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LEO Saison

Ein ganzes Dorf voller bunter Lichtblicke

Kunstspaziergang: Open-Air-Gallery in Gönnheim macht Werke verschiedener Stilrichtungen erlebbar

Feixen im Doppelpack: Graffiti-Künstler Frank Cmuchal alias Smautschi hat Schauspieler John Hurt in Gönnheim sozusagen ein Denkmal gesprüht. Foto: WSAF/frei

2.12.2021

Den Anfang machte Johnny Depp. Also: ein Porträt von ihm. Es trägt den Namen des erfolgreichen Films „Fluch der Karibik“ und zeigt Depp in seiner Paraderolle als Titelheld Captain Jack Sparrow. Es hängt in Gönnheim im Durchgang zum protestantischen Gemeindezentrum und ist auf unserem heutigen Rundgang durch die Open-Air-Gallery unsere neunte Station – insgesamt sind 40 Kunstwerke zu sehen.

Gezeichnet hat das Kreide-Porträt Anton Martin Göstl, Kunstmaler und Streetart ist aus Teisendorf. „Es entstand 2016 während unseres ersten Wine-Street-Art-Festivals“, erzählt Heike Ditrich, Projektleiterin der Gallery. Das Festival sei seitdem fester Bestandteil der seit mehr als 40 Jahren in Gönnheim stattfindenden Wein- und Kulturtage und ziehe jedes Jahr nationale und internationale Künstler an.    

Das Mural „Nordlichter 1“ entstand innerhalb einer Woche: Sedna, die zentrale Meeresgöttin der Inuit. Foto: WSAF/frei
Das Mural „Nordlichter 1“ entstand innerhalb einer Woche: Sedna, die zentrale Meeresgöttin der Inuit. Foto: WSAF/frei

„Bei dieser ersten Veranstaltung entstanden hauptsächlich Kreidezeichnungen auf den Straßen, teils mit 3D-Fotoeffekt, die beim Publikum sehr gut ankamen“, so Ditrich. „Diese Künstler stehen in der Tradition der italienischen Madonnari-Maler, die ihre Motive seit dem 16. Jahrhundert, damals vor allem biblische, mit Kreide auf die Straßen zeichneten.“ So sollte die Kunst dem „einfachen“ Volk zugänglich gemacht werden. Auch die Open-Air-Gallery möchte Kunst niederschwellig erlebbar machen und Berührungsängste abbauen. „Kunst ist nichts Elitäres. Auch deswegen präsentieren wir hier Künstler ganz unterschiedlicher Genres.“ Dass die ihrem Wesen nach vergängliche Kreidekunst von Anton Martin Göstl schließlich doch konserviert wurde, hatte mit dem Wetter zu tun: Da es beim Festival 2016 sehr viel regnete, bot man dem Maler an, sein Jack-Sparrow-Porträt in einer Scheune der geöffneten Höfe auf einem zwei mal zwei Meter großen Holzpanel zu malen. „Und da es zu schade war, um es wegzuwerfen, wollten wir es später konservieren – und machten zunächst alles falsch, was man falsch machen kann“, sagt Ditrich und schmunzelt.

Haarspray brachte nicht den gewünschten Effekt, Bootslack ließ, zum Schrecken aller, die Kreide zunächst komplett verschwinden, nach einer weiteren Schicht jedoch wieder auftauchen – nur war das Bild nun viel dunkler als zuvor. „Aber ich finde, das hat was! Es sieht jetzt aus wie ein altes Ölgemälde.“   

Eine Legende im Popart-Stil: Marylin Monroe. Foto: JS clickart
Eine Legende im Popart-Stil: Marylin Monroe.
Foto: JS clickart

Seitdem entstehen jedes Jahr zusätzlich zu der Straßenmalerei Gemälde auf in puncto Wetterfestigkeit besser geeigneten Siebdruckplatten, die möglichst geschützt platziert werden, sowie natürlich auch Graffitis. So hängen etwa in dem Durchgang zwischen der Bücherei und dem Gebäude der Arbeiterwohlfahrt, wo wir mit unserem Spaziergang gestartet sind, zwei Kunstwerke: Eva Szerkers von Albrecht Dürer inspiriertes, in Tengeltechnik gezeichnetes „Rhinozeros“ von 2018 sowie das im surrealistischen Stil gemalte „Nordlichter 3“ von Anton Small, das in diesem Jahr entstanden ist.

Über die komplette Giebelwand des gegenüberliegenden Rathauses erstreckt sich das Mural, also ein großflächiges Graffiti, „Climate is changing“ (2019) der Künstler SNEK alias Marc-Alexandre Pisicchio und Étienne Bergeret: Eine Schleiereule sitzt auf einer leeren Glasflasche, die in einem tiefroten Meer schwimmt. „Es ist fast ausschließlich Rot und Gelb zu sehen, kein Grün, was auf die Bedrohung der Natur hinweisen soll“, erklärt Ditrich.

Mit diesem Thema und der Umweltverschmutzung hätten sich 2019 viele Künstler auseinandergesetzt, so auch die russische Ikonenmalerin Yanita Sunny, deren Graffiti „No Plastic please“ sich an der Mauer eines privaten Gartens hinter dem Rathaus befindet. „Das ist natürlich mit den Besitzern abgesprochen“, erklärt Ditrich. Beinahe alle Graffitis befänden sich an Privathäusern, viele Gönnheimer möchten auf diese Weise Teil der Open-Air-Gallery werden.     

In Würde konserviert: Captain Jack Sparrow. Foto: kade
In Würde konserviert: Captain Jack Sparrow.
Foto: kade

Über einige der vielen für das Dorf typischen schmalen Schleichwege, die Gadepädelcher, gehen wir weiter, vorbei an der bunte Charakterköpfe vereinenden „Pälzer Festgesellschaft“ des Vereins „Kunstim Dreieck “ (Acryl auf Holz, 2018), und stoßen an einem Privathaus in der Deidesheimer Straße auf weitere Schauspielerporträts: Marylin Monroe (2019) und James Dean (2020) hat die Mutterstadter Künstlerin Anke Riedel im Popart-Stil, Acryl auf Holz,festgehalten. Gegenüber befinden sich die mit Acryl und Graffiti auf Holz gestalteten „Heimaten“ von Schülern der IGS Deidesheim-Wachenheim von 2019, und als Nächstes kommen wir an der Ecke Ludwigstraße/Bismarckstraße an den „Snails“ der Gönnheimer Künstlerin Babara Beck-Grillmeier vorbei, die hier im Dorf nicht nur diesen einen Stromkasten gestaltet hat.

Vorbei an Johnny Depp und jeder Menge weiteren Kunstwerken erreichen wir schließlich den Kerweplatz – und erblicken sie in ihrer ganzen blau-grün schillernden Herrlichkeit: Sedna, die zentrale Meeresgöttin der Inuit. „Sie fungierte als machtvolle Herrin der Tiere und konnte auch Menschengestalt annehmen“, erklärt Ditrich. In dem 2021 an einer Scheunenwand entstandenen Mural „Nordlichter 1“ von Frank Cmuchal alias Smautschi aus Dörrenbach ist Sedna halb Frau, halb Elch und flankiert von Symbolen der vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer.

Nach einigen weiteren Stationen – man kann es nicht anders sagen, in Gönnheim wimmelt es von Kunst; auch fantasievolle Bildnisse der Pfälzer Elwetritsche fehlen nicht – endet unser heutiger Rundgang an dem ebenfalls von Smautschi gefertigten Mural „John Hurt“ (2020). Der Graffitikünstler habe dafür zunächst die Hauswand mit einem bunten Hintergrund besprüht, das Antlitz des britischen Schauspielers dann nur in Schwarz und Weiß herausgearbeitet. „Ein solches Mural hält bis zu zehn Jahre“, sagt Heike Ditrich. Letztendlich aber sei es, wie die Kreidemalerei auf den Straßen und wie alle Werke der Streetartisten, eben eins: vergänglich. Katja Decher

INFO

Einen Flyer mit Plan für den Rundgang und Infos zur Open-Air-Gallery gibt’s zum Mitnehmen in einem Kasten am Wiegehäusel am Marktler Platz in Gönnheim, interaktiver Plan unter openairgallery.goennheim.de. Führungen bietet die Tourist-Information-Wachenheim an

Info:
06322 9580-801
www.wachenheim.de.

Das Wine-Street-Art-Festival 2022 ist für den 2. bis 3. Juli geplant.

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