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Pflegekompass

Einfache Sprache ist besser

Beko-Beraterin Nicole Jörg über Kommunikation und Demenz

Bietet Beratungen für versorgende Angehörige von Demenzerkrankten an: Nicole Jörg. FOTO: BÜRGER/FREI

18.05.2021

An Demenz zu erkranken, bedeutet auch, die Fähigkeit zu kommunizieren nach und nach zu verlieren. Wie Kommunikation mit Betroffenen gelingen kann, erläutert Nicole Jörg von der Beratungs- und Koordinierungsstelle Demenz (Beko) der Stadt Kaiserslautern.

Frau Jörg, was sind typische Kennzeichen einer Kommunikationsstörung bei Demenz?

Das kommt auf die betroffene Region im Gehirn an und die Form der Demenz. Das Verstehen ist mit Sicherheit gestört, aber in unterschiedlichem Ausmaß. Das Sprechen ist ein ganz weites Thema. Bei Demenzerkrankten stellt sich die Frage, ob das Sprechen gleichbedeutend mit dem ist, was sie sagen möchten. Zu Beginn einer dementiellen Veränderung sind sie noch in der Lage, solche Störungen zu überspielen und arbeiten dabei viel mit Phrasen.

Was heißt das?

Da wird zum Beispiel gesagt: „Das Wetter ist heute gut.“ Es wird nicht konkret auf etwas eingegangen, die Aussagen werden sehr allgemein gehalten.

Treten auch Wortfindungsstörungen auf?

Ja, das ist oft ein Anzeichen für eine dementielle Erkrankung. Aber man muss sehr vorsichtig sein, weil das jedem und auch mir schon passiert ist. Demenzerkrankte verdrehen auch Wörter in ihrem ursprünglichen Sinne, sie gebrauchen Ersatzwörter oder verwenden Oberbegriffe. Eine ärztliche Diagnosestellung bei einem Neurologen ist unheimlich wichtig.

Wie kommuniziert man am besten mit Betroffenen?

Auf zwei Ebenen: verbal und nonverbal. Das nonverbale Kommunizieren, also Körpersprache und Mimik, werden bedeutender. Es gibt auch andere hilfreiche, bewährte Methoden. Dazu gehört, dass man Betroffene von vorne und auf gleicher Höhe, aber nichtfrontal ansprechen sollte. Auch eine Berührung der Schulter, die man vorher ankündigt, ist sinnvoll. Wenn man wissen will, ob jemand Kopfweh hat, greift man sich beim Fragen an den Kopf. Außerdem arbeitet man mit Blickkontakt. Wichtig ist: Solange Demenzerkrankte sprechen, wollen sie verstanden werden und wir müssen versuchen, die Symbole zu deuten.

Können Sie praktische Tipps für die sprachliche Ebene geben?

Man sollte eine leichte und einfache Sprache verwenden. Zu beachten ist, dass man kurze Sätze ohne Nebensätze mit maximal acht Wörtern bildet, dass man keine Fremdwörter oder Fachausdrücke benutzt, keine Verneinungen verwendet und nur geschlossene Fragen stellt, also: „Willst du Tee oder Kaffee trinken?“ Auch sollte man immer das gleiche Wort wählen und nicht einmal Tablette, dann Medikament oder Arzneimittel sagen. Auf Sprachbilder wie „jemanden auf Händen tragen“ sollte man verzichten.

Das hört sich nicht einfach an.

Das ist es auch nicht, weil wir ja auch über Sprache zeigen, wer wir sind, und wir uns auf eine andere Ebene einlassen müssen. Es ist viel Übungssache und klappt nicht von heute auf morgen. Schließlich bedeutet das ja eine Umstellung von unserem über Jahrzehnte verinnerlichten Verhalten. Um sich ein Bild von leichter Sprache zu machen, empfehle ich, sich im Internet die Website coronaleichte-sprache.de anzusehen.

Wenn man sich nicht mitteilen kann oder nicht verstanden wird, führt das ja schnell zu Frust auf beiden Seiten.

Ja, außerdem haben Demenzerkrankte einen feinen Sinn für Schwingungen. Sie registrieren Körperhaltung, Mimik und Tonfall und können das widerspiegeln. Wenn wir zum Beispiel genervt aussehen oder klingen, kann es sein, dass der Betroffene auch so reagiert.

Wo finden Angehörige Hilfe?

In dem neuen Ratgeber unseres Netzwerks Demenz Stadt und Landkreis Kaiserslautern sind einige sehr wichtige Punkte aufgeführt. Ich spreche das Kommunizieren aber auch in meiner Beratung für Angehörige immer an, denn die Betreuung umfasst viel mehr als nur medizinische Pflege. lmo

INFO

Beratungs- und Koordinierungsstelle Demenz
DRK Kreisverband Kaiserslautern-Stadt
Barbarossastr. 27, 67655 Kaiserslautern
Telefon 0631 80093116
www.drk-kl.de
    

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