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RHEINPFALZ Themenwelten
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Dienstag, 09.04.2019 Drucken

LEO Saison Frühjahr 2019

Räuberisches Eichhörnchen

Museumsschau: Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim (1)

Räuberisches Eichhörnchen

Hübsch: Fossilien im Fußboden des Eingangsgebäudes.

Die Sonderausstellung „Alles Scheiße“ (es geht um Kot in der Natur) ist schon modern: Wer nicht mehr so gut sieht, dass er die Texte an der Wand und in den Vitrinen lesen kann, oder wer so groß gewachsen ist, dass sie ihm unbequem niedrig hängen, der lässt sich an der Kasse ein Tablet geben, legt es an jeder Station kurz in einen Rahmen – und schon hat er die jeweiligen Texte in großen Buchstaben direkt vor Augen, und einige Detailabbildungen noch dazu.

Impressiv: Eichhörnchhen als Eierräuber. Fotos (3): Happersberger
Impressiv: Eichhörnchhen als Eierräuber. Fotos (3): Happersberger

Auf diese Neuerung ist Dr. Frank Wieland, der Direktor des Pfalzmuseums für Naturkunde in Bad Dürkheim-Grethen, mächtig stolz. Sein Haus wird seit über einem Jahrzehnt einem Erweiterungs- und Erneuerungsprozess unterzogen, dessen vorletzter Bauabschnitt sich im laufenden Jahr nach mancherlei Verzögerung der Vollendung nähert. Und ganz am Ende, so hofft Wieland, könnte stehen, dass diese Textvergrößerung per Tablet im ganzen Museum funktioniert. Es sei, wie so häufig, eine Frage des Geldes.

Das Pfalzmuseum heißt, gleichsam mit zweitem Namen, auch Pollichia-Museum. Man sucht vergeblich im lateinischen oder griechischen Wortschatz, diese Bezeichnung zu enträtseln. Sie geht auf Johann Adam Pollich zurück, vor langer Zeit Arzt in Kaiserslautern. 1776 gab er eine dreibändige Beschreibung der Pflanzenwelt in der damaligen Kurpfalz heraus. Das fand über 60 Jahre später der Deidesheimer Hospitalarzt Dr. Carl Heinrich Schultz so verdienstvoll, dass er, als er am 6. Oktober 1840 zusammen mit 26 naturkundlich gebildeten Honoratioren der nunmehr bayerischen Pfalz einen naturkundlichen Verein gründete, diesen nach Pollich Pollichia benannte. Das Ziel des Vereins: die Erforschung der Tiere, Pflanzen und Gesteine in der Pfalz – und die Anlegung einer Sammlung in Bad Dürkheim. Die kam bald zustande, füllte immer mehr Räume im Stadthaus (heute Kurhaus), zog 1928 in die Eichstraße um und hat seit 1981 ihr Domizil in der aufwendig erneuerten Herzogmühle. 2008 erhielt das Pfalzmuseum seinen lichten modernen Erweiterungsbau, seitdem wird die in die Jahre gekommene Ausstellung Schritt um Schritt neu gestaltet. Das Konzept sieht Räume vor, die das Verhältnis von Mensch und Natur thematisieren, im Wechsel mit solchen, die typische Landschaftsformen der Pfalz darstellen

Mit Tablet in der Sonderausstellung: Museumschef Wieland.
Mit Tablet in der Sonderausstellung: Museumschef Wieland.

Im Parterre ist das schon zu sehen. Stimmungsvoll, mit Halbdunkel und eingespielten Geräuschen, empfängt den Besucher der Raum „Emotionen“. Ein herrlicher präparierter Wolf – er kam bis ins 19. Jahrhundert im Pfälzerwald vor – beherrscht die Hälfte des Raums. In diesen Tagen ist die – oftmals unbegründete – Angst vor diesem Tier in den Medien vielfach Thema.

Hübsch und prägnant ist die Tierpräparat-Installation „Beute, Jäger, Streicheltier“: Das Eichhörnchen sitzt erst verspielt auf einem Sandkasteneck, raubt dann ein Rotkehlchennest aus und wird schließlich von einem Marder gefressen. Auch bei der Gegenüberstellung einer Parklandschaft und einer urwüchsigen Wiese – die hier lebenden Tiere erscheinen, sobald man einen Knopf drückt, durch Beleuchtungswechsel schemenhaft hinter einem Schleier – geht es darum, die Unterschiede zwischen landläufigen Vorstellungen von Natur und wissenschaftlicher Betrachtungsweise aufzuzeigen.

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