Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

RHEINPFALZ Themenwelten
Anzeigensonderveröffentlichung
Dienstag, 18.06.2019 Drucken

LEO Saison Sommer

Immer den Weihern nach

Am Wasser wandern: Ein Ausflug nach Ludwigswinkel

Ludwigswinkler Impressionen: zwischen Rösselsweiher ...
Ludwigswinkler Impressionen: zwischen Rösselsweiher ...

Ludwigswinkel ist jung. Erst 1783 wurde das Dorf gegründet. Und zwar von Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt, der im 30 Kilometer entfernten Pirmasens residierte. Ob die Neuansiedlung von 16 Hofstellen in diesem abgelegenen Winkel der Südwestpfalz damals schon mit Blick auf den idyllischen Effekt geschah? Wohl kaum. Ludwig liebte alles Militärische, als früher Naturromantiker ist er dagegen nicht bekannt. 

Gleichwohl hat die Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte hin in und um „Ludwigs Winkel“ entstand, heute großen pittoresken Reiz. Dabei sieht es in Ludwigswinkel anders aus als im übrigen Wasgau. Nicht bizarre Buntsandsteinfelsen prägen das Landschaftsbild, sondern Gewässer. Mehrere Bäche durchfließen die Gegend. Da sie in der Vergangenheit, um Mühlen und einen Eisenhammer zu betreiben, hier und da zu Weihern aufgestaut wurden, hat sich ein dichtes Netzwerk aus Wasserflächen entwickelt, das man erwandern kann: 22 Kilometer lang ist die Wasgau-Seen-Tour, die Ludwigswinkel und Fischbach bei Dahn umrundet und zu den Prädikatswegen der Pfalz-Touristik zählt. Das Signet der Tour ist ein walfischförmiger blauer Teich auf tiefgelbem Grund.
  

...Rösselquelle...
...Rösselquelle...

Wir wandern nur ein kleines Teilstück, sozusagen den südwestlichen Zipfel der Tour, und starten dazu am Ortsrand von Ludwigswinkel beim Entenweiher. Das namengebende Geflügel glänzt durch Abwesenheit, dafür bedeckt ein üppiger Teppich aus Seerosen das stille Gewässer. Vorbei an adretten Vorgärten und einem plätschernden Laufbrunnen, von denen Ludwigswinkel noch etliche besitzt, geht es hinter dem ehemaligen Zollhof der 1920er-Jahre hinein in den Wald.

Nach etwa zwei Kilometern auf kommoden Wegen – die einzige Steigung ist schnell geschafft – blinkt der Rösselsweiher zwischen Baumstämmen hervor. Eine Eiche spiegelt ihre tief herabhängenden Äste in der glatten Wasseroberfläche, die weiter draußen im See ganz von Wasserpflanzen verkrautet ist. Wenn nicht gerade eine Wandergruppe erscheint, herrscht hier schöne Waldeinsamkeit.
  

... und Sägmühlweiher. | Fotos (5): Thorsten Treiber
... und Sägmühlweiher. | Fotos (5): Thorsten Treiber

Im Bereich des Weihers und der munter sprudelnden Quelle des ihn speisenden Rösselsbachs hat der Wald eine ganz eigene Atmosphäre: Es dominieren Fichten, manche davon sind sehr schlank, andere, die als Solitäre dastehen, alt und majestätisch. Dazwischen wachsen Eichen, vereinzelt auch Erlen und Espen, die Lichtungen und die Nähe des Wassers lieben. Auf freien Flächen haben sich Farne in sattem Grün breitgemacht, auf Brachen und am Wegesrand blüht der Fingerhut. Dass es bei der in Sandstein gefassten Rösselquelle ehedem ein Hofgut gab, nämlich den 1875 versteigerten und hernach komplett abgetragenen Rösselsbrunner Hof, verdankt sich das nächste Gewässer, das wir auf unserem etwa sechs Kilometer langen Rundweg erreichen: Wie der Name Sägmühlweiher unschwer erkennen lässt, stand hier in früherer Zeit die Sägemühle des verschwundenen Hofs. Heute grenzen Gärten – wir sind schon wieder zurück am Dorfrand – an die nördliche Uferzone des langgestreckten Sees. Vom unbebauten südlichen Ufer aus und am östlichen Kopf kann jedoch jeder, der mag, ins Wasser hüpfen: Der Sägmühlweiher ist zum Baden freigegeben.

Wer lediglich die Füße erfrischen will, kann das auf der Wiese tun, die sich jenseits der Dorfstraße an den Sägmühlweiher anschließt. Zwei Bachläufe begrenzen die Talaue, die sich bis zum Klößweiher am nordöstlichen Ortseingang erstreckt und früher wohl ziemlich sumpfig war, bis sie von Landgraf Ludwigs Kolonisten so reguliert wurde, dass man die weite Fläche landwirtschaftlich nutzen konnte. Heute durchmisst ein Barfußpfad dieses Biotop. Auf ihm erfährt man nicht nur, wie es ist, über Schotter zu laufen und durch Schlamm zu waten, sondern auch, wie sich Bachwasser anfühlt: nämlich herrlich kühl! Kai Scharffenberger

INFO
Ludwigswinkel liegt im Dahner Felsenland unweit der Grenze zum Elsass. Einkehrmöglichkeit im Ort; der Barfußpfad ist gebührenpflichtig. Weitere Badessen in der Nähe: Mühlweiher (Saarbacher Hammer) und Schöntalweiher. Wasgau-Seen-Tour: www.wandermenue-pfalz.de
  

Zurück