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LEBEN (wie) DAHEIM

Persönliche Beratung darf nicht verloren gehen

Die Ökumenische Sozialstation beobachtet das Pflegeneuordnungsgesetz mit ungutem Gefühl

Persönliche Beratung darf nicht verloren gehen

Die Pflegeberatung ist ein wichtiger Teil des Aufgabengebietes der Sozialstation. FOTO: ÖK. SOZIALSTATION LUDWIGSHAFEN/GRATIS

Mit ungutem Gefühl beobachten die Mitarbeitenden der Ökumenischen Sozialstation in Ludwigshafen derzeit die Entwicklungen um das sogenannte Pflegeneuordnungsgesetz und fürchten ein reines Spargesetz. „Die aktuelle gesundheitspolitische Lage ist mehr als schwierig. Wir möchten momentan alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um auf dieses bevorstehende Problem aufmerksam zu machen“, klagt Geschäftsführer Marvin Veith und fürchtet: „Aus unserer Sicht ist die große Gefahr einer drohenden Unterversorgung der Bevölkerung eben dieser noch nicht wirklich präsent.“ 

Mit einem breiten Spektrum an Dienstleistungen unterstützt die Ökumenische Sozialstation Ludwigshafen alte, kranke und hilfsbedürftige Menschen dabei, ein möglichst selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen. Eine große Rolle spielen dabei nicht nur die medizinische Versorgung und die körperliche Pflege, sondern auch die Beratung der Angehörigen. 

Die stehen nämlich oft vor einer völlig neuen Situation. Neben der Zusatzbelastung der Pflege muss sich auch noch durch die ganze Bürokratie gekämpft werden. Es gilt herauszufinden, welche Leistungen überhaupt zur Verfügung stehen, und was und wieviel bei welchem Pflegegrad. Oft genug eine Wissenschaft für sich und im Verlauf der Pflegebedürftigkeit ergeben sich immer wieder neue Herausforderungen. 

Hinzu kommen neben der organisatorischen Komponente körperliche und auch mentale Belastungen. Die Pflege eines Angehörigen bedeutet nicht nur eine körperliche, sondern nicht selten auch eine mentale Herausforderung, gerade wenn Demenz ins Spiel kommt. 

Gut, dass es hier die regelmäßige Beratung der Ökumenischen Sozialstation auf persönlicher Ebene gibt, so zumindest bisher. Aber was wird aus dieser werden? Vorgesehen ist nämlich nun, diese Leistung komplett an die Pflegekasse anzudocken.

Angehörige unterstützen

Im Fokus der Beratung der Ökumenischen Sozialstation steht nicht nur der zu pflegende Mensch, sondern eben auch die pflegenden Angehörigen selbst. Denn die dürfen auf keinen Fall durch Überlastung ausfallen. Um dem voraus zu kommen, hilft die Ökumenische Sozialstation auch bei der Organisation einer Tagespflege oder einer Verhinderungspflege. Aber auch bei der Verhinderungspflege soll es zu Kürzungen kommen. 

Nicht jeder pflegende Angehörige wird sich die selbst zu tragende finanzielle Zusatzbelastung leisten können und die Erholung derer, die die Hauptlast tragen, könnte auf der Strecke bleiben. 

Auch die geplanten Änderungen beim Entlastungsbetrag könnten nicht nur zu Einbußen für die Betroffenen selbst werden, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die Ökumenischen Sozialstationen haben. Umsatzeinbußen und Jobverlust im Bereich Hauswirtschaft – ein großer Bereich im Portfolio - könnten die Folgen sein. uln


Pflegeberatung ist verpflichtend

Rund drei Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland werden laut Statistischem Bundesamt ausschließlich von An- und Zugehörigen zu Hause versorgt und erhalten dafür Pflegegeld. Um die Pflegequalität sicherzustellen, Probleme rechtzeitig zu erkennen und die Pflegenden bei der Pflege zu unterstützen, müssen sie regelmäßig eine verpflichtende Pflegeberatung wahrnehmen. „Hier hat sich 2026 etwas geändert“, erklärt Frank Herold von der Pflegeberatung compass: „Während die Beratung bisher bei Pflegegrad 2 und 3 halbjährlich und bei Pflegegrad 4 und 5 vierteljährlich stattfinden musste, ist sie jetzt für alle vier Pflegegrade nur noch halbjährlich verpflichtend.“ Eine vierteljährliche Beratung für die Pflegegrade 4 und 5 bleibt aber weiterhin freiwillig möglich. Bei mindestens jeder zweiten Beratung kommen die Pflegefachleute dafür ins Haus, die anderen Termine können auf Wunsch auch per Videogespräch durchgeführt werden – unter www.pflegeberatung.de gibt es mehr Wissenswertes dazu. Die Beratungsbesuche werden von der Pflegeversicherung finanziert und durch qualifizierte Pflegefachkräfte durchgeführt. „Sie sind zwar verpflichtend, aber auch ein tolles Angebot. Denn sie bieten gerade An- und Zugehörigen oft einen ersten, frühzeitigen und kostenfreien Zugang zu wertvollen Informationen“, weiß der Fachmann. djd