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Ausbildung und Beruf September 2020 - Ludwigshafen

Vom Bürstenmacher und Orgelbauer bis hin zum Ziseleur

Seltene Ausbildungsberufe schulen Experten in der Nische und sind auch international gefragt – Wagemut, Eigeninitiative und Recherche wichtig

Bürsten- und Pinselmacher erlernen ein traditionelles Handwerk. Auf eher seltene Ausbildungsberufe stoßen Interessierte nur, wenn sie sich vorher ausgiebig informieren.
FOTO: DANIEL KARMANN/DPA

9.09.2020

Eine Lehre als Bürstenmacherin oder Instrumentenbauer: Kann das Zukunft haben? Einige Ausbildungen sind mittlerweile äußerst selten. Warum sie dennoch keine verschwendete Liebesmühe sein müssen.

Zuerst einmal handle es sich nicht um aussterbende, sondern um seltene Berufe, stellt Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn klar. „Viel häufiger kommt es vor, dass Berufe, die technisch überholt sind, in neuen Berufen aufgehen. Die Tätigkeiten von Schriftsetzer und Flexografen zum Beispiel im Ausbildungsberuf Mediengestalter Digital und Print aufgegangen.“

Traditionswissen in neuen Berufen

Das BIBB beobachtet die duale Berufsausbildung in Deutschland und aktualisiert oder überarbeitet gemeinsam mit den Sozialpartnern gegebenenfalls Ausbildungsinhalte. Dass ein Ausbildungsberuf komplett aufgelöst werde, komme nur sehr selten vor, so Hackel.

Während die meisten bereits vom Berufsfeld Mediengestaltung gehört haben, gibt es viele seltene Berufe, deren Namen man oft nicht einmal kennt. „Seltene Handwerke begegnen uns im Alltag eher wenig, sind aber aus unserem Leben nicht wegzudenken, zum Beispiel Bürsten- und Pinselmacher oder die Musikinstrumentenbauer“, erklärt Volker Born, Berufsbildungsexperte beim Zentralverein des deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. Eigeninitiative und Recherche sind also wichtig, um auch von unbekannteren Berufen zu erfahren.

Auch das eigene Umfeld kann entscheidend sein, wie das Beispiel des Ziseleurs Franco Adamo zeigt. Nachdem er keinen Ausbildungsplatz als technischer Zeichner gefunden hatte, ermutigte sein Vater ihn, es als Ziseleur zu versuchen. Ähnlich wie Steinmetze arbeiten Ziseleure mit Meißel oder Feile: Sie gießen Bronze und bearbeiten Oberflächen, um Embleme und Skulpturen herzustellen.

Für Judith Macherey dagegen war ein freiwilliges kulturelles Jahr (FKJ) in der Denkmalpflege entscheidend. So kam sie zu Klais, einer Werkstatt für Orgelbau in Bonn. Ihr Faible für Kunst und Architektur konnte die Abiturientin dann bei der Arbeit an der Orgel umsetzen. Nach dem FKJ hat sie eine Ausbildung zur Orgelbauerin begonnen und arbeitet derzeit an ihrer Abschlussprüfung.

Franco Adamo, der inzwischen seit 40 Jahren als Ziseleur arbeitet, hat keine Angst, dass sein Beruf vom technologischen Fortschritt bedroht wird. „Kein 3D-Drucker kann so ein gegossenes Relief herstellen und einer Figur eigenes Leben einhauchen.“ Außerdem seien moderne Maschinen wie die CNC-Fräse eine gute Ergänzung des Handwerks.

Oft braucht es besonderen Wagemut, sich für einen seltenen Beruf zu entscheiden. Häufig ist ein Ortswechsel nötig, um einen Ausbildungsbetrieb oder eine Berufsschule zu finden. Und da es in der Regel nur noch wenige Betriebe in diesen Spezialgebieten gibt, muss man nach dem Abschluss womöglich den Weg in die Selbstständigkeit wagen.Wer mit Leidenschaft dabei ist, kann die eigene Nischenposition aber auch als Alleinstellungsmerkmal hochhalten und sogar international gefragt sein. „Eine Orgel bleibt dort stehen, wo sie ist, da muss man schon selbst zu ihr kommen, um sie zu reparieren“, sagt Macherey. dpa

INFO

Eine Übersicht zu seltenen Berufen gibt es unter ausbildung.de/berufe/themen/seltene

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