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Neustadter Frühjahr

Leben in idyllischer Lage

„Camphill Lebensgemeinschaft“ seit 30 Jahren in der Königsmühle – Spenden für Baumaßnahmen erhofft

Im Wald gelegen: das Domizil der Lebensgemeinschaft im Neustadter Schöntal. FOTO: CAMPHILL/FREI

28.03.2021

Seit 30 Jahren ist die „Camphill Lebensgemeinschaft“ in der Neustadter Königsmühle zu Hause. Gemäß der „Camphill“-Philosophie leben hier Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen, pflegen das Gemeinschaftsgefühl im Alltag wie in der Freizeit. Dabei bildet man keine einsame Insel, sondern ist immer bestrebt, Kontakte mit Bürgern und Einrichtungen zu pflegen, auch um die Integration und Akzeptanz zu fördern.

Das Zusammenleben bedeutet für die „Camphill Lebensgemeinschaft“ im Alltag: hier wohnen, arbeiten und Freizeit gestalten. „24 erwachsene Bewohner mit Beeinträchtigung leben hier, verteilt auf drei Häuser“, berichtet Veysel Bozkurt, Heimleiter und Geschäftsführer. „Das Gefühl der Zusammengehörigkeit in den Gruppen ist sehr stark, denn die Menschen können hier ein Leben lang wohnen, wenn sie es möchten.“

Drei Wohnhäuser gibt es, genannt Mühlenhaus, Berghaus und Waldhaus. Das Recht zur Selbstbestimmung und Teilhabe ist eine der Prämissen der Gemeinschaft. „Jedes Gebäude ist im Grunde wie ein Familienwohnhaus in etwas größerer Dimension. Die Bewohner haben ihr eigenes Zimmer, Wohnzimmer und Küche werden gemeinsam genutzt“, so Yeter Holzhäuer, stellvertretende Einrichtungsleiterin.

Unter der Woche gilt ein regulärer Arbeitsablauf wie in der freien Wirtschaft. „Das ist sehr wichtig, denn durch die Arbeitszeiten erhalten die Tage eine klare Struktur. Die Regelmäßigkeit gibt Sicherheit, was unsere Bewohner zu schätzen wissen“, so Holzhäuer. Fünf hauseigene Werkstätten bieten die Möglichkeit, zu lernen, sich weiterzuentwickeln und sich zu verwirklichen. In der Holzwerkstatt werden aus heimischen Hölzern Gebrauchsgegenstände wie Schneidebretter und Tabletts ebenso angefertigt wie Vogelhäuser, Holzspielzeug und kleine Möbel. Gefilzte Wollwaren, Schals, Taschen und Dekorationen entstehen in der Kreativwerkstatt. Die Gartengruppe pflegt die Anlagen, pflanzt und erntet. Nicht verzichten kann man auf die Wäscherei, zuständig für die Reinigung aller Textilien der Bewohner und des Haushaltes.

Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Küche. „In unserer Zentralküche wird wochentags das Mittagessen für die ganze Einrichtung zubereitet“, erklären die Heimleiter. Für Frühstück und Abendessen ist jedes Haus alleine zuständig, auch die Mahlzeiten am Wochenende werden in den jeweiligen Esszimmern eingenommen. Samstags und sonntags gibt es abwechslungsreiche Freizeitangebote, für Ausflüge stehen zwei Kleinbusse und ein Auto zur Verfügung. Und natürlich lädt auch die idyllische Waldrandlage zu erholsamen Touren ein.

Begleitet wird jede Tätigkeit von Betreuern. „Es sind stets so viele Mitarbeiter, wie die Bedürfnisse der Bewohner es erfordern“, sagt Bozkurt. Interessant dabei ist, dass einige der Betreuer selbst in den Häusern leben, was sich aus der Geschichte und „Camphill“-Philosophie erklärt. Ursprünglich erhielten die Betreuer kein Geld, denn sie waren Teil der Lebensgemeinschaft. Nach und nach fand allerdings ein Individualisierungsprozess statt. „Dazu kamen mit den Jahren gesetzliche Auflagen wie Arbeitsschutzgesetz, Arbeitsverordnung und der Gehaltsanspruch“, erläutert Holzhäuer. „Heute steht es den Mitarbeitern frei, auf Wunsch können sie natürlich in der Anlage wohnen“, erklärt Holzhäuer, die mit ihrem Mann hier Domizil bezogen hat, dennoch aber Arbeit und Privatleben zu trennen vermag. Ungeachtet der Tatsache, welche Lebensform man gewählt habe, sei es allen wichtig, das Gemeinschaftsgefühl zu erhalten.

Die Welt „drinnen und draußen“ verbindet auch der kulturelle Austausch. So lädt die Königsmühle regelmäßig zu Konzerten, Theateraufführungen oder Vorträgen ein. Ebenso nehmen die Bewohner gerne an Veranstaltungen in der Stadt teil. Austausch pflegt man mit der Interessensgemeinschaft Schöntal und würde gerne auch bei der Wiederbelebung des Naturparks mithelfen.

Die „Camphill Lebensgemeinschaft“ wünscht sich, dass die Corona-bedingten Einschränkungen bald ein Ende finden, damit man das 30-jährige Bestehen der Einrichtung im kleinen Rahmen feiern kann. „Wanderer kehren normalerweise am Mittwochnachmittag gerne in unser Café ein. Wir bewirten sie mit Kaffee und Kuchen aus unserer Küche. Vielleicht ist das im Sommer und im Freien wieder möglich“, hofft Holzhäuer. Nach wie vor läuft aber der Ladenverkauf (9 bis 17 Uhr), in der Verkaufshütte werden Produkte aus den hauseigenen Werkstätten sowie Postkarten aus Kulturprojekten angeboten werden.

Doch nicht nur die derzeitigen Einschränkungen machen Sorgen. Ein größeres Problem sind anstehende Um- und Ausbaumaßnahmen, um als „Einrichtung der Eingliederungshilfe“ dem aktuellen Bundesteilhabegesetz (BTHG) gerecht zu werden. „Zu den Vorgaben zählen Barrierefreiheit, jedes Zimmer muss eine Mindestgröße und bestenfalls eine Nasszelle haben. Auch für Zugänge und Türen gibt es genaue Vorschriften“, zählt Bozkurt auf. Umbaumaßnahmen beträfen das Berghaus, hier müsse das Gebäude entkernt und neugebaut werden. Da am Mühlenhaus, das unter Denkmalschutz stehe, keine Veränderungen erlaubt seien, sei man zu einem Neubau gezwungen. „Wir haben ein Konzept erstellt, das genehmigt wurde, aber bei der Finanzierung sind wir auf Unterstützung angewiesen und um jede Spende dankbar“, betont er. anzi

INFO

„Camphill Lebensgemeinschaft“
Königsmühle, Schöntalstraße 9-11, Neustadt
Telefon: 06321 7289
E-Mail: info@camphill-rheinlandpfalz.de
Internet: www.camphill-rheinland-pfalz.de
Spendenkonto: GLS Bochum
IBAN: DE 24 430 609 67 6004 2579 00


Zur Sache: Die Königsmühle

Die Geschichte des Königsmühle-Gebäudes reicht bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Aus dem Jahr 1719 ist ein Antrag auf ein Brunnenhäuschen bekannt, worauf 1721 die Grundsteinlegung erfolgte. Bald folgte die Erweiterung zu einer Sägemühle, die mit Wasserkraft des Baches betrieben wurde, der sich an der Königsmühle entlang schlängelt.

Nachdem die Gebäude während der napoleonischen Kriege bis auf die Grundmauern niedergebrannt waren, errichtete man die Königsmühle 1860 neu. Sie wurde zu einer Naturheilanstalt. 1888 wurde mit dem Turm die noch heute erkennbare Gestaltung des Hauptgebäudes abgeschlossen. Ein Gastronomiebetrieb hielt Einzug.

Trotz Unterbrechungen durch Familienbesitz und Kriegswirren blieb die Königsmühle bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts ein beliebter Hotel- und Restaurantbetrieb auf dem Weg zum Kaltenbrunnertal.

Im Jahr 1991 zogen die beiden Familien der „Camphill Lebensgemeinschaft“ mit acht seelenpflege-bedürftigen jungen Erwachsenen in der Königsmühle ein. 1997 konnte ein drittes Wohnhaus erworben und später umgebaut werden. 2006 folgte der Neubau des Werkstattgebäudes. anzi
   

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