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Gesundheit & Wohlbefinden - Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel

„Wir müssen nicht das Klima retten, sondern uns selbst“

Internistenkongress, Eckart von Hirschhausen und zwei Autorinnen beschäftigen sich mit dem Thema Klimawandel und Gesundheit

Ambrosia-Alarm: Das Kraut fühlt sich bei Wärme wohl, kann aber schwere Allergien und Asthma auslösen. FOTO: YEVHENII/STOCK.ADOBE.COM

16.10.2021

Deutschlands wohl witzigster TV-Arzt engagiert sich im Netzwerk „Klimawandel und Gesundheit“ (Klug), und Eckart von Hirschhausen hat gute Gründe dafür: Die Folgen der Erderwärmung treffen bei weitem nicht nur Eisbären in der Arktis, unsere Wälder und das Wetter, sondern bringen konkrete Gefahren für die Gesundheit von uns Menschen mit sich. Auch in unseren „gemäßigten“ Breiten.

Ökumenische Sozialstation Lauterecken-Wolfstein

Mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels werden vor allem zukünftige Generationen zu kämpfen haben, warnten Ärzte jüngst beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) . „Wir beobachten in den vergangenen Jahren, dass immer mehr Menschen mit internistischen Erkrankungen etwa der Lunge oder des Herzens zu uns kommen, deren Ursache oder Verlauf direkt oder indirekt am Klimawandel liegen können“, sagt Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM. „Im vergangenen Jahrzehnt traten etwa deutlich mehr Herzinfarkte im Zusammenhang mit Hitzewellen auf als in den zehn Jahren davor“, so der Würzburger Kardiologe. „Hitzewellen, Luftverschmutzung, die Ausbreitung neuer Infektionskrankheiten oder die Verlängerung der Allergie-Perioden sind nur einige der Auswirkungen des Klimawandels, die sich in Zukunft noch stärker als bisher zeigen werden“, bestätigt KLUG-Vorsitzender Martin Herrmann.

Wie Allergien, Zeckenplage, Tigermoskitos, aber auch die Corona-Pandemie mit dem Klimawandel zusammenhängen, erklären Medizinerin Claudia Traidl-Hoffmann und Journalistin Katja Trippel in ihrem Buch „Überhitzt“, zu dem auch Eckart von Hirschhausen einen Beitrag geleistet hat. Im eingehenden Interview mit den beiden Autorinnen erzählt er, warum er um das Thema Klima nicht mehr herumgekommen ist: „Mein Aha-Moment in Berlin war, als ich im Sommer 2018 meine Dachgeschosswohnung kaum mehr betreten konnte, weil es dort so heiß war, als wäre ich in einer Sauna.“ Man wolle dann das Fenster öffnen, aber draußen sei es ebenso heiß. „Da spürte ich, wie mir die Klimaveränderung buchstäblich unter die Haut geht und körperlich zu schaffen macht.“

Zahl der Hitzetoten steigt

Bei extremen Hitzewellen wie 2018 und 2019 wird das Risiko für die Gesundheit durch die Erderwärmung unmittelbar deutlich: Statistiken zeigen, dass an Tagen mit einer Temperatur über 30 Grad Celsius die Sterbequote um etwa zehn Prozent und die der Krankenhauseinlieferungen um fünf Prozent ansteigt. „Die neue normale Hitze kriegen wir nicht mehr los“, schreiben die beiden Autorinnen. „Und zu diesem Problem gesellen sich weitere“, nämlich dass immer mehr Menschen in Städten leben, wo die Hitzebelastung am stärksten sei, dass immer mehr Menschen an Übergewicht, Atemwegserkrankungen oder Neurodermitis leiden, „deren Symptome durch die Hitze verstärkt werden“ und dass der Anteil besonders hitzesensibler älterer Menschen in unserer Gesellschaft steige.

Allergien auf Vormarsch

Einen Zusammenhang, der vielleicht nicht gleich mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht wird, sind zunehmende Allergien und längere Allergiephasen. Hintergrund: Pollenflug gibt es inzwischen nahezu das ganze Jahr hindurch, und neue Pflanzenarten mit Allergiepotenzial siedeln sich an, die früher nicht heimisch gewesen sind. Ambrosia etwa, das Traubenkraut, das Asthma und Allergien auslöst, verbreitet sich gerade extrem stark. Das gilt auch für die Fauna: Schädlinge wie der Eichenprozessionsspinner, eine Falterart, die es gerne warm mag, ist weithin zur Plage geworden. Die Brennhaare seiner Raupe erzeugen Hautschäden und allergische Reaktionen .

Klimaschutz & Pandemie

Wie die Pandemie mit der globalen Umweltkrise zusammenhängt, machen Traidl-Hoffmann und Trippel mit Verweis auf eine Auswertung von mehr als 600 wissenschaftlichen Arbeiten im Auftrag des Weltbiodiversitätsrats der Uno (IPBES) deutlich: Zoonosen, also Erkrankungen, die von Wildtieren auf Menschen überspringen, gehen oft darauf zurück, dass der Mensch bis in die letzten Winkel der Natur vordringt und diese ausbeutet. Das wiederum hängt mit einer ungezügelten Mobilität zusammen, durch die viel klimaschädliches CO2 entsteht und durch die Krankheiten sich obendrein in Rekordgeschwindigkeit über den kompletten Globus ausbreiten können. So gesehen sind Klimaschutzmaßnahmen auch Maßnahmen zur Eindämmung von Krankheiten. Die Ausbreitung anderer Leiden wie West-Nil- und Fleckfieber oder Borreliose werden vom Klimawandel insofern befördert, als ihre Überträger wie Tigermoskito und Riesenzecke gerade in Deutschland heimisch werden. „Weitere krankmachende Mikroorganismen tauchen in Gewässern auf und vermehren sich bei Hitze massenhaft“, informieren die Autorinnen.

Ärzte in der Pflicht

Aufgrund ihres hohen gesellschaftlichen Ansehens komme Ärztinnen und Ärzten in der hoch emotionalisierten und stark politisch motivierten Debatte um die Folgen des Klimawandels eine besondere Rolle zu, lautet entsprechend ein Fazit des Internistenkongresses. „Genau wie in der Coronapandemie, gibt es beim Thema Klimawandel Personen, die ihn ganz abstreiten oder seine Folgen klein reden“,meint Professor Dr.med. Sebastian Schellong, Präsident des Kongresses. „Als Mediziner und Wissenschaftler ist es unsere Verantwortung, diesen Strömungen immer wieder die Erkenntniswege und Fakten der Wissenschaft entgegenzusetzen“, so der Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Städtischen Klinikum Dresden. Denn letztere seien eindeutig: Der Klimawandel stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere Gesundheit dar. Medizinerinnen und Mediziner seien in einer besonderen Verantwortung gegenüber Patienten und der Öffentlichkeit, auf wissenschaftliche Fakten hinzuweisen und so auch für Nachhaltigkeit und globalen Gesundheitsschutz zu werben. Wie so oft, formuliert es Eckart von Hirschhausen treffend und verständlich: „Kein Medikament, keine Impfung und keine Operation wird unsere Gesundheit retten, wenn die Lebensgrundlagen erstmal nachhaltig zerstört sind“, sagt er. „Gesunde Menschen wird es nur auf einer gesunden Erde geben – das müssen wir als Ärztinnen und Ärzte ganz deutlich machen. Wir müssen nicht das Klima retten, sondern uns selbst!“ Gisela Huwig
   

ZUM WEITERLESEN

Traidl-Hoffmann/Trippel: „Überhitzt. Die Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit“, Dudenverlag, 2021, 300 S., gebunden, 20 Euro

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