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»Man spricht von einem Waldsterben 2.0«

Interview: Förster Joachim Weirich über Funktionen und Zustand unseres Waldes

»Man spricht von einem Waldsterben 2.0«

In seinem Revier an der Weilach: Joachim Weirich. Archivfoto: Kamm

Waldkulinarik ist ein Thema. Aber unsere Wälder haben primär andere wichtige Funktionen für Umwelt und Gesellschaft. Welche das sind, und was unsere Wälder bedroht, erklärt Joachim Weirich von den Landesforsten Rheinland-Pfalz im LEO-Interview.Man liest von Trockenheit und Waldbrandgefahr und einem neuen Waldsterben. Wie geht es unseren Wäldern in der Pfalz derzeit?Ja, man spricht von einem „Waldsterben 2.0“ und meint damit die starken Belastungen durch den Klimawandel, also Trockenheit, Hitze und Wetterextreme. Trockenheit und Hitze erhöhen natürlich die Waldbrandgefahr. Und die ist in der Pfalz durch häufig vorkommende Kiefern mit hohem Harzanteil sowieso schon sehr hoch. Also auf Feuer und Rauchen unbedingt verzichten! Die meisten Feuer entstehen durch Fahrlässigkeit und nicht durch natürliche Faktoren.Es heißt aber doch, wir Deutsche hätte eine ganz besondere Beziehung zum Wald. Steht das nicht dazu im Widerspruch?Jein. 48 Prozent des deutschen Waldes sind in Privateigentum sind. Das schafft ein starkes Gefühl von Verantwortung und Verbindung. Wandern ist im ’Trend, Waldbaden betont den achtsamen, rücksichtsvollen Aufenthalt im Wald. Dass es unserem Wald klimawandelbedingt schlecht geht, berührt die Menschen in starkem Maße. Es muss allerdings auch erwähnt werden, dass es eine Minderheit mit „negativer Waldgesinnung“ gibt: Müll im Wald, illegale Feuerstellen, illegale Downhillstrecken und einiges mehr.Welche Funktionen hat der Wald noch?Man spricht von einer Multifunktionalität des Waldes und der Forstwirtschaft, jedenfalls in unserem dicht besiedelten Land. Drei Hauptfunktionen werden hervorgehoben: Die Schutzfunktion mit Schutz der Biodiversität, des Bodens, des Klimas und Hochwasserschutz. Alle vier sind gerade hochaktuell! Die Erholungsfunktion und die Nutzfunktion: Holz ist ein vielseitiger, schöner, nachwachsender, CO2-neutraler Rohstoff. Gerade die Holznutzung ist ein hochemotionales Thema. Forstleute werden bei Holzernte-Maßnahmen immer wieder regelrecht „angefeindet“. Obwohl wir eine nachhaltige Waldwirtschaft garantieren und die Menschen sich ein Leben ohne Holz nicht vorstellen wollen.Viele Menschen sammeln im Wald Pilze, Kastanien oder Bärlauch. Macht sich das in der Natur bemerkbar?Sofern die Pflanzen nicht geschützt sind, dürfen sie für den Eigenbedarf, also in kleinen Mengen geerntet werden. Wichtig ist, sich dabei gut auszukennen und vor allem Maß zu halten.Können Sie aus Sicht der Forstwirtschaft zu Wildfleisch raten?Ja. Die Jagd trägt dazu bei, die Lebensgemeinschaft Wald im Gleichgewicht zu halten. Die Verjüngung der Wälder ist entscheidend, um unsere Wälder klimastabil zu machen. Junge Bäume und Sträucher sind allerdings Hauptnahrungsquelle von Hirsch, Reh&Co. Die Bedeutung der Jagd ist also nochmals gewachsen. Wild lebt außerdem artgerecht. Gisela Huwig

Interview: Förster Joachim Weirich über Funktionen und Zustand unseres Waldes


WILDGRILLEN–TIPPS

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Zu gegrilltem Wild: Dips, Beilagen und Chutneys. Foto: A. Walter/frei

„Wer gerne grillt, sollte es unbedingt einmal mit regionalem Wildfleisch versuchen“, rät Spitzenkoch Daniel Schmidthaler. Weil Wild weniger Fett als herkömmliches Grillgut habe, könne man es in Speck wickeln, um ein zusätzliches Aroma zu erhalten und das zarte Fleisch zu schützen. Auch Marinaden auf Ölbasis eignen sich für Wild. Das Fleisch solle mit Raumtemperatur auf den Rost. Zum Grillen seien zarte, kurzfaserige Fleischstücke von jungen Tieren, also Rücken, Hüfte oder Keule von Hirsch, Reh und Wildschwein, besonders geeignet. Zum gegrillten Wild passen etwa Zwetschgen-Zwiebel- und Tomaten-Kirsch-Chutney oder Butter mit Wildkräutern wie Löwenzahn, Weißer Gänsefuß und Borretsch. wig