidbar – vor der Kompostierung aussortiert und verbrannt.
Dann wird sogar der am Plastik hängende Biomüll ebenfalls nicht weiterverwertet. In Baden-Württemberg sind der Verbraucherzentrale zufolge die am häufigsten von Abfallentsorgern aus dem Biomüll aussortierten Materialien herkömmliche Kunststoffe, direkt gefolgt von kompostierbaren oder biologisch abbaubaren Kunststoffen. Benutztes Katzenstreu etwa sollte nicht im Biomüll landen - auch nicht die als biologisch abbaubar oder kompostierbar beworbenen Varianten. Stattdessen muss es im Restmüll entsorgt werden, da Katzenkot Toxoplasmose oder andere Erreger enthalten kann, die sich im Bioabfall vermehren würden.
Der Begriff „biologisch abbaubar“ wird von einigen Hobby-Campern zudem damit gleichgesetzt, Seifen oder Shampoos auch in Seen und Flüssen zu verwenden. Das ist nicht unbedingt richtig. Dem Umweltbundesamt zufolge werden nur Einzelstoffe als abbaubar eingeordnet und nicht ganze Produkte. Deshalb bleibe in diesen Fällen unklar, ob alle enthaltenen Stoffe biologisch abbaubar seien und wie lange dieser Prozess gegebenenfalls dauere. Man rate daher dazu, auch die anscheinend umweltfreundlichen Produkte ausschließlich so zu verwenden, dass sie in die Kanalisation gelangen. Müll richtig zu trennen, ist in Deutschland Pflicht. Wer es nicht oder falsch macht, kann zur Kasse gebeten werden. Dennoch gibt es viele Produkte, die immer wieder in der falschen Tonne landen.
Pizzakartons zum Beispiel gehören ins Altpapier – aber ohne jegliche Essensreste oder fetttriefende Schichten. Dem Umweltbundesamt zufolge enthalten Gelbe Säcke und gelbe Tonnen bis zu 40 Prozent Abfälle, die dort nicht hineingehören. Eine falsche Mülltrennung könne dazu führen, dass eine Wiederverwertung nicht möglich sei, heißt es von den dualen Systemen in Deutschland wie dem Grünen Punkt. Das Ziel: einen geschlossenen Kreislauf zu erreichen, in dem keine Rohstoffe verloren gehen. dpa, ALINA SCHMIDT