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Anzeigensonderveröffentlichung

„Master of Desaster“ Sabine Zehnder rät zu strukturiertem Vorgehen,wenn alles über einem zusammenzuschlagen droht

Viele Menschen haben genug davon, wie ihr Leben abläuft. Der Alltag frisst sie auf, die Probleme nehmen überhand, von einem selbst bleibt nicht viel übrig. Doch so ganz ausweglos wie es uns erscheint, ist die Situationmeist nicht ...
  

Erst abschalten, dann Strategien entwickeln. FOTO: JÜRGEN RÜBIG/PIXABY
Erst abschalten, dann Strategien entwickeln. 
FOTO: JÜRGEN RÜBIG/PIXABY

In Phasen, wo alles über einem zusammenzuschlagen droht, besteht die Gefahr, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Und es wächst der Wunsch nach einer ultimativen, allumfassenden Lösung. So nachvollziehbar der Wunsch sei, so unwahrscheinlich sei aber auch, dass er in Erfüllung gehe, meint Sabine Zehnder. Vielmehr gelte es gerade in fordernden Lebensumständen, clever zu sein und strukturiert an die Sache heranzugehen, betont die Autorin, die sich selbst gerne „Master of Desaster“ nennt. Die Diplom-Informatikerin ist Spezialistin dafür, schwierige Projekte aufzuräumen – allerdings in der IT-Branche. Doch schnell erkannte sie, dass das, was bei Bits und Bytes funktioniert, auch im wirklichen Leben hilfreich sein kann. Und so ist die IT-Beraterin zum Coach geworden und will zeigen, wie man das tägliche Chaos – das Leben – eigenständig und unkonventionell managt.

Auszeit fürs Gehirn statt schneller Lösung

Eine schnelle Lösung im Überforderungsfall sieht sie jedoch nicht: „Unser Gehirn braucht ein wenig Auszeit, damit die zündende Idee entstehen kann. Das kennen Sie bestimmt: Je dringender Sie eine Idee brauchen, desto weniger bekommen Sie eine“, erörtert Zehnder. Das könne damit zusammenhängen, wie viel Stress die Situation auslöse, aber auch mit der Komplexität des Problems. Oder aber mit der Komplexität der Auswirkungen, die eine Lösung mit sich bringen könnte. „Stellen Sie sich vor, die Lösung Ihres Problems könnte eine Trennung sein, dann wären die Auswirkungen vielleicht geteiltes Sorgerecht für die Kinder, Wohnungssuche, Umzug, Hausverkauf, Verlust von Freunden, Verlust der Familie und so weiter.“ Das sei keine einfache Entscheidung und stelle das ganze Leben auf den Kopf. „Eine derartige Entscheidung will völlig zurecht gut überlegt sein. Wir grübeln, schlafen schlecht und treten tage-, wochen-, monatelang auf der Stelle. Wir sind unsicher, was richtig ist und was nicht. Um diesen Teufelskreis der Gedankengänge zu durchbrechen, hilft nur zu handeln und Sicherheit zu gewinnen. Mit Nachdenken allein macht man sich meistens eher nur unglücklich.“

Erst einmal körperlich entspannen

Wer Sicherheit gewinnen will, muss Zehnder zufolge verstehen, wo es hakt, um welchen Lebensbereich es geht und was genau das Problem ist. „Geht es um Sie, geht es um andere?“ Falls diese Frage schon Probleme bereite, sei angeraten, erst einmal den physischen Stress zu reduzieren und die Muskeln zu entspannen: „Lassen Sie sich ein paar Massageeinheiten verschreiben, machen Sie Spaziergänge oder wenn Sie es schon einmal gemacht haben, machen Sie Yoga“, so Zehnder. Die Faustregel für alle aber laute mindestens: Langsame Bewegungen im Freien. „Das geht am einfachsten und ist jedem möglich. Aber wenn Sie bereits Sport machen, dann umso besser. Alles, was Ausdauersport ist, egal in welcher Geschwindigkeit oder wie lange, ist pures Gift für den Stresspegel. Walking, Jogging, Radfahren oder Schwimmen, völlig egal. Machen Sie das, was Ihnen am leichtesten fällt.“

Wer körperlich entspannt sei, habe wieder die nötige Kapazität frei, um sich den nervigen Umständen zu widmen, ohne sich daran zu reiben, etwa der Frage: Worum geht es gerade in meinem Leben? „Reden Sie mit Vertrauten und abstrakt mit jemandem, den Sie nicht so gut kennen, der keine Rücksicht darauf nimmt, was Ihnen möglicherweise nicht gefällt.“ Freunde und Familie seien oft gute Tröster, aber nicht immer diejenigen, die uns auf ganz neue Ideen brächten. „Ziel ist es ja, neue Ansätze zu finden. Entwickeln Sie so ein Gefühl und erschließen Sie sich neue Perspektiven.“ Man müsse auch sich selbst reflektieren: Was macht Angst? Welchen Situationen geht man aus dem Weg? Woran hält man fest, das eigentlich nicht gut für einen ist? Eine Art Priorisierung werde dann möglich, wenn klar sei, durch welche Punkte man sich selbst torpediere. Manchmal schaffe man sich nämlich selbst Probleme, um ein bestimmtes Thema nicht lösen zu müssen. Zehnder: „Das ist natürlich eine etwas unangenehme Erkenntnis, wenn es denn so ist, aber diese Erkenntnis bringt Sie schlagartig voran. Also, welchen Nutzen haben die einzelnen Probleme für Sie? Und bedenken Sie bevor Sie antworten: Niemand muss Ihre Antwort darauf erfahren.“

Ehrlich zu sich selbst sein

Ehrlich zu sich selbst zu sein falle nicht leicht und sei auch nicht selbstverständlich. „Doch es ist ein wichtiger Schritt. Denn versuchen Sie Lösungen für Ihre Situation zu finden, die funktionieren sollen,müssen Sie wissen, um was es wirklich geht. Sonst finden Sie nur Lösungen, die für andere funktionieren oder befolgen Ratschläge, die nichts mit Ihnen und Ihrem Leben zu tun haben. Das sind meistens die Lösungen, die unheimlich viel Selbstdisziplin und Verzicht erfordern und die üblicherweise nicht besonders lange anhalten.“ Doch genau darum gehe es.

Zehnders Fazit: „Wenn Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, fangen Sie vorne an. Und vorne, das sind Sie selbst. Erst dann können Sie wissen,was jetzt richtig ist, was als erstes, als zweites, als drittes angegangen werden muss. Und schon haben Sie eine Struktur gefunden, die Sie zum Ziel bringt.“ msw

ZUM WEITERLESEN
Sabine Zehnder: „Master of Desaster - Weil Aufgeben keine Option ist“, Business Village, 2018, 19,95 Euro
 www.life-reanimation.de
   

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