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75 Jahre Rheinland Pfalz - Kirchheimbolanden

Rheinland-Pfalz – Kernregion Europas

Rheinland-Pfalz – Kernregion Europas

Klares Bekenntnis zum geeinten Europa: Flaggen auf dem Marktplatz in Mayen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2011 – deshalb ist der britische Union Jack auch noch dabei... FOTO: IMAGO IMAGES/SHOTSHOP

Jung einerseits, andererseits gibt es Rheinland-Pfalz, wie auch die Bundesrepublik Deutschland, schon länger als andere politische Gebilde auf deutschem Boden. Die DDR existierte 41 Jahre (1949 bis 1990), das sogenannte Dritte Reich knapp 13 Jahre (1933 bis 1945). Beide hätte es besser gar nicht gegeben. Ein Glück dagegen, dass wir Rheinland-Pfalz schon 75 und die Bundesrepublik Deutschland schon 73 Jahre lang haben. Denn das sind Jahre in Frieden und Freiheit und mit wachsendem Wohlstand.Wie haben wir uns daran gewöhnt! Dass es aber doch keine Selbstverständlichkeit ist,führt uns Wladimir Putins Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine schonungslos vor Augen. Niemals seit 1945 sind uns Krieg, Zerstörung, Kriegsverbrechen und Leid in solchem Ausmaß so nahegekommen wie seit dem 24. Februar 2022.Endlose Folge von Eroberung und VertreibungWas Rheinland-Pfalz und die Pfalz betrifft, sollten wir nicht vergessen: Dieses Gebiet inmitten Europas litt häufiger unter Kriegen als die meisten anderen Regionen auf diesem Kontinent. Hier gab es eine schier endlose Folge von Verteidigung und Eroberung, Flucht und Vertreibung. Denn das Land am Rhein war begehrt. Viele Völker und Herrscher sind hier gewesen: die Kelten, die Römer, die Alemannen, die Franken, merowingische und karolingische Königsgeschlechter, die Salier, die Staufer, die Habsburger, die Wittelsbacher.Die großen europäischen Kriege hatten fast immer das Land am Rhein als Schauplatz. Hinzu kamen Erbfolgekriege, Bruderkriege, der Bauernaufstand. Ortschaften und Städte wurden belagert und ausgehungert, geschleift und gebrandschatzt.

75 Jahre - das ist fast ein Menschenleben. Wie ist es aber, wenn ein Land 75 wird, zumal ein deutsches Bundesland? Jung ist es, zumindest im Vergleich zur Geschichte der meisten Staaten und Nationen oder gar der von Völkern. Eine Gratulation zum 75. Geburtstag.

Retortenkind der westlichen Siegermächte

Auf einer Landkarte kriegerischer Schlachten bleibt kaum ein weißer Fleck: ob bei Göllheim (1298), am Hasenbühl bei Pfeddersheim (1525) oder bei Pirmasens (1793). Die Pfalz wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg, als sie im Westfälischen Frieden in unmittelbare Nachbarschaft zu Frankreich geriet, endgültig zum Grenzland. Wie Elsass und Lothringen auf der anderen Seite wurde sie zum Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich.

Angesichts dieser Geschichte ist Rheinland-Pfalz ein Friedensland von Dauer. Dass es dazu einmal werden würde, war vor 75 Jahren nicht absehbar. Denn dieses Bundesland war ein Retortenkind, zur Welt gebracht von den westlichen Siegermächten des Zweiten Weltkrieges.

Es ist nicht gegründet auf gewachsenen regionalen Strukturen, auf landsmannschaftlichen Verbindungen, auf historischen Zusammengehörigkeiten. Sein Raum und seine Grenzen sind orientiert an Demarkationslinien, Besatzungszonen und Interessen der Siegermächte.

Doch das Retortenkind von damals hat sich als feste Größe etabliert. Die Menschen und ihre politischen Repräsentanten haben es entschlossen aufgebaut und fest zusammengefügt. Sie haben die innere und äußere Vielfalt als Chance genutzt. Seite an Seite leben sie mit Franzosen, Luxemburgern und Belgiern.

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Ein Segen für den Grenzverkehr: Die Unterzeichnung des Aachener Vertrages 2019 durch Emmanuel Macron und Angela Merkel. Dahinter die Außenminister Jean-Yves Le Drian und Heiko Maas. FOTO: IMAGO/KLAUSW. SCHMIDT
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Grün eingefärbt zeigt diese Karte von 1945 die französische Besatzungszone. Das aus diesen Regionen entstandene Rheinland-Pfalz liegt heute im Herzen Europas. FOTO: PICTURE-ALLIANCE / AKG-IMAGES

Kein Platz für überkommene Feindbilder

Das Land funktioniert. Regionale Eigenständigkeiten und Eigenheiten werden akzeptiert, ja sogar gepflegt. Strukturschwachen Gebieten wird mit Mitteln des Landes, des Bundes und der Europäischen Union (EU) geholfen. Regierung und Landtag haben keine regionalen Präferenzen. Sie dienen dem Ganzen. Die Zusammenarbeit mit den Nachbarn über die Grenzen hinweg ist pragmatisch, vom Alltagsnutzen geprägt und lässt überkommenen Feindbildern kaum noch Platz.

Im Pandemie-bedingten Lockdown ist deutlich geworden: Die große Mehrheit der Bürger beiderseits der Grenzen will keine täglich spürbaren Hindernisse zu den Nachbarn mehr und nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft hört an Landesgrenzen nicht mehr auf. Der „Aachener Vertrag“, den Angela Merkel und Emmanuel Macron am 22. Januar 2019 unterzeichnet haben, erleichtert spürbar die grenzüberschreitende Zusammenarbeit - etwa im öffentlichen Nahverkehr oder im Umweltschutz.

Der Exportweltmeister unter den Bundesländern

Rheinland-Pfalz ist zu einer Kernregion Europas geworden: als Verkehrsachse, im Handel, als Industriestandort. Es zeigt im Kleinen beispielhaft, wie so unterschiedliche Regionen wie der Hunsrück, die Eifel, der Westerwald, Rheinhessen, die Mosel, der Mittelrhein oder auch die West- und die Ostpfalz zusammenfinden können. Es lebt grenzüberschreitende Nachbarschaft zu anderen Völkern vor.

Umgekehrt gibt es kaum eine Region auf dem Kontinent, die so sehr von der fortschreitenden Einigung Europas profitiert hat, wie Rheinland-Pfalz. Es ist Exportmeister unter den Bundesländern. Viele der Arbeitsplätze hier gäbe es ohne den EU-Binnenmarkt gar nicht. Die Bürger anderer Länder kommen gerne zu Kurzerholung und Urlaub in dieses so schöne und abwechslungsreiche Bundesland und zu seinen lebensfrohen Menschen.

Das einstige Retortenkind Rheinland-Pfalz ist in 75 Jahren gemeinsame Heimat für die unterschiedlichen Heimaten seiner Bewohner geworden. Es ist eine Kernregion Europas und viele Rheinland-Pfälzer sind Herzens-Europäer geworden. Auch deshalb lebt dieses Land seit 75 Jahren in Frieden und Freiheit. So möge es bleiben. Deshalb: Herzlichen Glückwunsch und:

Alles Gute, Rheinland-Pfalz! CHEFREDAKTEUR MICHAEL GARTHE