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Domspitzen

Gefährliche Menagerie

Speyerer Geschichten: Wie eine Tierschau auf dem Königsplatz 1873 in einer Tragödie endete

Darstellung der Darbietung einer Menagerie aus den 1830er Jahren (Ausschnitt). REPRO: LUDWIG HANS

6.05.2022

Im Mai des Jahres 1873 machte eine „Wander-Menagerie“, die wilde Tiere zur Schau stellte, auf dem Speyerer Königsplatz Station – nicht ohne Folgen für einen jungen Besucher der Tierschau, der durch einen Leoparden verletzt wurde.

„Wandermenagerien“ waren Sammlungen lebender exotischer Tiere auf Tournee. Sie wurden seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa zu einem festen Bestandteil der Unterhaltungskultur. Die Menagerien wurden von Schaustellern betrieben, die mit den Tieren von Ort zu Ort zogen, um sie in „Tierbuden“ einem Publikum gegen Entgelt zu präsentieren. Im Gegensatz zum Zirkus lag die Sensation dieser Tierschauen nicht in der Dressur gezähmter Tiere, sondern im Zurschaustellen ihrer fremdartigen Besonderheiten. Dabei kam es allerdings auch immer wieder dazu, dass die Schausteller selbst im Umgang mit den Raubtieren verletzt wurden, und auch mancher Besucher trug aufgrund von Neugier und Unvorsichtigkeit Blessuren davon.

So war es auch im Mai des Jahres 1873, als sich eine Menagerie mit wilden Tieren auf dem Königsplatz in Speyer niederließ. Die Schausteller hatten wenige Tage zuvor erst Landau verlassen, wo sie während des Maimarktes ihre Raubtiere gezeigt hatten. Durch Presseberichte war bekannt geworden, dass während des Maimarktes eine Löwin den Betreiber der Menagerie, Michael Maußhardt, angefallen hatte.

Auch in Speyer sollte der Aufenthalt der Schausteller und ihrer Tiere nicht ohne einen Zwischenfall bleiben, da sich ein unvorsichtiger Besucher der Ausstellung trotz Warnung zu dicht an die Käfige drängte und dabei von einem Leoparden an der Hand schwer verletzt wurde. Der „Speyerer Anzeiger“ berichtete darüber: „Gestern Nachmittag (am 23. Mai) zerfleischte ein Leopard der auf dem Königsplatz zur Zeit sich befindenden Menagerie die Hand des Sohnes des Kamm-Machers H. Wie uns versichert wird, hat lediglich die Unvorsichtigkeit des Knaben das Unglück verschuldet, welcher sich ungeachtet wiederholter Warnungen der Wärter an die Käfige drängte und die Thiere neckte. Möge dieser Vorfall zur Warnung dienen, daß Kinder ohne Beaufsichtigung Erwachsener die Thierbude nicht besuchen“. lh

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