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Dienstag, 09.04.2019 Drucken

LEO Saison Frühjahr 2019

Fenster in die Erdgeschichte

Geowissenschaften: Unesco-Weltnaturerbe Grube Messel

Fenster in die Erdgeschichte

Zeitreise in die fossile Urwelt: Tour durch die Grube Messel. | Fotos (5): Archiv Welterbe Grube Messel gGmbH/frei

Es ist eine faszinierende Forschungsreise in die Erdgeschichte, auf die sich Besucher in der Grube Messel bei Darmstadt begeben können. Etwa bei Führungen über das Gelände, wo einst Ölschiefer abgebaut wurde und auf dem heute von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Wissenschaftsbergbau betrieben wird. Wer nicht ins Freie möchte, kann sich von einer Plattform aus einen Eindruck verschaffen. Diese ist über eine Treppe und einen Steg vom modernen Besucher- und Informationszentrum aus erreichbar. Im Zentrum selbst sind die geologischen Hintergründe als interaktives Museumserlebnis aufbereitet.

Fossilien: Rieseneichhörnchen ...
Fossilien: Rieseneichhörnchen ...
... Krokodil-Schädel ...
... Krokodil-Schädel ...

Auf beide Arten erschließt die Grube Messel für Interessierte die riesige Zeitdimension, die sich an diesem Fleckchen Erde offenbart: Hier lagerten sich den Geowissenschaftlern zufolge vor rund 50 Millionen Jahren über einen Zeitraum von rund einer Million Jahre Fossilien ab, die bis heute bestens erhalten sind. Damals schuf der plattentektonische Vulkanismus im Zuge der Alpenbildung einen tiefen Kratersee. Der Faulschlamm am sauerstofffreien Grund des Maars bot beste Voraussetzungen für die fossile Erhaltung toter Tiere und Pflanzen, die sich in großer Zahl darin absetzten. Der Schlamm wurde zum Tonschiefer, der ab Mitte des 19. Jahrhunderts und bis in die 1970er Jahre hinein als Rohstoff zur Energiegewinnung abgebaut wurde. Dieser wiederum birgt den besonderen Schatz: Schon in den frühen 60er Jahren erkannten Fossiliensammler, welch wertvolles Schaufenster in die Vergangenheit sich hier öffnet. Ihrem Widerstand war zu verdanken, dass das Land Hessen die Tonschiefergrube nach der Stilllegung nicht wie geplant zur Mülldeponie umfunktionierte. Der Erfolg gab ihnen Recht: 1995 nahm die Unesco die Grube Messel als Deutschlands erstes Weltnaturerbe in ihre Liste auf. 2010 schließlich öffnete das Besucherzentrum seine Pforten, das die „Zeit und Messel Welten“ dokumentiert.

... urtümlicher Frosch ... | Foto: Huwig
... urtümlicher Frosch ... | Foto: Huwig
„Expedition Bohrloch“.
„Expedition Bohrloch“.

Beim Gang durch die Räume, die sich zum Beispiel Geologie, Vulkanismus, Landschaftsformen, Klima und eben den Fossilienfunden widmen, werden die Besucher selbst zum Forscher. Ein erstes Highlight wartet gleich hinter der Kasse: die „Expedition Bohrloch“. In einer runden Kammer wird mittels Projektionstechnik die Fahrt in die Tiefe durch die geologischen Erdschichten simuliert. Ähnlich wie im Kuppelkino ein durchaus schwindelerregendes Abenteuer, das zugleich lehrreich ist.

... und Schildkröte. | Foto: Huwig
... und Schildkröte. | Foto: Huwig
Besucherzentrum.
Besucherzentrum.

Im Tropenraum wiederum wird’s feuchtheiß: Im Eozän lag die Gegend nämlich näher am Äquator und war von einem tropischen Klima geprägt. Das Klima spiegelt sich wiederum in der Artenfülle der ausgestellten fossilen Funde, die für Wissenschaftler zugleich einen Einblick in die Evolution gewähren. In der Schau fehlen aber auch Informationen zur jüngeren Industriegeschichte nicht.

Der Höhepunkt jedoch kommt ganz zum Schluss: In der „Schatzkammer“ finden sich die wertvollsten Funde vom Gelände vor den Toren hinter Glas oder baumeln frei von der Decke: Tiere und Pflanzen, die bis ins Detail erhalten sind, so dass man sich daran kaum sattsehen kann. Selbst Haut- und Fellschatten, Federn und Mageninhalt sind mitunter noch zu erkennen. Die für Forscher spektakulärsten Exponate darunter entfalten allerdings im Gegensatz etwa zum Dino-Skelett im Senckenbergmuseum ihre Faszination erst auf den zweiten Blick: Das weithin berühmte schwangere Urpferdchen und das Halbäffchen Ida, denen bedeutende Erkenntnisse zur Entwicklung der Säugetiere zu verdanken sind, waren doch recht kleinwüchsig. Dafür gibt es mächtige Ameisen, und ein Rieseneichhörnchen, das mit einem stattlichen Gebiss beeindruckt ... Gisela Huwig

MESSEL-INFOS


Kontakt
:
Welterbe Grube Messel gGmbH
Roßdörfer Str. 108
64409 Messel,
Telefon: 06159 717590

Öffnungszeiten: täglich 10-17 Uhr (außer 24.12. bis 26.12. und 31.12. bis 1.1.)

Führungen: Führungen für Kinder, Familien, Erwachsene und Senioren mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten sind ebenso im Angebot wie Sondertouren (geologische Exkursion und Fledermausführung). Außerdem Aktionen wie Schaupräparation, Hundewanderungen, Vorträge und Zusammenarbeit mit Schulen.

Info: www.grube-messel.de  wig

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