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Mittwoch, 10.04.2019 Drucken

Dudenhofen und Römerberg - Ostern

Wunderhübsch und sehr lebendig

Zurückgekehrt: Seltene Tierarten fühlen sich in Dünenlandschaft heimisch – Ameisenjungfer und Urkrebse

Tage und Nächte hat der Naturschutzbeauftragte Erich Bettag in den Sanddünen verbracht, die sich über die Gemarkung seiner Heimatgemeinde Dudenhofen hinaus bis nach Speyer ziehen. Flora und Fauna hat er seine Aufmerksamkeit gewidmet und dafür gesorgt, dass diese eine Wiederbelebung erfahren.

Rückzugsraum für seltene Tierarten: die Dünenlandschaft. FOTO: KÜHNER
Rückzugsraum für seltene Tierarten: die Dünenlandschaft. FOTO: KÜHNER

Das Projekt „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“ ist im Oktober 2013 vom Naturschutzbund (NABU) und dessen Naturschutzzentrum Rheinauen angestoßen worden. Der Dünenpfad von Dudenhofen wurde als Maßnahme mit der Nummer 23 im Jahr 2016 als ein Baustein einbezogen. Seither hat sich etliches getan in dem Gebiet, das seinen Ursprung in der Eiszeit hat. Für die Besucher vor allem interessant: die Informationstafeln, die der NABU an den einzelnen Dünenabschnitten aufgestellt hat. Auf diesen sind die seltenen Tier- und Pflanzenarten dargestellt, die dank der freigelegten Dünen wieder heimisch geworden sind.

Bettag kennt sie alle. Der 83-Jährige weiß, was kreucht und fleucht,weiß um jeden Pfad und um die Notwendigkeit, das in Rheinland-Pfalz einzigartige Areal zu schützen. Seit 1949 betreut er dieses und bewegt sich darin so sicher wie in seiner Westentasche. Erfolgsmeldungen gibt es einige, seit die Dünen wieder von Bewuchs befreit und zur Entwicklung einer biologischen Vielfalt freigegeben worden sind.

Die nachtaktive Ameisenjungfer nennt Bettag an vorderer Stelle für die Insektenarten, die es sich wieder gemütlich in Dudenhofen gemacht haben. „Das ist die einzige Stelle in der ganzen Pfalz, wo sie zu finden ist“, sagt der Experte. Die vorletzte Düne, die er hat freischneiden lassen, beherberge mittlerweile eine stattliche Anzahl Wildbienen. „Die brüten im Boden“, erklärt Bettag.

Auf ehemaligem Militärgelände hat er eine weitere Entdeckung gemacht: „Hier habe ich eine Wespenart gefunden ohne Flügel, die aussieht wie eine Ameise.“ Zum Verhängnis wird diese dem Sandlaufkäfer bisweilen, denn der jagt seine Beute aus seinem kleinen Erdloch heraus. „Die Wespe lässt sich umklammern, mit in die Höhle ziehen und fährt den Stachel im Hals des Käfers aus“, schildert Bettag eine natürliche Szene. Der Angreifer gehe zugrunde, das vermeintliche Opfer hingegen habe so mit Leichtigkeit eine Brutstätte für die eigenen Eier gefunden, ohne selbst graben zu müssen.


eFITiv Speyer

Auf Geheiß Bettags seien auch die Vertiefungen hinter der mit acht Meter über Normalnull höchsten Düne im Dudenhofener Wald entstanden, in denen sich Wasser ansammelt. „Dort haben sich Urkrebse neu angesiedelt und leben dort“, freut sich der Naturfreund über die positive Entwicklung. Beim Spaziergang durch die gut eine Million Jahre alte Dünenlandschaft deutet er außerdem auf grünlich schimmernde Büschel, die sich locker verteilt an vielen Stellen aus dem Sand strecken. „Das ist Silbergras“, führt Bettag aus: „An dessen Wurzeln lebt eine ganz seltene Käferart.“ Brachkäfer hießen die zu Deutsch.

Die Tierwelt ist zur Freude des Naturkundlers wieder facettenreich geworden in den Dünen. Die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Kreuzkröte, der Ziegenmelker – alle haben hier Heimat gefunden dank der Initiative des NABU in Kooperation mit der Gemeinde Dudenhofen, der Stadt Speyer und des Forstamts Pfälzer Rheinauen.

„Wir wohnen in einer Ecke der Pfalz, die ist wunderhübsch und sehr lebendig“, betont Bettag. Regelmäßig führt er dies Interessierten vor Augen, bei Führungen durch die eindrucksvolle Welt der Dünen. xsm


Lehrreicher Rundweg

Dünenpfad Dudenhofen

Der Dünenpfad Dudenhofen ist ein einmaliges Biotop aus prähistorischer Zeit und Teil des Naturschutzgebietes „Sanddünen bei Speyer“, das insgesamt eine Fläche von 250 Quadratmetern umfasst. Der Weg als solches ist rund drei Kilometer lang und führt als Rundgang an den sandigen Lebensräumen für seltene Tier- und Pflanzenarten vorbei. Diese sind auf Informationstafeln näher beschrieben. Zugänglich ist der Dünenpfad an zwei Stellen: am Hundeplatz der Ortsgruppe Speyer/Dudenhofen des Vereins für Deutsche Schäferhunde (Schillerstraße) und am Wanderparkplatz an der Kreisstraße 15 zwischen Dudenhofen und Schifferstadt. Eingeweiht wurde der Dünenpfad am 23. April 2016. xsm

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