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Anzeigensonderveröffentlichung

11. Ausbildungsbörse in Kaiserslautern

„Qual der Wahl für junge Menschen“

Interview: Peter Weißler über Veränderungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Fachkräftemangel und Digitalisierung sind Schlagworte, die Betriebe genauso wie Arbeitnehmer und Auszubildende umtreiben. Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, berichtet, auf was es ankommt, damit beide Seiten Schritt halten können.
  

Mehr Rentner, weniger Schulabgänger: Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, weiß, dass es immer schwieriger wird, Lehrstellen zu besetzen. FOTO:MONIKA KLEIN
Mehr Rentner, weniger Schulabgänger: Peter Weißler, Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, weiß, dass es immer schwieriger wird, Lehrstellen zu besetzen. FOTO:MONIKA KLEIN

Herr Weißler, dass es im Gesundheits- und Pflegebereich an Fachpersonal fehlt, ist bekannt. Aber wie sieht es in anderen Branchen aus?

Ja, auch dort gibt es den Fachkräftemangel schon lange. Er weitet sich aus. Betroffen sind vor allem die Handwerksberufe und da nicht nur der Metzger und der Bäcker.Aber auch in der Gastronomie ist die Situation schwierig. In der Industrie ist es noch etwas besser, aber aus dem Vollen kann beim Besetzen der Ausbildungsplätze auch nicht mehr geschöpft werden. Junge Menschen haben heute die Qual der Wahl und nutzen diese Möglichkeiten auch.

Gibt es dazu Lösungsansätze?

Da ist zum Beispiel die Ausbildungsbörse. Sie hat primär die Ausbildung im Fokus, aber sie richtet sich nicht nur an Schulabgänger, sondern auch an junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren, die vielleicht bislang keinen Abschluss gemacht haben. Sie sind jetzt älter und wollen doch noch den Abschluss und eine Ausbildung nachholen. Das gibt es immer häufiger. Auch da hilft die Ausbildungsbörse, sich beruflich zu orientieren. Von Seiten der Betriebe ist man nicht mehr so sehr nur auf 16- und 18-Jährige fixiert. Um den Fachkräftebedarf zu decken, kommen auch Ältere verstärkt zum Zug.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Ausbildung aus?

Junge Menschen wachsen mit den modernen Medien wie zum Beispiel Facebook auf. Sie aber im Beruf einzusetzen oder digitale Geräte bedienen zu können, geht darüber hinaus. Auch junge Leute müssen den Umgang damit regelrecht lernen.

Wie sieht es mit den Berufsbildern aus?

Die Digitalisierung bringt viele Veränderungen mit sich, und es kommen neue Berufe hinzu. Zum Beispiel der Dachdecker, der für die Begutachtung von Schäden nicht mehr aufs Dach steigen muss, sondern eine Drohne nutzt. In vielen Lebensbereichen und in den Betrieben haben die modernen Technologien Einzug gehalten, selbst beim Friseur oder in der Gastronomie.

In den Stellenmärkten werden ständig IT-Fachleute, Fachinformatiker, Softwareentwickler oder Programmierer gesucht. Diese Berufe werden in der heutigen Arbeitswelt, die so komplex geworden ist, gebraucht. Wie können Betriebe mit dieser Weiterentwicklung Schritt halten?

Sie müssen hohe Investitionen in Technik und Weiterbildung tätigen. Für kleinere Betriebe ist das häufig ein Problem. Für die Ausbildung gehen sie oft mit anderen Betrieben eine Kooperation ein oder die Auszubildenden werden in Zentren zusammengefasst. Für Beschäftigte, die weitergebildet werden müssen, gibt es seit Januar 2019 das Qualifizierungschancengesetz. Es unterstützt Betriebe finanziell bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

Wie würden Sie die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt beschreiben?

Die Babyboomerjahrgänge kommen jetzt ins Rentenalter. Wer im Sommer 2020 eine Ausbildung beginnt, schließt sie in der Regel 2023 ab. Aber da fehlt noch Erfahrung, um langjährige Mitarbeiter zu ersetzen. Betriebe müssen also fünf Jahre im Voraus planen. Nicht umsonst heißt es: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Wie wirkt sich das auf die Ausbildungsbörse aus?

Firmen und Verbände müssen sich heute attraktiv präsentieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie haben aufgerüstet. Alleine die Stände haben sich verändert. Vor zehn Jahren gab es noch kein Rollup, vielleicht ein Ausdruck auf dem Tisch und eine Pinnwand.Heute bieten sie Aktionen zum Mitmachen und zum Anfassen an, oder sie bringen Auszubildende mit, die mit den Schulabgängern auf Augenhöhe sprechen. lmo
  

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