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Bei Viruserkrankungen wie einfachen Erkältungen sinn- und nutzlos

Antibiotikaresistenzen nehmen zu – Gegenmaßnahmen und Leitlinie für die stationäre Kinder- und Jugendmedizin

Nicht immer notwendig: Antibiotika. FOTO: NEIRFY/STOCK.ADOBE.COM

19.10.2021

Die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen und fehlende neue Antibiotika machen es erforderlich, bei der Verordnung dieser Medikamente zurückhaltend zu sein. Inzwischen hat sich viel getan. Doch Verbesserungsbedarf gibt es offenbar nach wie vor.

Die Bertelsmann-Stiftung wurde 2015 in ihrem „Faktencheck Gesundheit“ über Antibiotika-Verordnungen bei Kindern deutlich: „Typische unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Antibiotika, zum Teil fehlende Studiendaten bei Kindern und Jugendlichen sowie die Resistenzproblematik sprechen gegen einen unkritischen Einsatz von Antibiotika bei dieser Altersgruppe“, heißt es dort. Schon weit länger warnen Forscher vor dem ungezügelten Einsatz der Wunderwaffe, die dadurch drohe, stumpf zu werden. Nichtsdestotrotz wurden der Bertelsmann-Studie zufolge 2015 in Deutschland Kinder sogar weit öfter mit Antibiotika behandelt als Erwachsene.

Im ambulanten Bereich, in dem der Großteil der Antibiotika verordnet wird, ist die Verschreibung vor allem bei Kindern zwischen 2010 und 2018 tatsächlich um 41 Prozent zurückgegangen. Inzwischen habe ein Umdenken eingesetzt, stellte Experte Johannes Hübner im Juni bei einem virtuellen Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin fest. Der Leiter der Pädiatrischen Infektiologie an der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München führt dies auf erfolgreiche Steuerungsmaßnahmen der Antibiotic Stewardship (ABS) der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zurück.

Unter anderem gibt es im Zuge dessen mittlerweile eine Leitlinie für die stationäre Kinder- und Jugendmedizin. Auch werden von der DGPI Weiterbildungen zum Thema nach Vorgaben der Bundesärztekammer angeboten, an denen bisher laut Hübner rund 500 Kinderärzte teilgenommen haben.

Allerdings zeigen sich laut Hübner noch starke regionale Unterschiede, die sich nicht durch die Population oder Erkrankungshäufigkeiten erklären lassen. Auf diese wolle man noch gezielt reagieren. Hinzu kommen nach wie vor vermeidbare Behandlungsfehler. „In der Pädiatrie werden Antibiotika am häufigsten bei banalen Atemwegsinfekten verordnet; diese sind in den allermeisten Fällen durch Viren verursacht, weshalb Antibiotikaverordnungen hier sinnlos sind.“

Hübner führt Behandlungsfehler vor allem auf diagnostische Unsicherheiten zurück: „Ärzte und Eltern müssen lernen, ihre Erwartungen in Bezug auf das Verschreiben eines Antibiotikums beziehungsweise der Wahrnehmung dieser Erwartung bei den Eltern offen zu kommunizieren.“Moderne Testmöglichkeiten etwa könnten die Diagnose schärfen und Ärzte dabei unterstützen, Eltern zu erklären, warum im speziellen Fall kein Antibiotikum notwendig sei. Hübner rät Ärzten überdies, ein Rezept mit der Maßgabe mit zugeben, es erst nach ein bis zwei Tagen bei Verschlechterung oder ausbleibender Besserung einzulösen. msw