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Domspitzen

Zwei starke Brüder: „Wir trainieren immer zusammen“

Die talentierten Nachwuchs-Gewichtheber Jaron und Mattis Kihm aus Speyer über die Passion für den Sport und den Traum von Olympia

Die Gewichtheber Mattis (links) und Jaron Kihm schweißt der gemeinsame Sport zusammen. FOTOS: STEFANIE BRUNNER (1) AV 03 SPEYER (2)

7.05.2021

Schreinerei Meier

Wenn sich die Brüder Kihm vor ihrer Langhantel in Position bringen, verändert sich ihre ganze Körperhaltung: Die Füße in den speziellen Schuhen mit fester Sohle und leicht erhöhter Ferse stehen gerade auf dem Boden. Die Augen sind konzentriert nach vorne gerichtet. Die Hände, mit Magnesiumcarbonat eingeriebenen, greifen nach der Langhantel. Die Gewichtheber atmen tief ein, bevor sie die Stange in einer Bewegung nach oben reißen und das Gewicht mit einem Ausfallschritt oder tief in die Hocke gebeugt abfangen. Aufgerichtet verharren sie ruhig mit dem Gewicht hoch über dem Kopf – dieser Moment ist wichtig, damit der Versuch gültig ist. Dann ist es geschafft, und die Jungs können die Hanteln vor sich auf den Boden ablegen.

Eine leichte Übung, schließlich waren es diesmal nur 45 Kilogramm, die der 13-jährige Jaron gerissen hat. Die Bestleistung des Siebtklässlers liegt in dieser Disziplin bei 61 Kilogramm – mehr, als Jaron selbst wiegt. Im Stoßen, bei dem die Hantel – in zwei Bewegungen – erst auf Schultern und Schlüsselbein abgelegt wird, bevor der Gewichtheber es über den Kopf ausstößt, schafft er 75 Kilogramm.

Die Trainer der Brüder sind Weltmeister und Olympioniken.

Sein zehnjähriger Bruder Mattis reißt in Bestleistung stolze 27 und stößt 35 Kilogramm. Sport mit dem kleinen Bruder? „Das ist eigentlich ganz normal“, betont Jaron. Seit vier beziehungsweise drei Jahren trainieren die beiden ein- bis zweimal pro Woche beim AV 03 Speyer. Zusätzlich absolvieren sie drei Einheiten im Bundesleistungszentrum in Leimen, wo auch die Nationalmannschaft trainiert – Mattis ist im Landeskader Rheinland-Pfalz und Jaron im Nationalkader II des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG). Unter Bundesleistungstrainer Almir Velagic, der seine aktive Karriere als Profi-Gewichtheber erst im vergangenen Jahr beendet hat, üben die Leistungssportler im bis zu zweistündigen Training zunächst die Technik. „Die muss man auf jeden Fall gut können“, sagt Mattis. Mit der richtigen Technik ist die Verletzungsgefahr beim Gewichtheben entgegen aller Klischees gering. Bei der schwerathletischen Sportart kommt es sowohl auf Schnelligkeit und Kraft an als auch auf Koordination und Beweglichkeit an. Deshalb gehören Kniebeugen, Zirkeltraining und Liegestütze beim Training dazu. „Es muss Spaß machen, damit man sich immer wieder motivieren kann“, betont Jaron. Gewichtheber trainieren aber nicht permanent am Gewichtslimit. Von Versuch zu Versuch steigern sie die Kilos. „Bestleistung schafft man meistens am Ende der Woche und auch nur alle drei bis vier Wochen. Darauf trainiert man hin“, erklärt der 13-Jährige. Ehrgeizig und fokussiert verfolgt Jaron seine Ziele. Mit den Vereinskollegen macht das besonders Spaß: „Wenn der eine ein bestimmtes Gewicht schafft, will man es natürlich auch schaffen.“ Beobachtet man die Brüder beim Training, fällt auf, dass sie sich immer im Blick behalten. Sie schauen voneinander ab, korrigieren sich gegenseitig und plaudern auch mal in den kurzen Erholungspausen zwischen den Versuchen. „Wir trainieren immer zusammen“, sagt der Viertklässler Mattis.

Sein älterer Bruder wurde bei einem Gewichtheber-Wettkampf auf den Sport sam. Der Trainer lud ihn zum Probetraining ein, dort gefielen ihm die Atmosphäre in der Halle und die netten Trainer. „Es hat Spaß gemacht und ich bin dann dabei geblieben“, sagt Jaron. AV-Trainer Zoltan Balazsfi war zweimaliger Weltmeister in den 80er-Jahren und mehrfacher ungarischer Meister im Gewichtheben. 1988 auf den Olympischen Spielen in Seoul belegte er Platz neun. „Der ist schon ein Vorbild“, findet Jaron. Es sei beeindruckend, den Sportlern der ersten Mannschaft des AVs zuzuschauen – derzeit heben Simon Brandhuber, Patricia Rieger und Lisa-Marie Schweizer auch in der Nationalmannschaft. „Diese Lasten, die die heben, kann man sich gar nicht richtig vorstellen.“ Der AV 03 Speyer ist einer der erfolgreichsten Vereine im Gewichtheben bundesweit: Von 2015 bis 2018 gewann die erste Mannschaft in der Ersten Bundesliga und wurde Deutscher Mannschaftsmeister. Mit seiner Begeisterung für den Sport steckt Jaron seinen kleinen Bruder an. Konkurrenz gibt es zwischen den Geschwistern nicht. „Vielleicht, wenn wir irgendwann mal beide bei einer Weltmeisterschaft sind und beide gleich vielwiegen“, denkt Mattis laut nach. Jaron hält das für unwahrscheinlich – die Brüder haben noch einen unterschiedlichen Körperbau. Bei den Wettkämpfen werden die Sportler je nach Gewicht in unterschiedliche Klassen aufgeteilt.

Zuletzt haben die Brüder Kihm beim Online-Wettkampf „Spring Cup“ teilgenommen. Dafür warteten sie auf den richtigen Moment im Training: „Als wir dann dachten, es geht Richtung Bestleistung, haben wir den Versuch aufgenommen und sind danach direkt auf die Waage“, erklärt Jaron. Ein Foto vom aktuellen Gewicht und das Video wurden dann bewertet. Für Jaron reichte es für Platz vier. Mattis war eigentlich noch zu jung für die Wertung, hat aber trotzdem mitgemacht – und im Vergleich mit anderen jungen Teilnehmern aus Baden-Württemberg Platz zwei belegt. Dass die Speyerer im Wettkampf mithalten können, haben sie bereits bewiesen: Beide sind 2019 Rheinland- Pfalz-Meister geworden, Jaron hat im selben Jahr noch den Schülerpokal bei den Deutschen Meisterschaften gewonnen. „Das ist einfach cool, wenn man dann Rheinland- Pfalz-Meister ist“, sagt Mattis. Wenn man sowas erreicht hat, so Jaron, motiviere das nochmal zusätzlich.

Und was ist das Ziel der Brüder? „Man will so viel wie möglich heben“, sagt Jaron, und natürlich weitere Titel gewinnen. Und irgendwann, so träumt der Siebtklässler, mal bei Olympia teilnehmen. Das fände Mattis auch gut, genauso wie die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Im kommenden Jahr ist der Zehnjährige endlich alt genug, um bei den Süddeutschen Meisterschaften anzutreten.

Ein paar Sprüche hat Jaron sich schon von Freunden anhören müssen, weil er trainierte Muskeln hat. „Das ist schon öfters passiert, aber meine Freunde haben nichts gegen das Gewichtheben.“ Bei Mattis ist auch eher Fußball Thema auf dem Schulhof – im Fußballverein kickt er nämlich auch.

„Gewichtheben ist eben mein Hobby, da finde ich den Ausgleich zur Schule“, sagt Jaron. Die Lieblingsfächer der Brüder sind Mathe und Sport, Jaron gefällt auch Latein. Ein weniger spannendes Fach? „Musik“, sagen die Zwei gleichzeitig wie aus der Pistole geschossen – man ist sich einig. Nach der Schule treffen sie sich normalerweise mit Freunden, gehen schwimmen oder spielen auf der Playstation. Was sie mal werden wollen? Profi-Gewichtheber fände Jaron schon toll. Und sein kleiner Bruder Mattis? Der ist sich schon sicher: „Ich will entweder Fußballstar oder Gewichtheber werden.“ nne

INFO

Schnuppertraining im Gewichtheben bietet der AV 03 für Kinder ab sieben Jahren an, sobald Corona es erlaubt. Mehr Infos im Netz unter www.av03speyer.de/nachwuchs-gewichtheben; Kontakt per E-Mail: gewichtheben@av03speyer.de, Telefon: 0177 3153852

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