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Wellness für die Seele

Zurück zur Natur: Der Wald als Therapieraum

Schult die Sinne: Waldbaden. Maria-Elisabeth Mirai (Mitte) kombiniert die japanische Heilmethode in St. Martin mit Baum-Yoga und Atemübungen. | Foto: crk
Schult die Sinne: Waldbaden. Maria-Elisabeth Mirai (Mitte) kombiniert die japanische Heilmethode in St. Martin mit Baum-Yoga und Atemübungen. | Foto: crk

Handy aus, Wahrnehmung an – statt dem Nachrichtengeschehen in den sozialen Netzwerken beobachte ich für die nächsten Minuten das Getümmel auf dem abgestorbenen Baumstumpf vor mir. Allerlei Getier krabbelt auf der Rinde umher. Der Geruch von Moos steigt mir in die Nase. Der Wind rauscht durch die Blätter. Mit allen Sinnen tief und bewusst in die Atmosphäre des Waldes einzutauchen, das ist das Ziel von Shinrin Yoku, kurz mit Waldbaden übersetzt. Was in Japan seit Jahrzehnten eine anerkannte Heilmethode ist, findet auch hierzulande immer mehr Anhänger. 

„Bei der Interaktion mit der Natur schulen wir die ungerichtete Aufmerksamkeit und entdecken das Kind in uns wieder“, sagt Maria-Elisabeth Mirai, Heilpraktikerin in St. Martin. Seit über einem Jahr nutzt sie den Wald mit Gruppen als Therapieraum und bietet auch regelmäßig Waldbaden an. 

Welche entschleunigende Wirkung dieses auf Menschen hat, haben Experten auch wissenschaftlich untersucht. Bereits 1984 sorgte der schwedische Forscher Roger Ulrich mit einer Studie für Aufsehen, der zufolge Patienten schneller gesund werden, wenn sie ins Grüne blicken. Weitere Studien folgten. Der japanische Professor Yoshifumi Miyazaki etwa, der das „Heilsame Waldbaden“ hierzulande auch in Buchform publik machte, fand in seinen Forschungen heraus, dass die Waldtherapie die Immunabwehr verbessert, den Blutdruck nach nur 15 Minuten nachweislich senkt und Stress durch die verringerte Aktivität des Nervensystems reduziert.

Mein „innerer Wachmann“ stoppt meine Gedanken gerade vom Abschweifen. Zwischen Vogelgezwitscher und krabbelnden Ameisen auf dem feuchten Waldboden haben sich die anstehenden Termine der nächsten Tage gedrängt. „Buddhas Brain“ nennt sich die Aufmerksamkeitsmeditation, bei der ich gerade versuche, das Gedankenkreisen zu lenken, weg von der Einkaufsliste für die Woche hin zu den Lichtspielen, die die Sonne bei unserem Spaziergang durch den Wald gestaltet. Nicht nur das Sehen und Hören wird bei der Führung geschult. Beim Baumspiel ertaste ich mit verbundenen Augen einen Baum– und finde ihn wieder.

Auf dem Weg von der Wiese zu unserer nächsten Station, einer kleinen Waldhütte, die auch Kindergärten für Exkursionen nutzen, gibt die Naturpädagogin Viola Kirschke-Deck einen kurzen Exkurs in Kräuterkunde. Knoblauchsrauke, Waldkresse, Sauerklee, Brombeerblätter und Fichtentriebe landen im Beutel und später in unserem frisch angerührten Kräuterquark, der herrlich schmeckt zu einem saftigen Samenbrot, das Mirai selbst gebacken hat. Und so endet meine erlebnisreiche Sinnesreise im Wald. Das Handy bleibt nun erst einmal aus. Carolin Keller

INFO
Nächster Waldbaden-Termin in St. Martin: So 30.6., 10-17 Uhr, Info/Anmeldung bei Maria-Elisabeth Mirai, Telefon 06323 3028499
  

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