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LEO Saison - Frühling

Das älteste Forstamt Deutschlands

Auf spätrömischen Spuren: Ausflug zur Heidelsburg bei Waldfischbach-Burgalben

Behauene Steinquader: Reste des Westtors der Festung. | Fotos: wig

24.03.2021


Zugegeben, wir haben es uns einfach gemacht: Bei durchwachsenem Wetter war nicht der Weg, sondern tatsächlich die Sehenswürdigkeit das Ziel der „Wandertour“: die Heidelsburg. Vom kleinen Waldparkplatz links an der K32 (ab Ortsausgang Waldfischbach-Burgalben 2,6 Kilometer in Richtung Leimen/Clausensee) geht es auf einem zunächst wenig spektakulären Weg nur einen guten Kilometer weit den Dreisommerberg hinauf.

Der Spaziergang lohnt trotzdem: Oben angekommen, findet sich der Wanderer unvermittelt in einer eigenen, mystisch anmutenden und Geschichte atmenden Welt wieder, die auf verwunschenen Pfaden erkundet sein möchte. Mit Moosen und Flechten bewachsene Steinquader und Mauerreste zeugen von einer Befestigungsanlage auf dem 333 Meter hoch über dem Schwarzbachtal gelegenen Bergsporn, dem südlichsten Ausläufer des Dreisommerbergs. Beim Rundgang am Fuße der Ruine entlang steiler Sandsteinwände einerseits und einem tiefen Graben andererseits lässt sich gut ermessen, dass diese Festung für Angreifer nur schwer zu stürmen gewesen sein muss. Dann wird ein besonders beeindruckender Blickfang sichtbar: eine behauene Sandsteinplatte, die ein Paar abbildet.

Der Wanderführer informiert: Die Grabplatte sei nicht das Original, sondern eine Rekonstruktion – das Original finde sich im Historischen Museum in Speyer. Interessant ist aber auch die Rekonstruktion: Die Frau hält einen Korb in der Hand, der Mann eine Axt. Das interpretieren Archäologen laut Wanderführer als Symbol des römischen Forstverwalters, des „Saltuarius“. Ein gleichlautender Namenszusatz auf einer Inschrift in der Mauer sowie ein entsprechendes Werkzeug seien bei Ausgrabungen ebenfalls in der Nähe der Anlage gefunden worden. Näheres ist unter anderem dem Pfälzischen Burgenlexikon von Jürgen Keddigkeit zu entnehmen, der dem Bunenstein, wie die Heidelsburg auch genannt wird, ein eigenes Kapitel gewidmet hat. Den Quellen zufolge geht man davon aus, dass es sich bei der Heidelsburg um das älteste bekannte Indiz für Waldadministration in der Spätantike auf germanischem Boden handelt. Die Heidelsburg wäre demnach also das älteste Forstamt Deutschlands.

Ein gut geschütztes obendrein, was steten Angriffen beutelüsterner Alamannen geschuldet war. Über ausgewaschene Stufen geht es hoch zur Festung, wo sich mächtige Mauerreste finden. Mit etwas Fantasie ersteht vor dem inneren Auge das doppelflügelige Westtor der Heidelsburg, dessen Reste vor Jahren aus Originalquadern rekonstruiert wurden. Eine Vertiefung in der Ringmauer wird wiederum als Rest einer Zisterne gedeutet.

Doch selbst die mächtigen Mauern und das schwere Tor konnten dem Ansturm der Alamannen letztlich nicht standhalten: Im Jahr 354 vor Christus sollen die spätrömischen Bewohner der Heidelsburg einem Barbarensturm zum Opfer gefallen, die Feste verwüstet worden sein. Die Heidelsburg verfiel, wie auch das römische Reich in jenen Jahren niederging. Heute ruhen die Burgreste nach dem brutalen Ende vor nahezu 1500 Jahren friedlich mitten im Pfälzerwald.

Nach der spannenden Exkursion auf römischen Spuren verlassen wir das Gemäuer durch besagte Reste des zweiflügeligen Tors auf einem steil hinabführenden, teils ziemlich zugewachsenen Trampelpfad, der zurück zum Parkplatz führt. Wir stiefeln still vor uns hin und sinnieren noch eine Weile über die Mauerreste und ihre bewegte Geschichte. Eine Spurensuche, die so interessant ist, dass auch der Premiumwanderweg Pfälzer Waldpfad sie nicht ausspart. Nicht zuletzt führen mehrere markierte Rundwege unterschiedlicher Länge hier vorbei. Und so ist die Heidelsburg auch für Wanderer interessant, für die in erster Linie der Weg das Ziel ist. Gisela Huwig
 
 

INFO

Zum Weiterlesen: Harald Hartusch, »Mystery – Die großen Mythen der Pfalz«, 16,80 Euro
erhältlich unter www.mystery-deutschland.com
Eine rund 9 Kilometer lange Wanderung startet am Clausensee
Infos: www.vgwaldfischbach-burgalben.de (Tourismus, Wandern, Clausensee-Tour), 06333 9250
 

Auf den Spuren der Geschichte: Drei weitere Ausflugziele rund um Sagen, Legenden und Mythen

Bad Dürkheim: Kultplatz „Teufelsstein“. | Foto: Harald Hartusch/frei
Bad Dürkheim: Kultplatz „Teufelsstein“. | Foto: Harald Hartusch/frei

Bad Dürkheim: Kelten und Römer
Am Wanderparkplatz beim Forsthaus Weilach beginnt ein Rundweg zum „Teufelsstein“: Der Markierung „Pfalz-Pfade Weilach – Rundweg Teufelsstein-Krimhildenstuhl“ folgen. Der seltsam gelöcherte Fels soll das kultische Zentrum einer mysteriösen Keltenstadt gewesen sein, von der noch vermooste Steinwälle zeugen. Die Runde führt auch am römischen Steinbruch Krimhildenstuhl vorbei. Ein mit 9,4 Kilometern etwas längerer abwechslungsreicher Rundweg auf den Spuren von Römern und Kelten startet in Bad Dürkheim am Bahnhof. Er folgt in Teilen dem Premiumweg Pfälzer Weinsteig. Info: www.bad-duerkheim.de (Kultur/Tourismus, Wandern/Walken, Wanderwege, bei der Suche Teufelsstein eingeben). Infos: info@bad-duerkheim.de, 06322 935140
 

Deidesheim: „Heidenlöcher“. | Foto: Harald Hartusch/frei
Deidesheim: „Heidenlöcher“. | Foto: Harald Hartusch/frei

Deidesheim: Karolingerzeit
Eine einst stark befestigte Stadt nahe Deidesheim, historisch falsch „Heidenlöcher“ genannt, soll unter den Karolingern zum Schutz gegen Normannen oder Ungarn erbaut worden sein. Heute finden sich verblichene Spuren, etwa des Nordtors, in einem lichten Kiefernwald. Eine Tour dorthin startet am historischen Marktplatz, wo es auf dem Pfälzer Weinsteig Richtung Wachenheim geht. Die Tour führt an der Michaelskapelle vorbei. Info: 06326 96770, www.deidesheim.de (Menü, Entdecken und Erleben, Aktivitäten)
 

Schönenberg-Kübelberg: alter Galgen. | Foto: Harald Hartusch/frei
Schönenberg-Kübelberg: alter Galgen. | Foto: Harald Hartusch/frei

Schönenberg-Kübelberg: Mittelalter
In der Verbandsgemeinde Oberes Glantal können Wanderfreudige auf drei Wanderwegen das „Begehbare Geschichtsbuch“ erkunden, darunter der rund 30 Kilometer lange Ritter-Gerin-Weg, der auch das mittelalterliche „Gericht Kübelberg“ mit Galgen, Pranger, Gerichtsturm und Blutrichtstätte „Rabentisch“ dokumentiert. Zugegeben, es bedarf einer gewissen Morbidität oder ausgeprägten Galgenhumors, diese historischen Stätten in der Westpfalz zu erwandern, aber es eröffnet auch einen wenngleich schaurigen, so doch interessanten Blick in die historische Gerichtsbarkeit und Rechtsprechung. Vom Friedhof am Ortsrand von Schönenberg-Kübelberg (Richtung Miesau) führt ein gegenüberliegender Teerweg zum Ritter-Gerin-Weg. Er führt nach links zum Galgen, der nur wenige hundert Meter entfernt ist. Der „Rabentisch“ liegt in der entgegengesetzten Richtung ebenfalls am Ritter-Gerin-Weg. Weitere Infos: www.vgog.de (Tourismus/Rad- und Wanderwege/Wanderwege/„Begehbares Geschichtsbuch“), 06373 5040 wig

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